Rezension

Rezension zu Die Zelle von Jonas Winner

Die Zelle - Jonas Winner

Die Zelle
von Jonas Winner

Bewertet mit 4 Sternen

Warte, warte nur ein Weilchen ...

Thriller gibt es jede Menge, auch mit Schauplätzen in Deutschland. Einen Thriller in Berlin anzusiedeln und somit in direkter Konkurrenz zu Größen wie Sebastian Fitzek zu stehen, das traut sich nicht jeder. Jonas Winner ist dieses Wagnis eingegangen und kann sich durchaus mit dem, wie Knaur Verlag ihn nennt, "Meister des Wahns" messen.

Doch was fasziniert uns Menschen eigentlich an dem Dunklen, dem Abgründigen, dem Bösen? Haben wir, die wir diese Art der "Unterhaltung" bevorzugen, eine masochistische Ader in uns? Ist es die Angst, die uns lockt? Oder lieben wir es, wenn dem Bösen durch einen typischen Durchschnittsmenschen das Handwerk gelegt wird?

Es ist sicher nicht in einem Satz zu beantworten, was jeder einzelne von uns Thriller-Lesern dazu bewegt, aber eines ist klar. Wir lieben den Nervenkitzel in sicherer Umgebung. Wir machen uns zu Zuschauern, Mitwissern und können uns doch sicher fühlen. Wir sitzen in unseren gemütlichen und heimeligen vier Wänden und sehen zu, wie die Figuren in der Geschichte ihre Sicherheiten verlieren. Und am Ende klappen wir das Buch zu mit dem Gefühl selbst sicher zu sein und dem Wunsch so etwas nie erleben zu müssen. 

Jonas Winner versteht es, uns Leser in diese Schreckenswelt zu entführen und das alles aus den Augen eines 11-jährigen Jungen zu entdecken.

Schreibstil:
Sam erinnert sich an Geschehnisse in seiner Kindheit, die bereits über 20 Jahre zurückliegen. 
Durch die ICH-Erzählperspektive entsteht zwischen Leser und Hauptfigur sofort eine gewisse Nähe und die Spannung wird bereits im Prolog aufgebaut. Sie zieht sich gekonnt durch das ganze Buch und bricht nie ab.

Charaktere:
Sammy und sein Vater werden spannend und toll beschrieben. Obwohl man das Gefühl hat, beiden nahe zu sein, haben beide doch etwas Geheimnisvolles und man steigt lange nicht ganz hinter ihre Fassaden. Die anderen Charaktere sind eher Beiwerk und werden oft nur flüchtig erwähnt, doch als Mittel zum Zweck vollkommen ausreichend beschrieben.
Da Sammy erst 11 Jahre alt ist, als in seinem Leben einiges durcheinander gerät, wirken seine Taten manchmal eher unglaubwürdig. Er ist für sein Alter etwas zu "erwachsen", was mich persönlich etwas gestört hat.

Fazit:
Eine wirklich spannende und erschreckende Story, die so oder so ähnlich in jeder Nachbarschaft geschehen könnte. Das macht die Spannung in diesem Buch aus.
Allerdings ist der 11-jährige Sammy oft unglaubwürdig erwachsen und deshalb gibt es von mir 4 von 5 Sternen. 
Alles in allem ein spannender Thriller mit Blick in menschliche Abgründe. Das war sicher nicht das letzte Buch von Jonas Winner, das ich gelesen habe.