Rezension

Unsympathische Protagonistin

Bekenne deine Sünden - Thomas Ehrenberger

Bekenne deine Sünden
von Thomas Ehrenberger

Bewertet mit 3 Sternen

Der Priester Julius Tesp wird ermordet und an die Wand genagelt aufgefunden. FBI Profilerin Sarah Spielmann und die Mordkommission Wien gehen allen Spuren nach. Als ein zweiter Mord geschieht, ein Journalist der den Priester gut kannte, wird klar,dass hier ein Serientäter Rache übt. Den Grund dafür ist in der Vergangenheit zu suchen. 

Das Haupthema in dieser Geschichte ist die Rache…der Grund für diese Rache ist ein brisantes und emotionales Thema : Vermittlung von Kindern und der daraus entstandene Missbrauch. Hier kommt auch das Thema Selbstjustiz auf. Etwas ,was mich immer wieder in Büchern beschäftigt…dies vor allem wenn es um Kinder geht. Der Autor hat gerade diese Seite der Story gut ausgearbeitet.

Leider kann ich das von den Figuren nicht unbedingt behaupten. Sarah Spielmann ist Profilerin,doch leider bekommt man von ihrem Können und Fachwissen nicht wirklich viel mit. Zudem ist Sarah Spielmann eine äusserst anstrengende und unsympathische Figur. Sie fährt Zeugen ,Kollegen und Vorgesetzten über den Mund, antwortet auf Fragen rotzig und benimmt sich wie ein verwöhntes, rechthaberisches ,kleines Kind. Eine Kollegin wie sie , möchte ich nicht geschenkt haben.

Sarah ist sonderbar und durch Rückblicke in ihre Vergangenheit wird ein Stück weit klar, warum sie so ist. Denn durch ein Trauma hat sie einen Putz- und Waschzwang entwickelt. Doch leider wurde dieser Zwang für mich nicht überzeugend dargestellt, beziehungsweise ausgearbeitet. Sarah hat diesen Zwang in den eigenen vier Wänden, geht bedenkenlos durch die Menschenmenge am Naschmarkt oder im Job über staubigen Boden mit dem Satz: " etwas, das sie nicht schätzt". Zudem kann sie bedenkenlos eine für sie grösstenteils fremde Person bei sich wohnen lassen. Wenn man sich mit Zwängen beschäftigt(... wie ich beruflich) , weiss man, dass dies nicht möglich ist. Eine Person , die unter Zwängen leidet, leidet immer darunter und nicht nur in den eigenen vier Wänden, wie es hier dar gestellt wird. Zudem kann Verliebt sein den Zwang nicht mindern und wenn, dann nicht in so kurzer Zeit wie es in der Story der Fall ist. Auf wundersame Weise ist sie in einer Stressituation gegen Schluss des Buches genesen vom Waschzwang.Denn da schafft sie es drei Tage nicht zu duschen (wird explizit erwähnt!)

Einige Ungereimtheiten und Zufälle in der Handlung haben mich gestört und waren für den Vorlauf der Geschichte zwar nicht unbedingt das Gelbe vom Ei, doch ich hätte darüber hinweg gesehen. Denn die Spannung ,wer denn nun der Täter mit dem Decknamen "Ygramul" ist hat mich durch das Buch getrieben. Zwar hatte ich einen Verdacht…doch eben…nur einen Verdacht. Leider…leider hat sich der Autor dazu entschieden in einem belanglosen Nebensatz und das circa 80 Seiten vor Schluss diese Identität auf zu decken…und das nicht etwa als Ermittlungserfolg…nein,einfach mit der simplen Erwähnung des Namens. Schade…genau hier ist das bisschen Spannung, das ich gefühlt und empfunden habe, verpufft. Der Rest der Geschichte war dann eigentlich nur noch Geschichte. Ich habe zu Ende gelesen, doch grosse Überraschungen bieten sich nicht mehr. Im Gegenteil...gegen Schluss wird die Handlung übertrieben hektisch und noch löchriger Punkto Logik.

Normalerweise gehe ich in meinen Rezensionen nicht auf Fehler ein. Doch wenn sie so zahlreich wie in diesem Buch sind, möchte ich sie nicht unerwähnt lassen. Laut Autor ging das Buch durch die Hände von einer Lektorin und wurde Korrektur gelesen. Wenn aus dem Landeskriminalamt plötzlich ein Bundeskriminalamt wird, haben diese wohl geschlafen. Ganz arg waren die fehlenden Wörter (Satz Beginn Kapitel 32:"Sarah noch nichts von Rais qualvollem Tod"), die Rechtschreibfehler und die "speziellen " Satzstellungen. Die haben doch meinen Lesefluss enorm gestört und waren einfach zu zahlreich.