Rezension

Poetischer, niveauvoller Horrortrip

Rückkehr ins Dorf - Ralph Roger Glöckler

Rückkehr ins Dorf
von Ralph Roger Glöckler

Bewertet mit 5 Sternen

"Ralph Roger Glöckler erzählt mit poetischer Sprache und auf ineinander verflochtenen Wahrnehmungsebenen eine wahre Geschichte, die sich 1987 in Portugal ereignet hat. Ein Mann tötet in drei Stunden sieben Menschen. Für die Recherchen dieses Romans besuchte er den Mörder im Gefängnis (...)"

Ich danke dem Größenwahn-Verlag für das kostenlose Rezensionsexemplar, welches ich im Rahmen einer Leserunde hier bei lovelybooks.de gewonnen und gelesen habe. Beworben hatte ich mich, weil der Autor für die Recherchen dieses Romans den Mörder im Gefängnis besucht hatte und ich deswegen hohe Erwartungen an das Buch stellte.

  • Worum geht es?
  • Ein psychisch kranker Mörder führt akribisch Tagebuch und passt den genauen Zeitpunkt ab. Er weiß, dass seine Frau seine Aufzeichnungen liest und dann geschieht plötzlich all das, was seine Frau liest. Ein Alptraum!
  • Ort und Zeit des Geschehens
  • Fiktiver Ort Ende des 20. Jahrhunderts
  • Genre
  • Experimentelle Literatur
  • Schreibstil
  • Anspruchsvoll, poetisch, kompliziert und gewöhnungsbedürftig. Abstrakt und experimentell. Keine Trivialliteratur, die man mal eben zwischendurch liest. Endlose Schachtelsätze.
  • Meine persönliche Meinung
  • Mich hat das Buch an Hape Kerkelings Hurz erinnert ... Nachdem ich die Inhaltsangabe und die Leseprobe gelesen hatte, freute ich mich auf eine True-Crime Story. Doch anders als erwartet bekam ich eine poetisch aufgearbeitete Tagebuchfassung zu lesen, die sich zu einem alptraumhaften Horrortrip entwickelt hat. Gerechnet hatte ich mit Interviews, aber die tauchten leider nicht auf. Oft empfand ich den Schreibstil verwirrend, abstrakt und wenig einladend. Der Leser wird hier mit den Gedanken eines psychisch Kranken konfrontiert, der - wie ich es heraus gelesen haben will und vermute - schizophrene Züge besaß. Schon als Kind wurde der Täter mit Gewalt und Missbilligung konfrontiert. Ungeliebt wuchs er als Außenseiter auf. Hass und Wut keimten und gedeihten in ihm. Er hörte Stimmen und besaß eine gespaltene Persönlichkeit.
  • Grundsätzlich finde ich die Idee ziemlich genial, aber die Umsetzung habe ich als seltsam empfunden. Das mag daran liegen, dass ich wenig Ahnung von Germanistik und Literatur habe. Mindestens genauso traurig und oberflächlich finde ich auch den Charakter von Gesine. Wie kann man als Ehefrau und Partnerin nur so blind und unsensibel sein? Man spürt doch als Frau bzw. als weibliches Wesen instinktiv und intuitiv, wenn mit dem Partner etwas nicht in Ordnung ist. 
  • Das Buch wird sicherlich in meinem Gedächtnis bleiben, aber nicht weil ich begeistert und angetan davon bin, sondern weil es halt recht ungewöhnlich geschrieben ist. Der Autor versucht aus vorhandenen Material eine fiktive Geschichte zu erzählen, die sich als Monolog herausstellt. Dem Leser sei geraten, mit Seite 155 zu beginnen.
  • Fazit
  • Ich habe mir diese Story als Dokumentation vorgestellt, aber das gefiel mir nicht. Dann habe ich sie mir als Spielfilm vorgestellt und darum vergebe ich 5 Sterne unter Berücksichtigung der Umstände und des Verlagshinweises. Wer Ahnung von Literatur, Theater und Lyrik hat, dem kann ich dieses Buch durchaus empfehlen, wer einen Thriller oder Krimi erwartet, dem rate ich davon ab.
     
  • Leseprobe
  • Autor
  • Verlag

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