Rezension

Merkwürdiger Krimi

Lago Mortale - Giulia Conti

Lago Mortale
von Giulia Conti

Bewertet mit 2 Sternen

Auf dem Cover ist die Ortschaft "Ronco" in Italien zu sehen. Richtig zur Geltung kommt das Bild jedoch erst, wenn man das Buch aufschlägt und Rück- sowie Vorderseite des Umschlages als Ganzes betrachtet. Angesprochen hat mich die Gestaltung von Anfang an nicht, aber lesen wollte ich den Krimi unbedingt, weil die Leseprobe Spannung versprach. Nun denn, ein herzliches Dankeschön von dieser Stelle an den Atlantik-Verlag für das kostenlose Leseesemplar. 

Das Format des Buches, Seitenränder und Schriftgröße fallen angenehm auf. Hier hat der Verlag 45 Kapitel auf 288 Seiten untergebracht. Das macht laut Adam Riese 6.5 Seiten pro Kapitel. Viel unbeschriebenes Papier als Lückenfüller. 

Der Schreibstil wirkte literarisch durchaus professionell, die Handlung an sich hat mich nicht vom Hocker gehauen, denn Spannung kam erst im letzten Viertel auf. Wenn man aber bedenkt, dass es sich hier um einen Debütroman einer Journalistin handelt, die beabsichtigt, eine Serie zu schreiben, dann drücke ich mal zwei Augen zu, denn ich habe hier den Eindruck, die Autorin wollte ihrem Protagonisten Simon Strasser durch die Blume eine Liebeserklärung machen und ihm als Auftakt ein ganzes Buch widmen. Was sie allerdings an ihm sympathisch findet, bleibt mir schleierhaft. Seinen Charakter und seine Lebensweise lassen eher auf einen melancholischen, depressiven Egomanen schließen als auf einen neugierigen und aufgeschlossenen Polizei- und Gerichtsreporter. Auf jeder Seite findet man den Hinweis, dass er lieber nicht nachhakt, nicht nachfragt und seine Gedanken für sich behält. Aber egal, dafür isst er gerne Pasta und geht gerne schwimmen. Ja der Simon ist ein echter Draufgänger: Er führt eine sehr erfüllte, platonische, asexuelle Fernbeziehung und kippt sich abends am liebsten Grappa hinter die Binde. 

Fazit: Wer De'Longhi-Kaffeemaschinen mag und an Homophobie leidet, dem sei dieser Krimi wärmstens zu empfehlen.