Rezension

Reiseführer?

Lago Mortale - Giulia Conti

Lago Mortale
von Giulia Conti

Bewertet mit 2 Sternen

Der ehemalige Journalist Simon Strasser lebt in dem kleinen, italienischen Dorf Ronco, am Ufer des Lago d' Orta. Von seiner Terrasse sieht er eines morgens, eine führerlose Yacht über den See schippern. Als er mit seinem Kanu zu der Yacht fährt, stellt sich heraus, dass der Bootsführer tot am Boden des Schiffes liegt. Der Tote ist Marco Zanetti und in der Region bekannt. Er ist der Sohn einer einflussreichen Familie.

 

Ich war ja schon gewappnet, dass in einem Buch, auf dessen Cover der Zusatz " Provence Krimi " steht, auch viel Provence drin ist. Doch das erste Kapitel komplett mit Landschaftsbeschreibungen und der Beschreibung von Simons beschaulichen Leben in der Provence zu füllen, war mir doch etwas zu viel des Guten. Den Einstieg in die Geschichte empfand ich als sehr zäh.

Der sachliche Schreibstil lässt praktisch keine Spannung aufkommen. Die Figuren wirken gekünstelt und blutarm. Ich denke, dies ist auch dem trockenen und emotionslosen Schreibstil geschuldet. Wenn ich da nur an die Beschreibung des Leichenfundes denke, der alles andere als mitreissend oder fesselnd beschrieben wurde. Immerhin ist das doch ein Krimi und kein Sachbuch oder ein Reiseführer!

So zog sich die Geschichte unheimlich in die Länge. Die Autorin schweift immer wieder ab und versteckt die Hauptgeschichte, den Mord und die Ermittlungen in detaillierten Erläuterungen zu Figuren, die eine Statistenrolle inne haben. Und eben … in den Landschaftsbeschreibungen und den Erklärungen zu Örtlichkeiten, die für die Story absolut keine Rolle spielen. Wie zum Beispiel, als Simon Strasser mit der zuständigen Polizistin Carla Moretti zu einer Befragung fährt. Auf fünf Ebookseiten findet kein Gespräch statt, sondern die Autorin beschreibt, was die beiden auf der Fahrt sehen. Zuerst wird das Auto, dann die Klimaanlage thematisiert … danach, ob man im Ort Taucherbrillen und Luftmatratzen kaufen kann, über die üppige Vegetation wird geschwafelt und schluss - endlich (!) die Aussicht auf den Monte Rosa erläutert. Sehr ermüdend waren auch die zwölf Ebookseiten, in denen die Werkstatt eines Steinmetz und seine Arbeit beschrieben wurden.

Gegen Mitte gibt es endlich ein wenig mehr Handlung zum Fall und die Ermittlungen nehmen leicht Fahrt an. Wobei die sich auf zwei Befragungen und auf die Teilnahme an der Beerdigung des Opfers fokussieren.

Meine Hoffnungen konzentrierten sich auf eine schlüssige Auflösung! Und tatsächlich fand man gegen Schluss endlich den erhofften Krimi. Mir war das insgesamt jedoch zu sehr in die Länge gezogen und zu langatmig. So werde ich vor einem zweiten zu lesenden Teil Abstand nehmen.