Rezension

Poetisches und verträumtes Kinderbuch, Geheimtipp für Erwachsene

Der Träumer - Pam Munoz Ryan

Der Träumer
von Pam Munoz Ryan

Bewertet mit 4.5 Sternen

Cover

Das Cover finde ich sehr gelungen und wunderschön. Sehr passen zum Titel, denn der blaue Hintergrund mit dem Sternenhimmel im Umriss des Jungen lädt zum Träumen ein. "Traumhaft" :D
 Ich bin auf dieses Buch aufmerksam geworden, weil es in der Kindebuchabteilung einer großen Buchhandlung auslag. Ich konnte einfach nicht daran vorbeigehen, habe es bestimmt 5 Minuten lang angeguckt. Das Cover würde ich mir sogar als Bild in meiner Wohnung aufhängen.
 

Einstieg

Der Einstieg  ist schön gestaltet. Man wird auf den ersten Seiten durch verschiedene Zeichnungen geleitet, bis man direkt vor dem ersten Kapitel zu einem wunderbaren Gedicht kommt: "Ich bin Poesie", dazu die Umrisse eines fliegenden Mannes ausgefüllt mit dem Bild einer windigen Landschaft. Dieser Zeichnungsstil und die wunderschönen und tiefgründigen Zeichnungen ziehe sich durch das ganze Buch und sind einfach schön. Im ersten Kapitel lernt man dann Neftalí Reyes als kleinen Jungen kennen. Auch seine Familie spielt schon von Beginn an eine große Rolle. Alles in allem ist der Anfang eher ruhig, was zur Gesamtstimmung gut passt.

Charaktere

Zu Beginn der Geschichte ist Neftalí noch sehr jung. Er ist eher klein und schwächlich, hat Probleme mit der Mathematik und liebt die Sprache, z.B. schreibt er Wörter auf die er mag und versteckt sie. Ein verträumter kleiner Junge. Sein Vater möchte ihm diese Verträumtheit gerne austreiben, denn er möchte das Neftalí etwas vernünftiges lernt. Der Vater ist harsch, streng und in der Familie ungeliebt. Alle fühlen sich sichtbar unwohl wenn er da ist.
Neftalís leibliche Mutter starb als er zwei Monate alt war, aber er fühlt sich sehr geborgen bei der Mamadre, seiner Stiefmutter, die eine liebenswürdige und ruhige Frau ist, aber nicht dem Mut hat sich gegen en Vater zu Stellen. Außerdem sind für Neftalí noch seine beiden Geschwister wichtig. Sein älterer Bruder Rodolfo, der gerne singt (aber auch das verbietet ihm der Vater) und seine kleine Schwester Laurita, ein fröhliches und manchmal freches kleines Mädchen).Auch sein Onkel Orlando spielt eine wichtige Rolle in Neftalís leben, denn er ist der Herausgeber der lokalen Zeitung und unterstützt Neftalís liebe zur Sprache.Alle Charaktere sind wunderschön entwickelt, nicht zu platt aber dennoch nicht so tiefgründig, als dass sie nicht für ein Kinderbuch geeignet wären, die Biografie ist von den Charakteren her sehr schön und kindgerecht aufbereitet.

Handlung

Im Verlauf der Geschichte wird Neftalí älter, bis er an ganz zu Ende an die Universität geht. Dazwischen lernen wir verschiedene Kindheitsepisoden aus dem Leben des jungen Poeten kennen. Denn das ist er immer. Ein Liebhaber und Sammler der kleinen Dinge, die für andere keine Bedeutung haben, ein Träumer und Beobachter. Einfach ist das für ihn nicht immer. Da ist z.B. der Schwan, den er gesund pflegen möchte oder die Liebesbriefe die er im Auftrag eines größeren und stärkeren Jungen an ein Mädchen schreibt, die aber weiß dass er der Verfasser ist, oder wenn der Vater ihn zum ersten Mal mit in den Wald mitnimmt. Jede einzelne Geschichte ist etwas besonderes, sehr poetisch und gibt uns einen hübschen Einblick in die Kindheit eines großen Dichters, der trotz aller Widerstände immer an seiner großen Liebe festgehallten hat: Der Sprache.(Im Anhang findet man übrigens einige sehr schöne Gedichte des Dichtes, die zu den Situationen im Buch passen)

Schreibstil

Der Schreibstil ist, wie das meiste an dem Buch, etwas sehr spezielles und poetisches. Um den Regen zu simulieren ist z.B. eine ganze Doppelseite tit tip trip plop beschrieben, ich mag so etwas und kann mir auch vorstellen dass ein Kind, dem man das vorliest viel Spaß daran hat. Aus verschiedenen Gründen würde ich auch sagen, dass man das Buch nicht einem Kind zum Alleine Lesen geben sollte, denn ich denke dass einige Begriffe und Dinge Fragen aufwerfen werden, die mit den Eltern gemeinsam geklärt werden müssen. Wenn das aber der Fall ist dann ist dieser poetisch geprägte Schreibstil, der immer wieder mit kleinen Sprüchen und Gedichten gespickt ist, die zum Nachdenken anregen. 

Schluss

Der Schluss ist relativ offen, logischerweise, denn es werden ja nur Kindheitsgeschichten des Autors erzählt. Der große Schnitt findet statt, wenn Neftalí von seiner Heimat an die Universität fährt, diese Zeit wird dann nur noch im Zeitraffer erzählt. Ich finde den Schnitt passend für das Kinderbuch, vor allem liebe ich die letzten Seiten, die erzählen wen er alles mit seinen wunderschönen Geschichten erreicht. Eine kleine Träne des Glücks floss dabei über meine Wange. 

Fazit

Dieses Kinderbuch ist ein kleiner Geheimtip, denn es erzählt sehr poetisch und schön die Geschichte vom kleinen Neftalí Reyes der zum Nobelpreistragenden Dichter Pablo Neruda heranwächst. Die Zeichnungen und die Sprache sind durch und durch poetsich und nachdenklich und einfach hübsch, genauso wie die Episoden aus dem Leben des schwächlichen Jungen, die wir erzählt bekommen. Einen halben Stern Abzug gebe ich, weil das Buch durch manchmal etwas schwierige Begriffe nicht von einem Kind alleine gelesen werden kann (von einem Erwachsenen aber schon XD, denn das Buch ist auch für Erwachsene ein Geheimtipp). Jeder, der Spaß an Sprache hat fühlt mit Neftalí dem Träumer mit. Deswegen gibt es von mit mit Herzchen in den Augen 4 1/2 von 5 Sternen