Rezension

Spannender Jugendroman mit Dystopie Charakter :)

Left to Fate. Die Ausgesetzten - Gloria Trutnau

Left to Fate. Die Ausgesetzten
von Gloria Trutnau

Bewertet mit 4 Sternen

Left to Fate spielt in einer zukünftigen Version von New York. Es ist vollkommen verfallen und war auch lange Zeit verlassen, bis die Regierung des neuen totalitären Staats Concordia ein neues Projekt ins Leben ruft. Durch neuste Technologien schaffen sie es in die Zukunft von Jugendlichen zu schauen, um vorauszusehen, ob sie sich in der Zukunft in irgendeiner Form strafbar machen oder auch nur ansatzweise negativ auffallen. Sollte das der Fall sein, werden die Jugendlichen betäubt und wachen in New York auf. So auch Samantha.

Im einen Moment ist sie noch bei einem Berufseignungsgespräch in Concordia, im gefühlt nächsten Moment wacht sie bei einer der beiden konkurrierenden New Yorker Gangs auf. Die Mitglieder begegnen ihr direkt mit Misstrauen. Vor allem ihr Anführer David unterstellt ihr, dass sie ihn belügen würde und macht ihr fortan an das Leben bei der Westside-Gang nicht unbedingt leichter. Und damit bleibt er nicht allein. Auch wenn Samantha einige Freunde findet, mindestens genauso viele stehen ihr negativ gegenüber. Bis schließlich auch die Eastside-Gang auf sie aufmerksam wird.
Nicht nur ein Großteil der Leute machen ihr das Leben schwer, Samantha hat außerdem immer häufiger seltsame Ohnmachtsanfälle und sieht jedes Mal währenddessen eine andere Version ihres Lebens. Eine Version ihres Lebens in Concordia, wenn sie nicht ausgesetzt worden wäre.
Was hat es mit alledem nur auf sich?

An den Charakteren merkt man meiner Meinung nach, dass es sich um einen Jugendroman handelt. Samantha tut sich oft schwer mit ihren Entscheidungen und den Dingen, die sie sagt. Sie ist mit 17 schließlich auch noch jung und recht ungefestigt, deswegen ergibt es auch vollkommen Sinn, dass sie manchmal Dinge sagt, bei denen sie sich selbst nicht so sicher ist, ob das wirklich eine gute Idee ist. Des Weiteren merkt man oft eine Diskrepanz, zwischen dem wie sie im Moment ist und wie sie mal sein möchte. Durch ihre Vergangenheit und den Verlust ihrer Eltern ist sie sehr verschlossen und bemüht sich auch weitestgehend niemanden an sich heranzulassen. Dabei gibt es viele Stellen, an denen sie durchaus sehr mutig ist, aber genauso oft ist sie vorlaut oder bringt sich selbst in Gefahr.
David erscheint mir um einiges gefestigter. Er agiert oft sehr wohlüberlegt und strategisch. David ist immer sehr bemüht seine Gang zu schützen, allerdings sind ihm an vielen Stellen die Hände gebunden und er kann sich nur bedingt gegen einige der anderen durchsetzen. Auch sein Verhältnis zu Samantha ist schwierig, man merkt, dass er sie mag und ihr immer zur Hilfe kommt, doch andererseits hält er sie auf Abstand und macht sich regelmäßig bei ihr unbeliebt. Irgendwie scheinen sich die beiden jedoch immer wieder ungewollt gegenseitig anzuziehen. Doch scheint es, als hat David irgendein Geheimnis zu wahren. Was hat es zum Beispiel mit seinen nächtlichen Ausflügen auf sich? Alles sehr mysteriös!
Auch die anderen Charaktere sind sehr vielschichtig gestaltet. Ihr könnt euch darauf freuen Henry, einen alten Freund von Samantha, kennenzulernen. Sowie ihre neue Freundin, welche auf der Krankenstation arbeitet und nicht nur einmal Samantha verarztet. Doch auch die unzähligen anderen Gangmitglieder machen Spaß kennenzulernen.

Der Schreibstil des Buchs ist meiner Meinung nach sehr angenehm. Dadurch, dass es ein Jugendroman ist, ist passenderweise der Schreibstil auch eher umgangssprachlich und einfach gehalten. Es liest sich sehr schön und flüssig. Der Spannungsbogen steigert sich ab einer gewissen Stelle immer weiter. Es dauert einige Kapitel, bis man in der Handlung angekommen ist, aber dann folgt ein Ereignis auf das Nächste. Ehrlich gesagt waren es mir sogar einige Ereignisse zu viel. Es wurden im Laufe des Buchs noch sehr, sehr viele Geheimnisse aufgelöst, was natürlich sehr viel Spannung mit sich bringt, doch gleichzeitig hätte ich mir eher gewünscht, dass man lieber mehr in die Tiefe geht und dafür entweder auf einiges verzichtet oder es auf zwei Teile verteilt. Meiner Meinung nach hat die Autorin manchmal leider nur an der Oberfläche gekratzt. Die Probleme und Geheimnisse haben sich recht schnell aufgelöst. Persönlich hätte ich gerne gehabt, dass sie länger an manchen Problematiken geknabbert hätten. Deswegen wäre für mich toll gewesen, wenn die Handlung auf zwei Bücher verteilt worden wäre, man hätte noch mehr in die Tiefe gehen können und die Ereignisse wären nicht so Schlag auf Schlag geschehen.
Nichtsdestotrotz war es ein gelungenes Buch voller spannender Ereignisse und einiger unerwarteter Wendungen. Man konnte mit den Charakteren lachen, Geheimnisse ergründen und auch mit ihnen leiden. Jeder Liebhaber von Jugendromanen kann ich dieses Buch nur guten Gewissens empfehlen. Man sollte allerdings wirklich bedenken, dass die Charaktere um die 17 bzw. 18 Jahre alt sind. Dementsprechend treffen sie nicht immer die nachvollziehbarsten Entscheidungen und sind auch selbst oft unsicher, was sie natürlich sehr authentisch machen, aber unter Umständen älteren Lesern weniger zusagen könnten. Auch der Dystopie Charakter des Buchs hat mir sehr gut gefallen, ich werde auf jeden Fall noch mehr aus diesem Genre in Zukunft lesen.
Left to Fate endet mit einem recht offenen, aber schönen Ende. Wirklich schade, dass es keine Fortsetzung geben wird, ich hätte unsere Protagonisten gerne noch länger verfolgt. 

Ich hoffe sehr darauf, dass die Autorin zukünftig noch mehr Bücher herausbringen wird. Vor allem mit noch mehr Schreiberfahrung denke ich, dass sie noch viele weitere tolle Bücher schreiben könnte. ♥