Rezension

Verhängnisvolle Ermittlungen

Die Krieger
von Martin Maurer

Bewertet mit 3 Sternen

Es scheint als sei das verheerende Feuer in der Diskothek Liverpool der Höhepunkt der Revierkämpfe im Rotlichtmilieu. Doch ein Bekennerschreiben deutet plötzlich in eine andere Richtung. Die Ermittlungen müssen noch einmal ganz neu aufgestellt werden und Nick Marzek, erst vor Kurzem von Berlin nach München gewechselt, wird nach Italien entsandt. Laufen die Fäden wirklich dort zusammen und war der Anschlag Teil einer viel größeren Sache?

Es ist immer eine Gratwanderung, wenn wahre Begebenheiten thematisiert werden und mit fiktiven Elementen, Ereignissen und Figuren verschmelzen. Sei es, um Antworten zu finden, die es in der Realität (noch) nicht gibt oder Alternativen zur bisherigen Darstellung aufzuzeigen. Hier versetzt der Autor Leser und Protagonisten zurück ins Jahr 1984, was man allerdings hauptsächlich merkt, wenn man den Stand der Technik vor Augen geführt bekommt. Ansonsten konzentriert sich das Geschehen primär auf die inhaltlichen Verstrickungen. Natürlich sind die äußeren Umstände ein Teil dessen, spielen aber dennoch eine eher untergeordnete Rolle.

Die Gruppe Ludwig, diverse Bekennerschreiben und Anschläge, sowohl auf Einzelpersonen als auch auf Gruppen, Spuren nach Italien, das und mehr gilt es nun für Kriminalkommissar Nick Marzek zu sortieren, um möglichst zeitnah die richtigen Schlüsse zu ziehen. Dabei ist die Sprachbarriere noch das kleinste Problem. Generell ist es vermutlich immer so, dass ein solch komplexer Fall in weiten Teilen diffus und unzusammenhängend erscheint. Hier aber liegt dann genau der Knackpunkt beziehungsweise Fallstrick zwischen rein fiktiven Kriminalromanen und solchen mit wahrer (Hintergrund)Geschichte.

Die zugrunde liegende Recherche ist auf höchstem Niveau, gerade wenn man die Ausführungen am Ende beachtet, aus denen hervorgeht, wie schwierig es überhaupt ist an Material zu diesem Fall/diesen Fällen zu kommen. Dass das erlangte Wissen nun unbedingt an den Leser gebracht werden möchte, ist selbstverständlich. Nichtsdestotrotz gestaltet sich dies hier in weiten Teilen leider etwas zäh. Die Ermittlungen gehen nur stockend voran, die gewonnen Erkenntnisse werfen meist mehr Fragen auf als dass sie Antworten liefern. Somit bleibt häufig die Spannung auf der Strecke, obwohl das Geschehen als solches wahrlich interessant ist. Der Fokus liegt hier jedoch zu sehr auf den historischen Geschehnissen, so dass das Zusammenspiel der verschiedenen Aspekte und Elemente nicht recht funktioniert.