Rezension

Schräge Krimikomödie mit Nostalgiefaktor

Manche mögen's tot - Tatjana Kruse

Manche mögen's tot
von Tatjana Kruse

Bewertet mit 5 Sternen

Selten habe ich eine so irrwitzige Kriminalgeschichte gelesen, die es geschafft hat, mir permanent Lachtränen in die Augen zu treiben.  

„Heiter erhob sich die Sonne über die Pension von Konny und Kriemhild. Sie wusste es nicht besser.“- (S. 23) 

Konny und Kriemhild, zwei so ungleiche Schwestern, dass man eigentlich nur davon ausgehen kann, dass mindestens eine von ihnen im Krankenhaus vertauscht wurde, führen gemeinsam eine beschauliche Bed&Breakfast – Pension in ländlicher Idylle. Wären da nur nicht die sich langsam häufenden Morde und Unglücksfälle in ihrer näheren Umgebung. 
Auch dieses Mal verschont das Unglück die Beiden nicht und Kriemhild gerät in Lebensgefahr. Einziger Ausweg? Totstellen bis zur Verhaftung des Mörders, den sie zufällig bei einer Tat beobachtet  hat und der ihr deshalb nun an den Kragen will. Mit neugierigen Gästen, die rund um die Uhr durchs Haupthaus schleichen, der tierischen Alarmanlage Graupapagei Chuck Norris, der jedes Mal einen unflätigen Fluch ausstößt, sobald sich ein Neuankömmling nähert, ist das Chaos vorprogrammiert. Zusätzlich taucht noch eine unwillkommene alte Bekannte auf, nachts schwirren Geister und Einbrecher durch die Gänge der Pension und die Polizei tappt, was den Mörder (und die angebliche Leiche angeht), völlig im Dunkeln. 

Also die perfekte Ausgangslage für einen urkomischen Krimi. Die Charaktere sind durch die Bank weg schrullig und durch die liebevoll ausgearbeiteten Eigenheiten und Macken gut auseinanderzuhalten. Die beiden Schwestern wirken herrlich alltäglich gaga und auch ihr neu eingestelltes Mädchen für alles Lambert Kaiser, der mit seiner erstklassigen Ausbildung eigentlich ein Hotel in Dubai führen müsste (aber wegen seiner Flugangst leider an die nähere Umgebung gebunden ist), ist ein absoluter Sympathieträger. Der Nacktkater Amenhotep und Graupapagei Chuck Norris sorgen zusätzlich für noch mehr Spaß in der Pension und erinnerten mich irgendwie an Pippi Langstrumpfs Villa Kunterbunt. Und so irre wie bei Pippi geht es auch bei den beiden K – Schwestern zu. 

Ich feiere Tatjana Kruses Humor und finde, dass sie damit genau den Nerv der Zeit trifft. Bissig, sarkastisch und dabei doch immer überaus charmant, nimmt sie die Eigenarten und Macken der Menschen aufs Korn und das auf so unterhaltsame Weise und so angenehm geschrieben, dass ich beim Lesen ein Dauergrinsen im Gesicht hatte.
Zugegeben, man muss den Humor mögen, die leicht karikierten Schrullen der beiden älteren Damen und die stereotypen Züge, die bei den Pensionsgästen ab und an durchschimmern. 
‚Manche mögen’s tot‘ glänzt gerade durch seine Überzeichnung des Alltäglichen und dem spitzfindigen Humor, mit dem hier so ziemlich jedes Laster auf die Schippe genommen wird. Wer aber nichts gegen Miss Marple und Jessica Fletscher auf Koffeintabletten hat, der wird sich mit dieser Krimikomödie auch herrlich amüsieren können.  

FAZIT 

Ein komödiantisches Feuerwerk, das die Lachmuskeln trainiert und selbst den griesgrämigsten Zeitgenossen zum Lachen außerhalb seines Kartoffelkellers bringen wird. 
Zudem hatte der dritte Fall der Schwestern für mich, als Fan von ‚Mord ist ihr Hobby‘ und den Miss Marple Filmen mit Margaret Rutherford in der Hauptrolle, einfach diesen herrlichen Nostalgiefaktor, den ich sonst nur aus der Serie ‚Stranger Things‘ – kenne.  Konny und Kriemhild waren für mich wie Jessica Fletscher und Miss Marple, nur eben auf Koffeintabletten und mit fluchendem Papagei in der Ecke.

Übrigens ist ‚Manche mögen’s tot‘ zwar der dritte Band einer Reihe, kann aber wunderbar auch ohne Vorwissen gelesen werden.