Rezension

Literarisches Ebenbild der düsteren Filmvorlage

Das Labyrinth des Fauns
von Cornelia Funke Guillermo Del Toro

Bewertet mit 5 Sternen

Wer Guillermo del Toros filmisches Meisterwerk ‚Pans Labyrinth‘ kennt, welcher als Vorlage für Cornelia Funkes ‚Das Labyrinth des Fauns‘ diente, wird schon eine ungefähre Vorstellung vom Inhalt dieses Buches haben.
Das Leben der jungen Ofelia im Spanien Mitte des 20. Jahrhunderts ist nicht sonderlich leicht oder gar märchenhaft. Es herrscht Krieg und ihr Stiefvater Capitan Vidal, ein menschenverachtender Sadist, interessiert sich nicht im geringsten für sie oder ihre hochschwangere Mutter, obwohl die kleine Familie seinetwegen in die abgelegenen Berge gezogen ist. Während ihr Vater (auf sehr blutige und grausame Art Jagd auf Rebellen macht) sucht Ofelia Zuflucht vor der brutalen Realität und findet sie (so scheint es zunächst) in den umliegenden Wäldern, wo sie auf mystische Wesen trifft, unter anderem einem Faun. Dieser eröffnet ihr, sie sei wahrscheinlich die lang gesuchte Prinzessin des Reiches. Um sicherzugehen, müsse sie aber drei Aufgaben bestehen. Ofelia lässt sich auf die Aufgaben des Faun ein und muss schnell feststellen, dass die magischen Wesen sehr hinterhältig und doppelzüngig sein können. Ihr Handeln hat teils frappierende Auswirkungen auf ihre Realität und sie verstrickt sich mit jeder Aufgabe tiefer in die Düsternis um sie herum.

Von der Autorin Cornelia Funke kenne ich bisher nur ‚Tintenherz‘ und muss sagen, so eine leichte und fantastische Geschichte darf man nicht erwarten, wenn man ‚Das Labyrinth des Fauns‘ zur Hand nimmt.
Die Art und Weise wie Frau Funke das bildgewaltige Epos von Guillermo del Toro zu Papier bringt, hat mich völlig verzaubert. Die drei Handlungsstränge ( Ofelias Abenteuer, Vidals blutige Rebellenjagd und ein Märchen um eine junge Prinzessin)  sind gekonnt miteinander verflochten und der Schreibstil erinnert an eine düstere Melodie, voller Metaphern und atmosphärischer Bilder. Und dennoch ist es kein zweites Tintenherz. ‚Das Labyrinth des Faun‘ ist rau, brutal und an vielen Stellen hoffnungslos. Der kleine Lichtschimmer, der den Leser vor der Verzweiflung bewahrt, ist die unschuldige Ofelia, die sich ihren Weg durch das franco-faschistische Spanien und die magische Welt des Faun kämpft.
Ob letztere wirklich existiert, oder nur in der Fantasie des jungen Mädchens, bleibt dabei offen.

FAZIT

Eine sprachgewandte und beeindruckende literarische Umsetzung der Filmvorlage. Doch auch wenn sie aus der Feder von Frau Funke stammt, behält sie den sehr düsteren und leicht depressiven Unterton der Vorlage bei, ebenso die sehr grausamen und verstörenden Szenen um Ofelias Stiefvater. Wer dies im Hinterkopf behält, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht enttäuscht werden. Wer ein neues märchenhaftes und fantastisches Kinder- und Jugendbuch wie Tintenherz erwartet, der sollte sich vielleicht zunächst die Leseprobe ansehen und dann entscheiden, ob ‚Das Labyrinth des Fauns‘ wirklich etwas für ihn ist.

Empfehlen würde ich dieses Buch erst ab 16 Jahre. Ich bin sonst nicht pingelig, aber in der Kinder- und Jugendbuchabteilung hat eine Geschichte mit derart expliziten Gewaltbeschreibungen, meiner Meinung nach, einfach nichts zu suchen.