Rezension

Herrlich witzig!

Silber - Das erste Buch der Träume
von Kerstin Gier

Inhalt:

Liv und Mia Silber haben die Sommerferien bei ihrem Dad verbracht und sind jetzt auf dem Weg nach London, wo ihre Mutter ihnen endlich ein Zuhause versprochen hat. In der Erwartung, ihr neues Leben in einem süßen, kleinen Cottage außerhalb von London zu verbringen, steigen sie frohgemut aus dem Flieger. Dort erwartet sie allerdings nicht nur ihre Mum, sondern auch ihr neuer Freund, der sie mit den Worten, „Es gibt eine kleine Planänderung“, begrüßt. Die „kleine Planänderung“ beinhaltet nicht nur eine Stadtwohnung und eine Eliteschule, sondern gleich auch noch zwei neue Geschwister. Immerhin scheint das Brüderchen ein Geheimnis zu haben und nichts liebt Liv mehr als ein gutes Geheimnis. Dass dieses allerdings lebhafte und täuschend echte Träume beinhaltet, an die sich ALLE Beteiligten erinnern können, hätte sie sich aber nie „erträumen“ lassen…

Die Protagonistin:

Olivia Silber, kurz Liv, ist eine starke Persönlichkeit, die nicht nur nicht auf den Mund gefallen ist, sondern auch gut über sich selbst lachen kann. Sie hat für jede Situation den passenden Spruch parat, kann aber auch ernst sein. Wenn sie sich für einen Weg entschieden hat, geht sie ihn bis zum Ende, koste es was es wolle. Sie nimmt die Dinge lieber selbst in die Hand als auf einen Prinzen in schimmernder Rüstung zu warten. Doch ihre wahre Leidenschaft sind Rätsel und Geheimnisse. Dementsprechend schnell stürzt sie sich in dieses träumerische Abenteuer, denn sie kann keinem guten Geheimnis widerstehen…

Eigene Meinung:

„Silber – Das erste Buch der Träume“ von Kerstin Gier bietet alles, was man sich von einem guten Jugendbuch wünscht und braucht sich keinesfalls hinter der Edelstein Trilogie zu verstecken.

Kerstin Giers Schreibstil ist gewohnt locker, leicht und flüssig. Der Sprachgebrauch ist jugendlich frisch und ihre Beschreibungen genau richtig. In Kombination mit ihrem herrlichen Humor, liest sich das Buch förmlich von selbst. Erzählt wird das Geschehen aus der Ich-Perspektive von der Protagonistin, Liv.
 
Die Charaktere sind einfach liebenswürdig. Ein jeder hat seine Rolle, sei sie auch noch so winzig, sodass es keine „überflüssigen“ Figuren gibt, bei denen man sich fragt, warum sie überhaupt erwähnt werden. Sie sind einzigartig und vielseitig; jede Persönlichkeit hat dieses eine Merkmal, das sie zu etwas ganz besonderem macht. Dabei sind die meisten nicht mal besonders tiefgründig, doch das ist in diesem Fall genau richtig.

Schon nach wenigen Seiten zieht der Roman die Leser in seinen Bann. Kerstin Gier hat den perfekten Einstieg gewählt, denn man erfährt auf einer sehr humorvollen Art wie die Familienverhältnisse sind, wie es dazu kommt, dass die beiden Schwestern nach London fliegen und im gewissen Maße auch, warum sie so sind wie sie sind. Danach plätschert die Geschichte auf einer fantasievollen und abwechslungsreichen Art vor sich hin, denn Spannung im klassischen Sinn erlebt man erst beim großen Showdown. Doch das ist egal, denn Kerstin beweist, dass Spannung und Action manchmal völlig überbewertet sind.

Ein Highlight war ohne Zweifel der Tittle Tattle Blog, der ganz im Stil von Gossip Girl, den neuesten Klatsch und Tratsch der Frognal Academy verbreitet. Geführt wird dieser Blog von der anonymen Secrecy, die schwört, dass niemand je ihre Identität aufdecken wird – wieder ein Rätsel, dass die Silber Schwestern zu lösen gedenken. Im Übrigen kann man den Blog unter folgendem Link tatsächlich besuchen: http://www.tittletattleblog.de/ .

Entgegen ihrer Überzeugung, immun gegen das männliche Geschlecht zu sein, verliebt sich Liv - doch in wen, das verrate ich Euch nicht. Das ganze Drumherum um die aufkeimende Beziehung gliedert sich unauffällig ins Geschehen ein und dominiert die Geschichte an keiner Stelle. Vielmehr ist es die Kirsche auf der Sahnehaube!

Auch wenn ich in der Regel recht unregelmäßig über die Gestaltung eines Buches berichte, komme ich nicht umhin, sie in diesem Fall zu erwähnen. Selten habe ich ein vergleichbar schönes Exemplar in mein Regal stellen dürfen. Das Cover ähnelt vom Stil der Edelsteintrilogie, wenn ich mich nicht irre, war da sogar dieselbe Designerin am Werk. Mir persönlich gefällt mir dieses Design aber tausend Mal als bei Rubinrot & Co. Liegt vielleicht auch daran, dass hier zwei Sinne beansprucht werden; man darf dieses schöne Cover nicht nur mit den Augen bewundern, sondern auch ertasten. Ohne Schutzumschlag geht die Entdeckungstour sogleich noch weiter, doch auch hier möchte ich Euch nicht den Spaß verderben. Ich sage nur so viel: ein zweiter Blick lohnt sich definitiv! Besonders gefallen hat mir, dass die Ausschnitte aus dem Tittle Tattle Blog tatsächlich wie Ausdrucke aussahen.

Fazit:

 
Kerstin Giers „Silber – Das erste Buch der Träume“ ist der gelungene Auftakt zu ihrer lang ersehnten neuen Jugendbuch Trilogie. Nach der Edelstein Trilogie waren die Erwartungen extrem hoch, doch „Silber“ muss sich keinesfalls hinter seinen älteren Geschwistern verstecken. Gekonnt zieht die Autorin den Leser mit ihrem einfachen, flüssigen Schreibstil in ihren Bann und bezaubert mit liebenswürdigen Charakteren. Die Geschichte ist an keiner Stelle langweilig, auch wenn Spannung im klassischen Sinne nicht die Mehrheit ausmacht. Der tolle Humor entlockt dem Leser nicht nur ein Schmunzeln, sondern richtige Lachanfälle; dennoch nimmt man die Geschichte ernst. Ein definitives Must-Read für alle Fans der Edelstein Trilogie und allen, die einer innovativen Geschichte mit vielen Lachern nicht abgeneigt sind – 5/5 Bücher!