Rezension

Humorvoll, philosophisch - einfach für´s Herz!

Was man von hier aus sehen kann - Mariana Leky

Was man von hier aus sehen kann
von Mariana Leky

Bewertet mit 5 Sternen

Dank einer kleinen, feinen Wanderbuchrunde bin ich auf „Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky gekommen.

Hauptsächlich aus der Sicht der Ich-Erzählerin Luise geschrieben, beschreibt Mariana Leky in ihrem Roman das Leben einer kleinen Dorfgemeinschaft im Westerwald und ihren Alltagssorgen. Es wimmelt nur so von schrulligen Figuren und absurd-komischen, aber auch tragischen Situationen, die den Leserinnen und Lesern von einem zarten Lächeln über ein lauthalses Lachen bis hin zu „O Gott – warum?“-Schockstarre jedwede Form von Gefühlsäußerungen abringen.

Das Ganze wird vorgetragen in einer zumeist locker-leichten Sprache und doch haben wir es hier bei Weitem nicht mit einem Roman der Trivialliteratur zu tun – dafür ist es dann doch zeitweise zu poetisch und philosophisch, wie folgende Zitate belegen:

 

„Das Okapi ist ein abwegiges Tier, viel abwegiger als der Tod, und es sieht vollkommen zusammenhanglos aus mit seinen Zebraunterschenkeln, seinen Tapirhüften, seinem giraffenhaft geformten rostroten Leib, seinen Rehaugen und Mausohren. Ein Okapi ist absolut unglaubwürdig, in der Wirklichkeit nicht weniger als in den unheilvollen Träumen einer Westerwälderin.“ (S. 14)

„Es wird in deinem Leben Momente geben, in denen du dich fragen wirst, ob du überhaupt irgendetwas richtig gemacht hast“, sagte er. „Das ist ganz normal. Es ist auch eine sehr schwere Frage. Um die hundertachtzig Kilo, würde ich sagen. Aber es ist eine, auf die es eine Antwort gibt. Sie taucht meist spät im Leben auf. Ich weiß nicht, ob Selma und ich dann noch da sein werden. Deshalb sage ich dir das jetzt: Wenn es so weit ist, wenn diese Frage auftaucht und dir nicht sofort etwas einfällt, dann erinnere dich daran, dass du deine Großmutter und mich sehr glücklich gemacht hast, so glücklich, dass es für ein ganzes Leben von vorne bis hinten reicht. Je älter ich werde, desto mehr glaube ich, dass wir nur für dich erfunden worden sind. Und wenn es einen guten Grund gibt, erfunden zu werden, dann bist das du.“ (S. 198/ S. 199)

 

„Was man von hier aus sehen kann“ ist ein ganz und gar wunderbares Buch, dass von seiner Stimmung, seinem teils schwarzem Humor, aber auch der Zuversicht und Hoffnung, dass alles im Leben seinen Sinn und Platz hat, lebt.

Absolute Leseempfehlung!