Rezension

Spannender Schlussteil

The Empire of Ashes - Anthony Ryan

The Empire of Ashes
von Anthony Ryan

Bewertet mit 4 Sternen

Der letzte Teil von Anthony Ryans dreibändiger Geschichte »Draconis Memoria«, »The Empire of Ashes«, ist sehr spannend geworden. Wie in den vorigen Bänden setzt sich die Geschichte aus den Erlebnissen mehrerer Personen zusammen: von Corrick Hilemore, dem Kapitän der EPS Überlegenheit; Clay (Claydon) Torcreek, einem Blutgesegneten, früherem Kleinkriminellen und schon seit mehreren Hundert Seiten tapferen Kämpfer gegen den Weißen; von Sirus Akiv Kapazin, General der aus Verderbten bestehenden Armee des weißen Drachen – Sirus hat sich, bei aller Grausamkeit, einen Rest Widerstand und eine Erinnerung an den, der er vor der Umwandlung in einen Verderbten war, bewahrt; und, last but not least, Lizanne Lethridge, Blutgesegnete und frühere Geheimagentin des Eisenboot-Handelssyndikats.

Durch Trance können Blutgesegnete mit anderen weit entfernten Blutgesegneten (oder teils auch Drachen) und auch mit Menschen, die zu anderer Zeit gelebt haben, in Verbindung treten. Durch diese Idee gelingt es Ryan, die Vorgeschichte um die Entstehung des weißen Drachen als erlebte Ereignisse zu erzählen. Die Geschichte um den geheimnisvollen Tüftler (vgl. Bd. 1 und 2), dessen Erfindung für den Sieg über den Weißen von Bedeutung sein soll, wird plausibel aufgelöst, ebenso die Erzählung um Kristalle, denen Clay in den vorigen Bänden nachgeforscht hat.

Was mir gefällt, ist, dass Gut und Böse nicht, vereinfachend, eindeutig voneinander geschieden werden, das heißt: Auch die, die für den Fortbestand der Menschheit kämpfen, bedienen sich verwerflicher Mittel und sind auch moralisch von den Geschehnissen und ihrem Tun gezeichnet. Wir erinnern uns an Kriege und das Töten von Menschen, die heutzutage im Namen der Werte des Westens ausgeführt werden, und aus denen die handelnden Personen auf amerikanischer und europäischer Seite anscheinend immer mit reinem Gewissen hervorgehen.

Doch zurück zu Ryan und den Drachen: Ich bewundere einerseits die Phantasie des Autors und wie er Motive über ca. 1800 Seiten entwickelt und auflöst; andererseits sind die Schlachten, in denen Drachen Feuer spucken und Menschen töten und Verderbte Morde begehen und in Massen getötet werden, Variationen des immer Gleichen.

Am Schluss wird die Situation für die Verteidiger der Menschheit – wie in Fantasy-Geschichten üblich – immer aussichtsloser, das Böse (der Weiße) scheint gewonnen zu haben, bis … (vgl. Rheinisches Grundgesetz, § 3.)

Die deutsche Ausgabe erscheint unter dem Titel »Das Imperium aus Asche« im Oktober 2019 beim Verlag Klett-Cotta.