Rezension

KurzRezi: Ein Psychopath hält uns den Spiegel vor

Anonym - Ursula Poznanski, Arno Strobel

Anonym
von Ursula Poznanski Arno Strobel

Bewertet mit 4 Sternen

KurzRezi - Anonym

 

Der Inhalt...

Eine neue aufmüpfige Kollegin und dann noch einen schwierigen Fall an der Backe. So hatte sich der Kriminalhauptkommissar Daniel Buchholz seinen Start in den Tag nicht vorgestellt. Der führt die Zwei nämlich auf die Spur ins Darknet zu einem Forums namens Morituri. Dort können die Mitglieder Kandidaten nominieren, denen daraufhin der Tod winkt. Eine schier aussichtslose Suche nach dem Täter beginnt, zwischen anonymen Nutzern und der tickenden Uhr im Nacken. Denn der Tod ist näher als Daniel und seine Kollegin Nina zunächst glauben...

Meine Meinung...

Zuerst muss ich sagen, dass ich normalerweise kein großer Fan von Krimis bin. Thriller (eher psychologische) durchaus, aber Krimis nicht. Das liegt vor allem daran, dass mir die Ermittler und die Art eines Krimis meistens nicht zusagen. ABER: Genau das hat mir komischerweise in Anonym mit am besten gefallen hat. Ich mochte Nina und Daniel vom ersten Moment an. Daniel, der Inbegriff eines Spießers, der eher sterben würde, als mit Jogginghose zur Arbeit zu gehen, und daneben Nina – ungehalten und unkonventionell, impulsiv, und um keinen frechen Spruch verlegen. Die Zusammenarbeit zwischen ihnen konnte ja nur interessant werden ;) Ich fand es super wie absolut gegensätzlich sie waren und wie ab der ersten Sekunde die Fetzen zwischen ihnen flogen. Grundsätzlich fand ich alle Charaktere toll gezeichnet und einzigartig – Einheitsbrei sucht man hier vergeblich! Ich war ab der ersten Seite komplett gefesselt von der Geschichte. Innerhalb kürzester Zeit habe ich das Buch verschlungen; dass es mir so gut gefallen würde habe ich nicht erwartet! Bis zum bitteren Ende hab ich nicht sagen können wer genau nun hinter diesem Forum steckt, und wie alles miteinander zusammenhängt. Und mit dem letztendlichen „Täter“ hab ich so auch nicht gerechnet! Ich wurde immer paranoider, sah hinter jedem Wort und jeder Tat eine Falle und jeder, ausnahmslos jeder, kam mir verdächtig vor. Einen kleinen Kritikpunkt hab ich noch: Das Ende und den damit verbundenen Showdown fand ich spannend und toll gemacht – keine Frage! Allerdings blieben für mich noch ein paar Fragen offen. Ob die in einem nächsten Teil geklärt werden wage ich mal zu bezweifeln. Außerdem ist aufmerksames Lesen hier Pflicht! Ich hatte manches Gelesenes nämlich falsch verstanden und gedeutet, und war somit am Ende doppelt verwirrt, bis man mich bei der Leserunde auf meine Fehler hinwies. Ohne meine Mitleser würde ich bestimmt immer noch verwirrt mit dem Buch in der Hand sitzen und mich fragen, ob das denn alles so passen konnte, wie ich mir das zurecht gesponnen hatte :D

Die Thematik fand ich wirklich interessant: Ich kannte mich vorher mit der Komplexität des Darknets überhaupt nicht aus. Der Begriff war mir geläufig – mehr aber auch nicht. Immer wieder musste ich beim Lesen fassungslos den Kopf schütteln, weil ich nicht glauben konnte, dass so etwas überhaupt möglich ist und, dass die Menschheit wirklich so grausam, skrupellos und sensationsgeil sein konnte. Doch was hier aufgegriffen und thematisiert wird ist bei uns mittlerweile bitterer Ernst geworden, auch wenn mich so eine Erkenntnis wirklich traurig stimmt. Ich hatte vorher noch nichts von den beiden Autoren gelesen – weder ihre eigenen Werke, noch ihre gemeinsamen. Das wird jetzt definitiv geändert! Mir hat der Schreibstil sehr zugesagt. Obwohl Strobel den Part von Daniel und Poznanski den von Nina übernommen habe, finde ich, hat man keine großen Unterschiede im Stil gesehen. Ganz im Gegenteil: Beide Autoren ergänzen sich, meines Erachtens, wirklich gut und schaffen zusammen eine wunderbare Atmosphäre.

Das Fazit...

Ich bin begeistert! Trotz minimaler Kritikpunkte, ein gelungener Krimi mit spannender Thematik! Ich hoffe es gibt noch einen nächsten Teil mit Salomon und Buchholz! 4,5 Sterne von mir!