Rezension

Tiefe Einblicke

Die geheime Mission des Kardinals - Rafik Schami

Die geheime Mission des Kardinals
von Rafik Schami

Bewertet mit 3 Sternen

"Die italienische Botschaft in Damaskus bekommt ein Olivenfass geliefert. Darin findet sich die Leiche eines Kardinals, der auf geheimer Mission in Syrien unterwegs war. Der syrische Komissar Barudi ermittelt in Zusammenarbeit mit seinem italienische Kollegen Mancini und fallen dabei islamistischen Terroristen in die Hände."

Wenn ich eine solche Buchbeschreibung lese, muss ich unwillkürlich sofort an Dan Brown und atemlose Verbrecherjagden durch die halbe Weltgeschichte denken.

Das wäre aber im Falle von Rafik Schamis Buch vollkommen falsch gedacht. Ja, es gibt diesen ominösen Mord, den Barudi, kurz vor seiner Pensionierung stehend, auch aufklären will. Er dient aber leider eher als Erzählkonstrukt, an dem zahlreiche Aspekte der syrischen Kultur und Mentalität aufgehängt werden. Man erhält Einblicke in die Kochkunst des Landes ebenso wie in politische Verwaltungsstrukturen und sämtliche Glaubensgemeinschaften, die in Syrien offenbar nicht nur zahlreich sind, sondern sich auch überwiegend feindlich gegenüberstehen. Teilweise fehlte mir einfach der rote Faden, der angesichts der Detailverliebtheit des Autors bitter nötig gewesen wäre. Die Lösung des Falles gerät mehr und mehr in den Hintergrund und wird zum Ende des Buches hin doch recht stiefmütterlich behandelt und irgendwie undurchsichtig aufgelöst.

Ganz furchtbar fand ich auch die Beschreibung der einzelnen Figuren bzw deren Interaktion. Zum einen die Jovialität, mit der Vorgesetzte ihre Untergebenen behandeln, fand ich sehr unangenehm und die Liebesgeschichte des jahrelang verwitweten Komissars, der urplötzlich dank eines Gespräches die große Liebe zu einer Frau wiederentdeckt? An der Stelle hatte man den Anschein, als wäre angesichts der Fülle an (manchmal nebensächlichen) Informationen kein Platz mehr für die Entwicklung einer Beziehung gewesen (zumal sie für die Geschichte auch vollkommen unnötig war).

Fazit:
Das Buch lebt und atmet den Dreck und Staub Syriens auf jeder Seite. Ob dafür aber der Kriminalfall nötig gewesen wäre, bleibt für mich fragwürdig. Rafik Schami ist nicht ohne Grund als begnadeter Geschichtenerzähler bekannt und nicht als Krimiautor!