Rezension

historischer Tatsachenroman, unglaublich spannend, voller Überraschungen u.Dramatik

Die Hexe von Nassau -

Die Hexe von Nassau
von Nicole Steyer

Bewertet mit 4.5 Sternen

Der Titel klingt im ersten Moment ziemlich heftig, beschreibt aber einen Tatsachenbericht aus einer grausamen historischen Zeit, in der Aberglaube und Unglücke immer mit dem Teufel und seinem Einfluss auf Menschen in Verbindung gebracht wurden.

Tatsächlich gibt es am Idsteiner Hexenturm eine Marmortafel, die der Opfer der Hexenverfolgung im 17.Jahrhundert gedenkt. Die Autorin hat hier also eine wahre Begebenheit mit fiktiven Elementen verwoben, so unglaublich gut und authentisch, dass man sich wie auf einer Zeitreise befindet.

Dabei spielt der Landesvater Graf Johannes, mit seiner verworrenen Sichtweise, auf seinem Weg zum ewigen Leben Anerkennung und Lob zu sammeln eine große Rolle. Er lässt die Kirche prunkvoll ausbauen und modernisieren, gleichzeitig geht er vehement gegen Hexen vor, sorgt dafür, dass Prozesse geführt werden, die in seinen Augen völlig gerechtfertigt sind, für die Angeklagten aber chancenlos.

Das kommt dem bösartigen, düsteren Scharfrichter Leonhard Busch sehr gelegen, denn in seiner Funktion als Wunderheiler, Folterer und Wunderheiler war er der Meinung, am besten beurteilen zu können, wer mit dem Teufel im Bunde war.

Sein Einfluss löst eine Kettenreaktion aus, die dafür sorgt, dass man die ganze Zeit die Luft anhalten will und regelrecht durch die Seiten fliegt, weil die Spannung permanent anhält. Das Schicksal Katharinas, ihrer Mutter und all der anderen Frauen ist so emotional, so schockierend, dramatisch und doch so voller Mut und Stärke.

Eine dunkle Epoche, so abgrundtief böse und unvorstellbar, dennoch ein Teil unserer Geschichte und darf deshalb nie in Vergessenheit geraten, besonders wenn Menschen völlig grund-, und chancenlos angeklagt und Geständnisse erzwungen wurden.

Diese Geschichte hat mich wirklich gepackt, weil sie irgendwie auch anders ist. Man erhält Einblicke in die Denkweise, in die perfide Art von verblendeten Menschen, die der Meinung waren, eine gute Sache zu vertreten und dabei so viel Schaden angerichtet haben.
Was mich am meisten gefreut hat, wie mutig und tapfer diese Opfer waren war und was sie erduldet haben, um zu zeigen, sie sind mit Gott verbunden und nichts kann diesen Glauben erschüttern.

An dieser Geschichte ist nichts vorhersehbar, das Ende hat mich voll überrascht und mich einerseits zerrissen, gleichzeitig fand ich es aber auch gelungen und passend, weil es eben mal nicht so ist, wie man oft erwartet.

Wer einen packenden, historischen Mittelalterroman voller Spannung, Dramatik, vielen Wendungen, Hoffnung und Freundschaft lesen möchte, geschichtlich genial recherchiert, der sollte dieses Buch einer tapferen, unerschrockenen, glaubensstarken Frau lesen, die für mich eine Stärke bewiesen hat, die absolut nachahmenswert ist.