Rezension

Innenansicht eines Skandals!

Die Ibiza-Affäre - Bastian Obermayer, Frederik Obermaier

Die Ibiza-Affäre
von Bastian Obermayer Frederik Obermaier

Bewertet mit 5 Sternen

Sommer 2017 auf Ibiza. Der damalige Spitzenkandidat der Freiheitlichen Partei Österreichs, Heinz Christian Strache, sowie sein Parteifreund Johann Gudenus treffen in einer luxuriösen Villa auf eine vermeintliche russische Oligarchennichte. Die angeblich steinreiche Russin will ihr Geld anlegen, in Österreich, will eventuell die Kronen-Zeitung (die auflagenstärkste Zeitung Österreichs) kaufen, will die FPÖ unterstützen. Sie will wissen: Was bekomme ich dafür?

Bei reichlich Alkohol und Energy Drinks stellt Strache Staatsaufträge in Aussicht, prahlt mit Großspendern, erklärt Österreich, schwadroniert übers Leben an der (kommenden) Macht. Was die beiden Politiker nicht wissen: Sie werden dabei gefilmt. Als am 17. Mai 2019 Ausschnitte der Viedeoaufnahmen veröffentlicht wurden, löste dies eine veritable Regierungskrise in Österreich aus.

Das stundenlange Videomaterial wird nach und nach den investigativen Journalisten der Süddeutschen Zeitung, Frederik Obermaier und Bastian Obermayer zur Verfügung gestellt. Das Buch „Die Ibiza-Affäre“, das die beiden Journalisten nun herausgebracht haben ist das Protokoll, nicht nur dieser einen skandalträchtigen Nacht, sondern auch der spektakulären Recherche der Journalisten. Geheime Treffen an verlassenen Orten, GPS Koordinaten, weiße Bildschirme auf der einen Seite. Die Prämisse, nichts für Informationen zu bezahlen, absoluter Quellenschutz und akribische Nachforschungen über die Authentizität des Materials auf der anderen. Das Projekt nimmt ungeahnte Dimensionen an. Obermaier und Obermayer kooperieren mit Journalisten des Spiegels und des österreichischen Wochenblattes „Falter“.

„Die Presse soll den Regierten dienen, nicht den Regierenden..." Der Satz steht in einem Urteil des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten vom 30. Juni 1971, ist unumstößlich und muss überall gelten.

Die „Ibiza-Affäre“ zeichnet nicht nur ein Sittenbild über Überheblichkeit und Unrechtsbewusstsein im Niemandsland zwischen Legalität und Korruption, sondern es ist auch ein Plädoyer für die Pressfreiheit.

Der Inhalt des Videos ist, zumindest in Österreich,  hinlänglich bekannt. Darauf möchte ich auch gar nicht näher eingehen, will aber mit den Worten des Österreichischen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen abschließen:

„Ich möchte das in aller Deutlichkeit sagen:
So sind wir nicht!
So ist Österreich einfach nicht!“