Rezension

Nichts für schwache Nerven!

Abgeschlagen
von Michael Tsokos

Bewertet mit 3.5 Sternen

Paul Herzfeld vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Kiel ist verwirrt. Denn, sein Vorgesetzter, Professor Doktor Volker Schneider ist ziemlich schnell mit seinem Urteil zur Hand. Eine Machete soll ihr Mordopfer, das sie auf dem Autopsietisch haben, getötet haben. Noch rätselhafter wird die Sache, als durch den Hausmeister des Instituts bekannt wird, dass die Mordwaffe aus der Asservatenkammer entwendet wurde.

 

Laut Einleitung, basiert dieser Thriller, auf echten Fällen und der jahrelangen Erfahrung des Autor als Rechtsmediziner. Und genau das merkt man sehr gut in diesem Buch. Die gerichtsmedizinischen Untersuchungen und Erkenntnisse sind sehr detailliert beschrieben. Der Autor erspart dem Leser nicht ein Detail, während hier Leichen am Laufmeter aufgeschnitten werden. Ich bin eine hartgesottene Thrillerleserin, doch etliche Male, gingen mir die grausigen Details hier zu weit. Zudem ist vieles langatmig beschrieben. Ich muss zum Beispiel nicht wissen, was für Utensilien ein Tatortkoffer für Pathologen enthält. So hat es mich nicht mehr erstaunt, als die Handlung doch etwas zu kurz kam. In diesem Thriller hatte ich oft den Eindruck, dass die Handlung irgendwie um die Leichenuntersuchungen zurecht gebogen wurde. Gerade zu Beginn, besteht die Handlung ohne ersichtlichen roten Faden aus einer Aneinanderreihung von Untersuchungen von Tatorten und Opfern. Als Abwechslung, ist man bei einem Mord hautnah dabei. Dass, es Michael Tsokos vor allem darum geht, blutige und brutale Details zum Leser zu transportieren, war mir schnell klar. Und dadurch weniger Gewicht auf die Ermittlungen gelegt wird, zeigt mir die Tatsache, dass direkt im Kapitel nach dem Mord, die Gerichtsverhandlung des Täters beschrieben wird. In der es wieder um Tötungsart und Vorgehen der Untersuchungen geht.

Immer wieder werden Themen kurz angerissen und wieder fallen gelassen. Wie zum Beispiel Altersuizid aus Einsamkeit und /oder finanziellen Problemen. Teilweise untersucht das Team Todesfälle, die nichts mit der Hauptgeschichte zu tun haben.

Die Geschichte lebt mit und durch die Figur Paul Herzfeld. Die restlichen Figuren bleiben eher blass, was doch eintönig wird. Gerade Oberkommissar Michael Tomforde hätte eine spannende Figur werden können, hätte der Autor ihm ein Quentchen mehr Tiefe und Raum zugestanden. Zwar gewinnt die Story gegen Mitte an mehr Handlung ausserhalb des Gerichtsmedizinischen Institutes, doch wird es auch vorhersehbarer. Dadurch, dass der Täter für mich schon lange klar war, und auch prompt verraten wird, verliert die Story noch mal an Spannung. So hat mich die Story leider nicht so richtig in den Bann gezogen.