Rezension

Too Much

Too Late - Colleen Hoover

Too Late
von Colleen Hoover

Bewertet mit 2.5 Sternen

Warum? 
Das habe ich mich nach Beenden dieses Buches immer und immer wieder gefragt. Warum muss man die wiederholte psychische und physische Vergewaltigung einer jungen Frau wieder und wieder explizit darstellen und zwar so eindringlich, dass ich danach Albträume davon bekam?  
Und ich gehöre sonst nicht zu den zartbesaiteten Menschen, die nach einem King-Roman nur noch mit Nachtlicht und offener Zimmertür schlafen können, aber von den Szenen in ‚Too Late‘ war ich teilweise so angewidert, dass ich mindestens zwei Mal kurz davor war, das Buch von meinem Reader zu löschen. Ich habe nur bis zum bitteren Ende durchgehalten, weil ich wissen wollte, ob Frau Hoover der eigentlich starken und souveränen Protagonistin Sloan nach all den Grausamkeiten wenigstens ein Happy End gönnt (die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt) oder ob sie ihr auch noch das letzte Rest Würde und Lebensglück ausquetscht. 
Die Häufigkeit der Gewaltszenen und deren ausführliche Beschreibung schienen nur dazu da zu sein, um die Protagonistin noch mehr leiden zu lassen. Zum Fortgang der Geschichte haben sie relativ wenig bis nichts beigetragen, außer dass ich um die Nase immer grüner wurde.

Kleiner Wermutstropfen, hier wird die toxische Beziehung nicht mit Zucker überzogen wie in Anna Todds ‚After Passion.‘ Asa, Sloans Freund ist einfach widerlich. Er dealt, er betrügt und er behandelt seine angeblich Angebetete wie den letzten Dreck. (Wie gut, dass man für ein Drittel der Seiten in seinem Kopf feststeckt *Ironie aus*.) Rechtfertigung seines Verhaltens ist natürlich seine schreckliche Kindheit (was sonst?). 
Sloan, mit ähnlich schrecklicher Vergangenheit hat es dennoch geschafft, sich ihre Menschlichkeit zu bewahren und geht im letzten Studienjahr aufs College. Aus finanzieller Not sitzt sie nun seit zwei Jahren bei Asa fest und hat auch noch ein weiteres Jahr in dieser Beziehungshölle vor sich, da Asa mit seinem Drogengeld die Pflegeeinrichtung für ihren Bruder zahlt. Alleine könnte Sloan die Kosten von mehreren tausend Dollar monatlich nicht stemmen und würde mit ihrem Bruder auf der Straße sitzen. Also hält sie die Erniedrigungen aus, obwohl innerlich alles in ihr danach schreit, einfach abzuhauen. Egal wohin. Hauptsache weit weg von diesem Frauenhasser und seinen Dealerfreunden, die sie immer aufdringlicher mustern, wenn ihr Freund gerade nicht hinsieht. 
Und dann taucht Carter auf. Er ist alles, was Sloan sich von einem Partner wünscht. Er ist zurückhaltend, behandelt sie mit dem Respekt, den sie als Frau verdient und sorgt sich um ihr Wohlergehen. Aber auch er verbirgt mehr als nur ein großes Geheimnis, an dem Sloan zu zebrechen droht. 

Wie schon angedeutet, wird die Handlung aus mehreren Perspektiven erzählt. Man springt abwechselnd von Asa zu Carter und Sloan. Der Schreibstil ist trotz des harten Tobaks, der hier geschildert wird, flüssig und angenehm. Das Colleen Hoover eine sehr gute Autorin ist, mag ich auch nicht bestreiten, aber mich hat ‚Too Late‘ einfach verstört. Da kamen auch die Warnungen vor dem sehr speziellen Inhalt viel zu spät. Einige Liebesromane, die ich bisher gelesen habe, hatten ebenfalls vorangestellte Triggerwarnungen, die sich dann aber meist als Effekthascherei herausstellten. Und gerade bei Colleen Hoover, der viel gepriesenen Königin des Liebesromans, war ich davon ausgegangen, dass es sich bei den Warnungen nur um einen Marketingkniff handeln würde. Was könne an einem Hoover Roman schon derart schlimm sein, dass man davor warnen müsse? 
Antwort: So gut wie alles.  

FAZIT 

Eine Hassgeschichte, die mich ratlos und ein bisschen traumatisiert zurücklässt. Zu viele Drogen, zu viele überbordende Beschreibungen sexueller Gewalt,  die wiederholte Herabwürdigung von jungen Mädchen und Frauen, zu viel körperliche Gewalt und Herumgefuchtel mit Waffen…  einfach too much von allem. 

2,5 Sterne, weil ich den Schreibstil mochte, das Grundgerüst der Handlung spannend fand und  es mit Carter ein leuchtendes Gegenbeispiel zu all den anderen wiederlichen Männern in dieser Geschichte gab. Leider überwogen dennoch die negativen Aspekte.