Rezension

Kafkaeske Parabel über die Macht der Musik und die Kraft der Liebe

Tadunos Lied - Odafe Atogun

Tadunos Lied
von Odafe Atogun

Bewertet mit 4 Sternen

„Wann immer er spielte, lehrte er seine Bewacher etwas. Er lehrte sie, dass sich die Lebensqualität nicht unbedingt an den Annehmlichkeiten bemisst, die man genießt. Er lehrte sie, dass ein ehrenhaftes, beherztes Leben in einem Kerker fruchtbarer sein kann als ein verlogenes, falsches im Elfenbeinturm. Er lehrte sie, dass ein schönes Lächeln mehr wert ist als ein gepudertes Gesicht. Und er lehrte sie, stets auf das Innere zu schauen und nicht auf das Äußere.“ (S. 127/128)

Im Exil lebende Musiker oder Autoren, deren Musik respektive Bücher in ihrem Heimatland verboten wurden, gab und gibt es (nicht nur) zur Zeit des Nationalsozialismus, sondern auch in der jüngeren Geschichte. Um einen solchen Musiker geht es in „Tadunos Lied“, dem Debütroman des nigerianischen Schriftstellers Odafe Ategun. Er kehrt allerdings aus dem Exil zurück, um seine Freundin aus den Fängen des Diktators zu befreien. Ob es ihm gelingt, sollte der geneigte Leser selber herausfinden :-).

Der Schreibstil von Odafe Atogun ist nüchtern und eher „neutral“. So überlässt er es lieber dem Leser, das Verhalten von Taduno oder dem Diktator einzuschätzen und zu bewerten – was (s)einen Teil zu den unterschiedlichen Rezensionen beitragen dürfte. Mich hat die kafkaeske und wunderschöne Sprache dieses Romans gefangen genommen, auch wenn die ersten neun Kapitel und das (bewusst?) schnelle, aber nachdenklich stimmende Ende sicherlich die stärksten des Romans sind, während es in der Mitte einen dramaturgischen Hänger gibt.

Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Odafe Atogun mit „Tadunos Lied“ ein außergewöhnliches Debüt gelungen ist, welches noch länger nachhallen und bestimmt zu meinen Jahreshighlights gehören wird.

An dieser Stelle noch ein Dank an den Arche-Verlag für das Rezensionsexemplar!!!
 

Kommentare

naibenak kommentierte am 21. Februar 2017 um 13:07

Schön! Danke, King :-)

kingofmusic kommentierte am 21. Februar 2017 um 14:31

Immer wieder gerne, liebe Bianca!!!

Steve Kaminski kommentierte am 21. Februar 2017 um 13:23

Interessant - ich hatte die Rezension in der FR gelesen; wenn ich mich recht erinnere, war da kritisiert worden, dass die Musik oder ihre Kraft für den Leser nicht recht spürbar wird.

kingofmusic kommentierte am 21. Februar 2017 um 14:30

*g* Das ist durchaus Auslegungssache :-)

Ich habe die Kraft gespürt. Wenn entsprechendes Interesse besteht, würde ich ´ne Wanderbuchrunde starten und jeder kann sich sein eigenes Bild machen...

naibenak kommentierte am 21. Februar 2017 um 14:43

Hier!!!! ...*handheb* :-)