Rezension

Unterhaltsamer Spukhaus-Horror

Mörderische Renovierung - Edgar Cantero

Mörderische Renovierung
von Edgar Cantero

Bewertet mit 4 Sternen

A. erbt von einem entfernten Verwandten ein altes, sehr mysteriöses Herrenhaus, genauer das Axton Haus, das eine bewegte und nicht ganz ungefährliche Vergangenheit mit sich bringt (um es nett auszudrücken).  Was tut man also, wenn man so ein altes Anwesen erbt, um das sich etliche Geistergeschichten ranken? 
Am besten verscherbelt man es und befindet sich während des Verkaufsprozesses auf einem anderen Kontinent. In Horrorfilmen und auch in literarischem Gruselklamauk müssen die Protagonisten aber natürlich, wie das Dilemma mit der Motte und dem Licht, unweigerlich zueinanderfinden. Freudestrahlend wird da das neue Domizil betreten. Der letzte Bewohner hat Selbstmord begangen? Was soll’s. Macht den Einzug in das alte Spuk’haus‘ nur umso spannender.

Was erstmal nach dem Beginn eines 08/15 – Teenieslashers klingt, ist aber keineswegs nur mörderischer Geisterklamauk. Edgar Cantero hat hier eine spannende Horrorgeschichte geschaffen, die mich mit ihren Wendungen ständig überraschen und mit dem lustigen Duo A. und Niamh (die ab und an schon fast ein wenig zu überdreht wirkte), begeistern konnte. 
Gestört hat mich nur ein wenig die Erzählweise, die der Autor hier gewählt hat. Originell ist sie allemal, das möchte ich gar nicht bestreiten. Die vielen Briefe, Tagebucheinträge von A., Notizen, Traumtagebücher und verschriftlichten Ton- und Videoaufnahmen waren für mich aber relativ anstrengend. Ich kam nicht wirklich in einen angenehmen Lesefluss, weswegen sich die Geschichte ein wenig gestückelt und fragmenthaft las. Hätte ich nicht bei den ‚Illuminae-Akten‘ des Autorenduos Kaufman und Kristoff gesehen, dass diese Art des Geschichtenerzählens durchaus funktionieren kann und das eine Dokumentensammlung, die auch hier bei ‚Mörderische Renovierung‘ vorliegt, sich auch flüssig lesen und wie eine kontinuierliche Erzählung anfühlen kann, würde ich diesen Kritikpunkt gar nicht anführen, aber für mich hat die Umsetzung der Geschichte hier leider ein wenig geschwächelt. 
Auch wenn ich dadurch ein wenig länger für die Lektüre gebraucht habe und auch den ständig wachsenden Bestand an Nebencharakteren nicht in sonderlich positiver Erinnerung habe, da es doch gegen Ende ein wenig verwirrend wurde, hat mich ‚Mörderische Renovierung‘ doch unterhalten können. Die Geschichte an sich war sehr gut ausgearbeitet und spannend und mir lief ab und an sogar eine Gänsehaut über den Nacken. 

FAZIT 

Die perfekte Lektüre für die dunkle Jahreszeit, wenn man sich für Geschichten erwärmen kann, die durch bunte Textsammlungen aus Briefen, Tagebucheinträgen und Protokollen von Video- und Tonaufnahmen erzählt werden. 
Eine gelungene Horrorgeschichte, die aus der Masse des Klischeehorrors positiv hervorsticht. Vom Feeling her vergleichbar mit der relativ neuen TV-Serie ‚Spuk in Hill House.‘