Rezension

Spannende Geschichte im stil einer Reportage

Vorleben
von Georg M. Oswald

Bewertet mit 4 Sternen

Journalistin Sophia lebt seit einem halben Jahr mit dem virtuosen Cellisten Daniel zusammen, der oft beruflich einige Tage verreisen muss. Sie selbst steckt in einer Schaffenskrise und glaubt weniger an ihr aktuelles Projekt, als Daniel es tut. Stolz erzählt er allen Bekannten von dem Roman, an dem seine Freundin gerade schreibt und auch sie selbst ermutigt er immer wieder, dass sie alles schaffen kann, was sie sich vor nimmt. Sophia hingegen wird von Selbstzweifeln beherrscht, neben Daniel, der so selbstsicher, begabt und erfolgreich ist, fühlt sie sich unbedeutend. Aus diesem Unterschied heraus entwickelt Sophia ein Gefühl von Eifersucht, dass sie schließlich dazu bringt, sich  Daniels alte Fotoalben anzusehen. Die Frau, die neben ihm zu sehen ist, kommt der Journalistin vage bekannt vor und als sie in einem Stadtführer den Namen und die grausige Geschichte der schönen Unbekannten findet, wird ihre Neugier geweckt und sie sucht nach Daniels Verbindung zu dieser Frau.....

"Vorleben" ist das erste Buch, das ich von Georg M. Oswald gelesen habe und am Anfang habe ich mich etwas schwer getan, in die Geschichte hinein zu finden. Durch den nüchternen Schreibstil, der mich in seiner Art an eine Reportage erinnert hat, blieben die Hauptfiguren Sophia und Daniel zunächst seltsam flach für mich. Auch die Erinnerung der Journalistin  an das erste Zusammentreffen mit ihrem späteren Freund und die Entwicklung ihrer Beziehung fand ich wenig emotional beschrieben, möglicherweise beabsichtigte der Autor mit dem Stil, den journalistischen Charakter von Sophias Neugier zu unterstreichen. Erst als sie sich auf Spurensuche in die Vergangenheit begibt, gewinnen die Personen in der Handlung an Tiefe, von dem Moment an hat sich der Spannungsbogen durch das ganze Buch hin gesteigert und mich gefesselt, so dass ich die Geschichte hintereinander weg gelesen habe.

Fazit: Nach einen zunächst langsamen Einstieg nimmt die Geschichte schnell an Fahrt auf und die Personen werden dreidimensional, auch der Spannungsbogen steigert sich konstant bis zum Ende hin.