Rezension

Leidenschaft die Leiden schafft

Die Muse von Wien - Caroline Bernard

Die Muse von Wien
von Caroline Bernard

Bewertet mit 4 Sternen

Die 19-jährige Alma gilt als schönstes Mädchen Wiens und als talentierte Musikerin. Mit ihren Reizen weiß sie die Aufmerksamkeit von den Künstlern der Wiener Boheme auf sich zu ziehen. Aber was ist wichtiger, sein Talent mit voller Leidenschaft auszuschöpfen oder in aufrichtiger Liebe zu einem Menschen zu zergehen?

Alma Schindler ist die ältere zweier Schwestern und obwohl schon 19 Jahre alt, noch immer unverheiratet. Dabei gilt sie als das schönste Mädchen Wiens und als gute Partie. Ihr Vater gehörte zu dem Malerkreis Wiens, genauso wie ihr Stiefvater Carl Moll. Doch ihre große Leidenschaft ist das Klavierspielen, ihr großer Traum, eines Tages Komponistin zu sein. Für Alma kommen von Anfang an nur ältere Männer, wahre Künstler-Genies, als Liebhaber in Frage. So erobert sie die Herzen von dem Maler Gustav Klimt, vor dem sie aber noch zurückschreckt, dann ihres neuen Klavierlehrers und schließlich das von keinem anderen als Gustav Mahler. Ihrem großen Vorbild! Schließlich macht Mahler ihr einen Heiratsantrag, doch alle Welt warnt sie vor diesem mysteriösen, wahnhaften Musiker. Nicht, dass er knapp 20 Jahre älter ist, nein, er soll auch krank sein! Doch Almas Liebesfeuer ist entfacht und Mahler gibt sich große Mühe ihr den Hof zu machen. Und so stürzt sich Alma ins große Abenteuer, für dass sie allerdings eines aufgeben muss: Ihre große Leidenschaft, das Klavierspielen und Komponieren. Denn diese kann nicht neben dem großen Werk ihres Manns, des Hofoperndirektor Mahlers, bestehen.

Dann wird seitenweise das Eheleben der Mahlers beschrieben. Alma ist tatsächlich glücklich, Gustav trotz seiner Eigenart, dem Künstlerwahn, immer ein liebevoller Ehemann. Sie haben eine Wohnung in Wien und im Sommer fahren sie nach Mairnigg in ihr Sommerdomizil, wo Gustav sein eigenes Häuschen hat, in dem er seine Komponien schreibt und nicht gestört werden will. Alma akzeptiert dies. Das Paar bekommt zwei gemeinsame Kinder. Doch dann beginnt sich Alma zu langweilen. Liebte sie einst die gesellschaftlichen Runden und die vielen Flirts mit den Künstlern der Secession, lehnt Gustav Treffen dieser Art vollständig ab. Alma geht es körperlich und seelisch immer schlechter, sie ahnt verrückt zu werden, so wie ihre Schwester... Dann stirbt ihr Kind. Immer stärker nimmt sie wahr, dass ihr die Musik fehlt. Von Gustav entfernt sie sich zunehmendst.

Die ganze fiktionalisierte Biographie Alma Mahlers schwankt zwischen der Leidenschaft für die Musik, bei beiden Protagonisten, Alma und Gustav, und ihrer fast demütigen Liebe. Die aber nicht genug ist. Die Verzicht bedeutet. Und das in einer Zeit, wo Frauen sich mehr für ihr Leben wünschen. Selbstverwirklichung, ein erfülltes Sexualleben, Beachtung als Frau und nicht nur als Hausfrau, Mutter und Muse. Alles bereits im Hintergrund mit Freuds Psychoanalyse.
Alma liebt die Männer, doch Gustav lebt später nur noch in seiner Musik, als er das Glück hat in der Wintersaison am Met in New York zu dirigieren. So versucht Alma sich ihre Freiheiten herauszunehmen und es wird noch einmal spannend, für welchen Weg sich Alma entscheidet. Und ob sie Gustav noch einmal für sich
zurückgewinnen kann.

Es geht um die Frage, was wahre Liebe und Leidenschaft ist. Ob Talent, Begabung und Kunst stärker isind als die körperlichen Leidenschaften und die eine große, wahre, unsterbliche Liebe.

Insgesamt ein nettes, manchmal aufregendes, aber vor allem romantisches Frauenporträt nach dem Leben einer Femme Fatale der Wiener Boheme, die vermutlich viel bekannter hätte werden können.