Rezension

Schade: spannend, aber leider nicht überzeugend...

Deine letzte Stunde - Carlos Montero

Deine letzte Stunde
von Carlos Montero

Bewertet mit 3 Sternen

Wann hat Raquels letzte Stunde geschlagen?

Carlos Montero hat mit „Deine letzte Stunde“ ein Buch geschrieben, dass zwar spannend war, mich aber leider absolut nicht überzeugen konnte!

Raquel übernimmt als Vertretungslehrerin den Unterricht in Spanisch und Literatur für Elvira Ferreiro. „Alle haben sie nur Viruca genannt (S. 41). Raquel erfährt an ihrem ersten Arbeitstag, dass Viruca gestorben sei: war es Selbstmord oder gar Mord? An diesem Tag erhält auch sie ihre erste Drohung: „Und Du, wann stirbst Du wohl?“ (S. 56), das Ganze verziert mit einem Strichmännchen am Galgen! Inhaltlich werde ich hier nicht mehr verraten...

Natürlich versucht Raquel dieses Geheimnis zu lüften, aber nach meinem Empfinde „stolpert“ sie ohne klaren Plan von einer Situation zur nächsten. Sie handelt manchmal derart unlogisch und naiv, dass ich als Leserin zwischendurch das dringende Bedürfnis verspürte, zu Raquel in das Buch zu krabbeln, um ihr meine Meinung zu diesen teilweise sinnlosen Handlungsweisen mitzuteilen, sie mal „ordentlich auf den Topf zu setzen“. Aber es ist nicht nur Raquel, auch den anderen Protagonisten scheint phasenweise der gesunde Menschenverstand abhanden gekommen zu sein – und dies liegt nicht nur an den Drogen, die viel und häufig (für mein Geschmack: zu viel und zu häufig) konsumiert werden. Ich bin nicht „warm“ geworden mit den Figuren, vielleicht weil ich des Öfteren den Kopf über sie schütteln musste? Doch, ich hatte eine „Lieblingsfigur“ – aber gerade über sie habe ich leider sehr wenig erfahren!

Der Schreibstil von Carlos Montero ist flüssig und hat mir eigentlich gut gefallen. Er schafft es, den Spannungsbogen aufrechtzuerhalten, ich wollte bis zum Schluss die „Auflösung“ wissen. Ich glaube, ich habe im Laufe der Zeit alle Personen dieses Buches als „Böse“ verdächtigt, einschließlich der Randfiguren, die nur kurz erwähnt werden...  Insofern hat dieses Buch wohl sein Ziel erreicht!

Aber (und ja: leider gibt es viele „aber“) es werden z.B. durchaus gesellschaftlich wichtige Themen angesprochen, aber quasi im „husch-husch“ Verfahren abgehandelt, etwas wie unter dem Motto: „Wie gut, dass wir auch darüber noch gesprochen haben“ - für mich als Leserin einfach etwas frustrierend!

Nein, wirklich weiterempfehlen kann ich dieses Buch nicht, ich möchte Carlos Montero evtl. nur zugutehalten, dass ich sein Buch falsch verstanden habe – immerhin hat dieses Buch 2016 in Spanien einen Preis erhalten!