Rezension

Konnte meine Erwartungen leider nicht erfüllen

Blackwood - Britta Sabbag

Blackwood
von Britta Sabbag

Das Cover hat mich sofort angesprochen und sieht wunderschön aus! Vor allem, weil die Libelle so schön im Licht glänzt! Die passt übrigens super zur Geschichte und hat definitiv Erwartungen in mir geweckt, weil sie als Krafttier für Selbstbewusstsein und Kampfgeist steht. Leider konnte das Buch meine Erwartungen diesbezüglich überhaupt nicht erfüllen.

Durch den Klappentext habe ich eine interessante, fantastische und mystische Geschichte erwartet. Die Bezeichnung als All-Age Roman hat mein Interesse verstärkt und ich habe mich auf das Buch gefreut.

Der Schreibstil ist locker und leicht gehalten. Allerdings hatte ich dennoch Schwierigkeiten in die Geschichte reinzufinden. Die Handlung war zu Beginn sehr langatmig und es wurden direkt mehrere Handlungsstränge angefangen. Leider waren die meisten davon nicht gut genug ausgearbeitet, kamen in der Geschichte zu kurz und wurden dann zum Schluss noch reingequetscht, sodass das Ende doch überstürzt wirkte. Im Vergleich zum langgezogenen Anfang hätte ich mir dann lieber den Fokus auf den interessanten Dingen gewünscht. Es ist einfach nicht spannend, wenn am Anfang so viele offene Fragen entstehen und sie erst viel später nochmal aufgegriffen werden, um am Ende dann sehr schnell abgehandelt zu werden. Nach den ersten 250 Seiten konnte ich dann doch mein anfängliches Interesse wiederfinden und die Geschichte gewinnt an Spannung. Die Dialoge haben mich am meisten interessiert. Gesine und ihre Gedankengänge fand ich leider oft zu anstrengend, nervig und uninteressant.

Gesine war mir als Charakter "zu sehr" die 15-jährige, ungeschickte Außenseiterin. Ihre Tollpatschigkeit wird schnell nervig. Sie denkt nicht wirklich nach, bevor sie den Mund aufmacht und auch bei ihren Handlungen denkt sie nicht an die Konsequenzen. Des Weiteren wirkt sie durch gewisse Entscheidungen impulsiv, unreif und definitiv nicht selbstbewusst. Sie lässt sich viel zu viel herumschubsen und hat Angst vor Konsequenzen, die ich nicht wirklich nachvollziehen kann, weil sie eigentlich ziemlich im Abseits steht. Außer drei - vier Personen interessiert sich niemand für sie und redet in der Schule auch nicht mit ihr. Dementsprechend kann ich ihre Denkweise die meiste Zeit nicht nachvollziehen und so fiel es mir ziemlich schwer, mich mit ihr zu identifizieren, weil sie so ganz anders ist als ich. Das ist auch der Kritikpunkt, weshalb ich "Blackwood" nicht als All-Age Roman sehe. Ich glaube, jüngere können sich leichter in Ge hineinversetzen und sich mit ihrer Denkweise besser identifizieren. Für mich handelt sie viel zu unüberlegt, impulsiv und manchmal auch zu trotzig.

Arian war mir dagegen total sympathisch. Er lässt öfter mal einen witzigen Spruch ab und wirkt ansonsten eher ruhig, aber gleichzeitig amüsiert. Leider kam er viel zu selten vor und das Verhältnis zwischen den beiden hat sich sehr langsam entwickelt. Ich konnte am Ende nicht mal ganz nachvollziehen, wie sich da überhaupt irgendwas entwickeln konnte, so selten wie sie sich gesehen haben und so wenig, wie sie über private Dinge gesprochen haben.

Wanda, Gesines Tante, ist auch nur eine nette Nebenfigur. Da hätte ich mir eine tiefere Bindung gewünscht, mehr Gespräche, mehr Informationen und eventuell einen kleinen Crash-Kurs für Gesine, damit sie sich mit den Bräuchen der Iren anfreunden kann, bevor sie ein Fettnäpfchen nach dem anderen mitnimmt und den Zorn der Blackwooder auf sich zieht. Sie war mir viel zu zurückhaltend und ich hatte definitiv eine wichtigere Rolle, mit mehr Informationen, in ihr gesehen, nachdem erwähnt wurde, wie wichtig sie für Gesines Mutter war.

Mimi taucht direkt zu Beginn auf und hat ab da auch immer mal wieder einen Auftritt, wenn sie Gesine mit Pies überhäuft. Ihr gehört das örtliche Café und sie experimentiert wahnsinnig gerne, um neue Kreationen zu schaffen. Als echte Person wäre sie mir definitiv zu aufgedreht und dreist, aber als Buchfigur finde ich sie durchaus amüsant, unterhaltsam und sie gibt Ge von Zeit zu Zeit gute Ratschläge.

Sam, Gesines Freund aus der Schule, war mir am Anfang so sympathisch! Er ist lustig, nicht auf den Mund gefallen und wirkt wie ein guter Sidekick. Leider hat der gute Sam eine Karriere als Radiomoderator geplant und ist dementsprechend gesprächig, wenn es um Informationen geht. So landet die ein oder andere Nachricht, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist, trotzdem im örtlichen Radio. Dort berichtet Bran Foley täglich sehr motiviert über die neusten Ereignisse in Blackwood und manchmal sind wirklich witzige Dinge dabei. Auf Dauer fand ich das allerdings ein bisschen nervig und nicht mehr ganz so lustig, zumal Bran auch echt gemein sein kann.

Die Briefe an sich nehmen keine große Rolle im Buch ein, was mich sehr enttäuscht hat, immerhin dreht sich der Titel und der Klappentext um Briefe! Von denen liest man allerdings nicht sonderlich viel und viele Informationen geben sie auch nicht her.

Die Idee hinter "Blackwood" ist definitiv interessant und hat Potenzial! Leider wurde dieses überhaupt nicht ausgeschöpft und der Fokus auf die falschen Dinge gelegt. Viele Szenen sind zu langatmig, uninteressant oder unwichtig. Die wichtigen Handlungsstränge kriegen nicht genug Aufmerksamkeit und werden am Ende viel zu schnell abgehandelt. Es kommt wirklich viel im Buch vor, aber vieles ist eben einfach nicht wichtig, sondern Fillermaterial, dass man bei der Idee überhaupt nicht gebraucht hätte. Für mich ist "Blackwood" eher ein Jugendroman, in dem das, was beschrieben wird, nicht im Fokus steht. Das Augenmerk der Geschichte liegt ganz woanders und das sehe ich ein wenig problematisch. Immerhin baut man das Interesse der Leser auf gewissen Dingen auf, die am Ende nur eine winzige Rolle einnehmen.

Somit war "Blackwood" für mich leider ein Flop und konnte mich, trotz der guten Idee, nicht überzeugen.