Rezension

Hat so seine Schwachpunkte, dennoch lesenswert!

Freiflug -

Freiflug
von Christine Drews

Bewertet mit 3.5 Sternen

Zugebenermaßen habe ich den Roman aus einem Missverständnis heraus als Rezensionsexemplar angefragt. Die Covergestaltung hat mich an einen Roman erinnert den ich toll fand und ich bin irrtümlich davon ausgegangen, das es sich daher um ein Buch der Autorin handelt, die Deutsches Haus geschrieben hat. Im nachhinein hat sich das als Trugschluss herausgestellt. Dann fiel mir aber zumindest wieder ein, weshalb mir Christine Drews Name ein Begriff war. Ich habe einen ihrer Kriminalromane gelesen. Da er mir aber nicht so gut gefiel, gebe ich frei zu, das ich hier dann doch etwas zurückhaltend war mit meiner Erwartungshaltung.

 

Auch wenn ich "Freiflug" keine 1 mit Sternchen geben würde, hat die Lektüre mich dennoch bereichert. Ich kannte Rita Maiburg vorher nicht und das ist ehrlich gesagt ziemlich traurig, Immerhin hat diese junge Frau Geschichte geschrieben und es ist sehr bezeichnend, wie in Deutschland nach wie vor Geschichte geschrieben wird, das ihr Name so unbekannt ist. Obwohl sie die erste Frau der Welt!! war, die als Kapitänin für eine Fluggesellschaft geflogen ist. Was mich tatsächlich am meisten beeindruckt ist ihr Alter, Maiwald war gerade mal in den frühen Zwanzigern und hat sich getraut die Lufthansa zu verklagen. Zurecht und es hat mich sehr wütend gemacht, wie argumentiert wurde, weshalb eine Frau nicht als Pilotin arbeiten sollte - oder generell...

Katharina als ihre Anwältin, fand ich eine spannende Figur, weil sie vieles anders macht, als ihre Schwestern und ihre Mutter. Aber auch, weil sie sich auch gegenüber einem Patriarchalen Vater durchsetzen muss. Leider fand ich hier, das der Konflikt nicht richtig heraus gearbeitet wurde. Vieles blieb mir zu wage. Des weiteren hat mich auch gestört, das es dann ohne Romanze für Katharina auch nicht ging. Auch wenn das mal ein klein wenig am Klischee vorbei ging, ich gebe zu, konsequenter hätte ich gefunden, wenn es eben mal keine Liebesgeschichte gegeben hätte. Für mich hat sie die Handlung unnötig aufgebläht. Ich hätte tatsächlich den Fokus gerne stärker auf Rita gesehen, auch wenn ich verstehe, das es zum Teil schwierig war. Die Autorin erklärt im Nachwort, das es leider zum Prozess keine juristischen Unterlagen mehr gibt und sie keine Verwandten von Rita Maiburg finden konnte.

 

Mein Problem war tatsächlich zum einen der Schreibstil der Autorin, aber auch die Erzählweise an sich. Ich fand es wurde einfach zu vieles, das zeitgenössischen Hintergrund vermitteln sollte, erklärt, statt es in die Handlung richtig zu integrieren. Das waren dann oft die Teile, die eher wie aus einem Lehrbuch klangen, als wie Gedanken einzelner Figuren. Zu mal manches davon auch offensichtlich nach Gedanken aus dem heute auf die Zeit damals wirkten. Das ist bei mir grundsätzlich etwas, das mich sehr stört. Hinzu kam, das Katharinas eigene Geschichte zum Teil etwas sehr viel Raum bekam. Es ging fast eher um sie, als um den Prozess. Das fand ich schade, denn ich wollte ja genau darüber mehr erfahren. Katharinas Familiengeschichte fand ich zum Teil dann auch etwas zu vollgestopft mit vielen Ideen, die zwar historisch schon gut passen, aber irgendwie zu viel des Guten waren. Es war als ob hier ein Checkliste abgearbeitet wurde.

 

Was mich sehr wütend gemacht hat, waren die verschiedenen rechtlichen Aspekte. Wenn ich mir überlege, was Frauen noch mitte der 70er Jahre alles nicht erlaubt wurde, obwohl wir rechtlich betrachtet im Grundgesetzt gleichgestellt waren, das aber einfach mal von Männern so ausgelegt wurde, wie es ihnen in den kram passte. Und viele Frauen haben das ja auch akzeptiert, weil sie es nicht anders kannten und sie selbst glaubten, das es seine Richtigkeit hätte. Gleichzeitig habe ich auch wieder gemerkt, das auch heute noch so viele Vorurteile gar nicht ganz verschwunden sind und es nach wie vor genug Menschen gibt, die denken das es das eine Essenz des typisch weiblichen und typisch Männlichen gäbe und das dies grundsätzlich biologisch erklärbar sei. Das Frauen nach wie vor auf den gleichen Positionen weniger verdienen, sie nach wie vor große Nachteile davon haben, wenn sie Kinder bekommen und und und ... die Liste ist nach wie vor viel zu lang.

Frauengeschichte ist keine eigene Geschichte, sondern sollte eigentlich ganz selbstverständlich und ohne Besonderheit oder als "andere Geschichte" erzählt werden. Das es nach wie vor etwas so besonderes ist, wenn eben der Fokus mal nicht auf einen Mann gelegt wird, sagt einiges über unsere heutige Gesellschaft aus. Und selbst dann haben wir viele weitere Themen des Feminismus nur gestreift.