Rezension

Summ summ summ

Die Geschichte der Bienen - Maja Lunde

Die Geschichte der Bienen
von Maja Lunde

Bewertet mit 5 Sternen

…Bienchen summ herum! Wer kennt es nicht, das honigsüße Kinderlied (aus Kindergarten, Oma´s Gesangbuch usw.)? Im weiteren Verlauf heißt es „Ei, wir tun dir nichts zuleide…“ – diese Zeile wird allerdings in dem Buch „Die Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde (leider) ad absurdum geführt.

Die norwegische Autorin verbindet in ihrem (zu Recht) hoch gelobten und gefeierten Roman drei Familienschicksale mit der Geschichte der Bienen (in der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft) und spart dabei nicht an offener und versteckter Sozialkritik.
So muss beispielsweise der Samenhändler William, der Protagonist aus der Vergangenheit, immer und immer wieder Rück- und Nackenschläge verkraften, wenn er einen vermeintlich innovativen Bienenstock „erfindet“, den es aber schon längst gibt und ein Patent darauf angemeldet wurde. Seine Geschichte berührt vor allem durch eine (für die damalige Zeit) wie ich finde etwas untypische Vater-/Tochterbeziehung und die (letztlich) daraus resultierende Kraft, immer wieder aufzustehen.
George betreibt in der Gegenwart eine Bienenfarm in Ohio und muss während des sogenannten „Colony Colapsed Disorder“ (CCD) mit angucken, wie ein Großteil seiner Bienen stirbt und ihm die Existenzgrundlage entzogen wird. Sein „abtrünniger“ Sohn Tom verkriecht sich lieber hinter seinen Studienbüchern und möchte Journalist werden statt die Familientradition weiterzuführen und die Farm zukunftsfähig zu machen.
In der Zukunft (2098) begleiten wir die Arbeiterin Tao schließlich in das dystopische Peking auf der Suche nach ihrem Sohn Wei-Wen, der nach einem mysteriösen „Unfall“ auf einem Familienausflug und der Versorgung im Krankenhaus verschwindet. In diesem Part der Geschichte werden besonders viele Fragen nach dem Umgang mit alten Menschen, dem Verfall der Städte (die düstere Atmosphäre des dystopischen Pekings kommt sehr intensiv rüber und hat mich ziemlich gefesselt!) und der Zukunft der Menschheit gestellt.

Über allen drei Handlungssträngen, die in einem großartigen Finale ihren Höhepunkt finden und bei der auch noch die ein oder andere (offene) Frage beantwortet wird, schwebt wie das Schwert des Damokles die systematische Vernichtung der Bienen, der Umwelt und den grundlegenden Werten des Menschen und bildet somit das (Gedanken-)Gerüst für den Leser, sich die Bedeutung der Bienen für jeden einzelnen von uns (neu) bewusst zu machen.

Großartige Geschichte, die nachhallt!

„Bildung handelt davon, sich selbst zu trotzen, der eigenen Natur, den Instinkten zu trotzen…“ (S. 442)
 

Kommentare

wandagreen kommentierte am 29. September 2017 um 09:51

Da ist er ja wieder, der King, mit seinen (meist) super Rezensionen! ;-)). Dickes Lob.

kingofmusic kommentierte am 29. September 2017 um 09:56

*verneig* Und das aus berufenem Munde *blinzel*

Danke Dir!

naibenak kommentierte am 29. September 2017 um 14:31

Superschöne Rezi zu einem großartigen Roman, mein Lieber!!! ❤

kingofmusic kommentierte am 29. September 2017 um 14:50

Danke, meine Liebe!!! ♥