Rezension

Spannend, fesselnd, geheimnisvoll – und eine Liebeserklärung an die Wissenschaft

Shelter
von Ursula Poznanski

Bücher von Ursula Poznanski sind jedes Mal ein Wunderwerk: reich an Spannung, reich an Fantasie und voller unvorhersehbarer Entwicklungen, Wendungen und einem Twist, der mich immer wieder zu überraschen mag.

Das sind hohe Erwartungen, die an „Shelter“ gestellt werden, allzu gut waren seine Vorgänger. Doch muss Poznanskis neuer Jugendroman diesen Vergleich nicht scheuen, ganz im Gegenteil: Für mich spielt er ganz oben mit in der Liga, gehört zu ihren besten Büchern.

Wo „Cryptos“ mit überbordender Fantasie und einem schier unerschöpflichen Schatz von geradezu unglaublichen und vor allem unglaublich guten Einfällen punkten kann, überzeugt „Shelter“ ganz besonders durch eines: Spannung, Spannung, Spannung. Und zwar gelingt der Autorin das Kunststück, den Spannungsbogen über die gesamte Erzählung hindurch überaus hochzuhalten. Nie wird es langweilig, nie musste ich mich zu dem nächsten Kapitel motivieren. Ganz im Gegenteil: Das Buch ist ein wahrer Pageturner, und tatsächlich hat es meine Nacht wieder mal zum Tag gemacht und meine Augen am nächsten Morgen sehr klein – meine Begeisterung dafür umso größer.

Die Geschichte an sich passt in unsere Zeit, enthält sie für mich doch allerlei Anspielungen auf die sogenannte „Querdenker“-Bewegung. Die Verschwörungstheorie, die „Shelter“ zugrunde liegt, könnte nichts abstruser sein: Nein, kein Chip wird in die Körper impfwilliger Menschen gepflanzt, Außerirdische haben sich Zugang zu eben diesen verschafft – und gleichzeitig auch noch die Erde erwärmt, um es schön gemütlich und kuschelig zu haben. Hört sich weit hergeholt und so unglaublich an: Die Anhänger*innen, die sich bald um den selbsternannten Anführer scharen, werden von Tag zu Tag zahlreicher, und die Idee, ursprünglich aus einer Partylaune heraus entstanden, entwickelt sich zu einer ernsten Gefahr für die/den Einzelne*n und die Gesellschaft als Ganzes.

Doch wie sagte schon der alte Goethe so wunderbar: „Die ich rief, die Geister werd ich nun nicht los.“ Und so geht es auch unserer Freund*innenclique. Die Verschwörungstheorie hat ein Eigenleben entwickelt, und ganz eigene Ziele scheint auch deren Anführer zu verfolgen.

Was folgt sind Rätselraten, falsche Fährten und eine Verfolgungsjagd, die es in sich hat. Jede Seite, jedes Kapitel bietet dabei neue Überraschungen und Wendungen.

„Shelter“ ist vor allem eines: ein gut konstruierter, intelligent gemachter Lesespaß – der scheinbar so ganz nebenbei die Bedeutung von Wissenschaft und vernunftgeleitetem Denken und Handeln in den Mittelpunkt stellt. Möglicherweise ist dies heute wichtiger denn je.