Rezension

Niemand liebt November - oder doch?

Niemand liebt November - Antonia Michaelis

Niemand liebt November
von Antonia Michaelis

Bewertet mit 4 Sternen

Niemand liebt November. Oder doch? Diese Frage beschäftigt die heute siebzehnjährige November, auch Amber genannt, und lässt ihr keine Ruhe! Und wer könnte es ihr verübeln, wo sie doch im Alter von zwei Jahren allein gelassen wurde. Tagelang war sie auf sich allein gestellt. Nur ihre Katze, mit der sie in einer besonderen Verbindung steht, ist für sie da. Um nicht zu verhungern, beschließt Amber an ihrem dritten Geburtstag ihre Eltern zu suchen. Doch während ihrer Suche wird sie aufgegriffen und in ein Heim gebracht. Etliche Pflegefamilien und Heime später hat sich an Novembers Drang das Mysterium ihrer Kindheit, das unbegreifliche Verschwinden ihrer Eltern, nichts geändert. Es muss doch etwas passiert sein, dass sie daran gehindert hatte zu ihrer Tochter zurück zu kommen! Und so macht Amber sich auf die Suche, um endlich das Puzzle ihrer Vergangenheit zusammenzufügen. Während sie nach und nach die Einzelteile zusammenfügt, findet sie etwas wonach sie nie gesucht hat.

Sie hatte nie irgendetwas gelernt. Sie hatte nicht einmal einen Schulabschluss. Sie war immer zu sehr gegen alles gewesen, um irgendwo lange zu bleiben.
S. 60

Gekonnt hat Antonia Michaelis die Figur eines Mädchens geschaffen, dass sich nichts mehr auf der Welt wünscht als von ihren Eltern geliebt zu werden, die sie nie kennenlernen durfte und nach denen sie sich so sehnt! Auch wenn man selbst das Schicksal eines Waisenkindes nicht kennt, vermögen Antonias Worte, Empathie zu wecken und sich somit in diese fremde Situation reinzudenken. 

Theoretisch hatte sie unendlich viel Zeit. Ihr Leben, ihr wahres Leben, würde erst anfangen, wenn sie ihre Eltern fand. Oder wenn sie irgendjemanden fand, der sie liebte. Es war wie im Märchen - der Prinz konnte sich nur zurückverwandeln, wenn jemand ihn lieb gewann. Wenn jemand Amber lieb gewann, würde sie sich ebenfalls verwandeln. In … irgendeine bessere Version ihrer selbst.
S. 76

Dabei lässt sie nichts unversucht, schlägt sich allein in einer fremden Stadt durch. Fristet ein Dasein als Obdachlose. Es fällt ihr schwer Vertrauen zu anderen zu fassen, misstrauisch und voller Argwohn verschließt Amber sich, schlägt mit Worten um sich. Hat es doch nicht anders gelernt. Dabei gerät sie in einen Strudel der sich nur mit einer neuen Identität, einer von ihr geschaffenen Persönlichkeit namens Lucy, bewältigen lässt. 
Doch kann das der richtige Weg sein?

"Glücklich? Nein", wisperte jemand. "Das bist du nicht. Du weißt es selbst." Wenn ich dich finden könnte. Wenn ich dich nur finden könnte." Aber die Person, die der Jemand meinte, befand sich jenseits der Buchseiten, weit weg von dem Zelt, in einer anderen Ebene.
S. 104

Besonders gut an der Geschichte gefällt mir der eingestreute, fantastische Hauch der Unendlichen Geschichte bei denen ich mir selbst vorgekommen bin wie Bastian Balthasar Büx, der Amber versucht während des Lesens etwas zu zurufen, versucht zu helfen. 

Vertraut düster serviert uns Antonia Michaelis auch mit "Niemand liebt November" wieder eine Geschichte, die sich genauso in unserer Stadt abspielen könnte. Schaust du hin… oder lässt du es bleiben?

Niemand liebt November. Oder doch?
 

Kommentare

protagonist kommentierte am 09. November 2014 um 14:52

Huch! Bei der Altersangabe habe ich mich vertan! November wurde an ihrem fünften Geburtstag allein gelassen und verließ an ihrem sechsten Geburtstag ihr zu Hause!