Rezension

Tiefsinnige Bildgeschichten

Hallo Monsieur Hulot
von David Merveille

Bewertet mit 5 Sternen

Der Hagestolz in Ringelsocken vor der Silhouette von Paris weckt Erinnerungen an emaillierte Werbeschilder und gemalte Werbung an Hausfassaden. Auch wer Jacques Tatis Anti-Helden nicht kennen sollte, ahnt allein anhand der Körperhaltung, dass hier jemand gegen die Tücken des Alltags zu kämpfen hat. Klassische Bildgeschichten aus vier bis sechs Einzelbildern zeigen den Mann mit Hütchen und Tabakspfeife auf seinen Wegen durch Paris. Die stets überraschende Auflösung der Geschichte folgt - seitenfüllend - erst nach dem Umblättern auf der folgenden Seite. Merveilles detailverliebte Schlussszenen zählen für mich zu den Highlights seines Bilderbuchs: Hulot, selbst getroffen, löst eine hemmungslose Schneeballschlacht aus, als er einen Schneeball auf die andere Straßenseite wirft, als kreativer Hobby-Klempner setzt er seine Straße bis zu den Fensterbänken der Häuser unter Wasser und spiegelt wie ein Chamäleon durch seine Fliege, Pfeife oder Socken Eigenheiten einiger Zoo-Tiere. Spaßig finde ich besonders die thematische Abweichung von der Bildgeschichten-Struktur, wenn der Zeichner Hulot als Freiheitsstatue pantomimisch die USA darstellen lässt oder charakteristische Fußgänger-Typen einem Verkehrszeichen zuordnet - der Breakdancer und sein Kreiselschild. Ein Bilderbuch in gedeckten Farben, an dem sich besonders auch erwachsene Bildgeschichten-Fans erfreuen werden.