Rezension

Was perfekt hätte sein können

Was perfekt war - Colleen Hoover

Was perfekt war
von Colleen Hoover

Bewertet mit 4 Sternen

Nach dem ‚Too Late‘ für mich ein Leseflop war, wollte ich der Autorin doch nochmal eine Chance geben. Der Klappentext verspricht ein spannendes Beziehungsdrama und auch die ersten Seiten der Leseprobe konnten mich direkt überzeugen, weshalb ich es dann spontan einfach in der Buchhandlung gekauft habe.

Was damals war: 
Quinn kommt eines Tages früher nachhause und will ihren Verlobten Ethan überraschen. Überrascht wird sie dann aber selbst. Einerseits von einem Mann, der wütend vor der Tür ihres Verlobten auf und ab tigert und davon, dass ihr Verlobter sich in der, von ihrer Schwester zur Verlobung geschenkten, Bettwäsche mit einer anderen wälzt.

Was heute ist: 
Knapp acht Jahre später stehen Quinn und Graham vor den Scherben ihrer Ehe. Sie lieben sich, sogar noch mehr als am Tag ihrer ersten Begegnung, ja sogar noch intensiver als am Tag ihrer Hochzeit. Doch sie stehen vor einem Problem, dass selbst für ihre bedingungslose Liebe füreinander zu groß sein könnte…

…und leider ein bisschen zu gewollt und konstruiert daher kommt. Ich sage es mal so, wenn sie auch nur einmal ausgesprochen hätte, was sie fühlt oder er ihr zu verstehen gegeben hätte, dass er die subtilen Veränderungen in der Ehe durchaus wahrnimmt, dann würde ‚Was perfekt war‘ vielleicht gerade einmal 150 Seiten umfassen. Nämlich das super süße und einfühlsame Kennenlernen der beiden Protagonisten in den mit ‚Damals‘ übertitelten Kapiteln und einer zehnseitigen Aussprache und vielleicht noch einem Besuch beim Eheberater im Hier und ‚Jetzt‘. 

Geschichten die nur daraus ihren Konflikt gewinnen, dass die Figuren ihre Zähne nicht auseinanderbekommen um miteinander zu reden, finde ich eigentlich furchtbar. Wenn noch dazu kommt, dass dieses Paar als so liebevoll und schon geradezu ‚perfekt‘ füreinander beschrieben wird, frage ich mich, wieso es gerade bei ihnen an der Kommunikation scheitern sollte, außer, dass es ansonsten keinen Konflikt (und im Endeffekt auch kein Buch) geben würde. Obwohl man als Leser in Quinns Kopf steckt, erschloss sich mir nicht, wieso sie nicht mit Graham sprechen konnte.

Aus diesem Grund mocht icht bis zur Mitte die ‚Damals‘-Kapitel viel mir und habe mich gefragt, ob eine chronologisch erzählte Geschichte mit weniger Kommunikationsdrama und mehr Fokus auf dem Guten in ihrer Ehe nicht besser gewesen wäre. Andererseits erhält ‚Was perfekt war‘ aber gerade durch die Gegenüberstellung seine besondere Bedeutung und Botschaft. Nach der Hälfte kippte das Ganze dann und ich las viel lieber die Kapitel, welche die Ehe von Quinn und Graham in der Gegenwart beleuchten. Die Perfektion der Anfangsjahre rückt eher in den Hintergrund und wurde für mich, in Anbetracht der Probleme in der Gegenwart schon fast belanglos. Immer noch einfühlsam und zum dahinschmelzen geschrieben (denn wundervoll und fesselnd schreiben kann Frau Hoover auf jeden Fall), aber in den ‚Jetzt‘-Kapiteln wird man dann mit so vielen Problemen und Konflikten fast schon überfrachtet, dass man sich, genauso wie die ‚Ich-Erzählerin‘-Quinn, kaum noch auf die schönen ersten Jahre des Paares konzentrieren kann oder will. 

Das klingt nun alles sehr negativ, alles in allem hat mir ‚Was perfekt war‘ aber sehr gut gefallen. Gut, der Konflikt ist aufgebauscht bis zum geht nicht mehr, aber der Mangel an Kommunikation ist nicht das Hauptproblem der Beiden, sondern eher ein nerviges Zusatzproblem, für das man aber in vollem Umfang entschädigt wird. Die Kennenlernphase von Quinn und Graham lässt einem das Romantikerherz aufgehen und wenn man es durch die ersten zähen ‚Jetzt‘ – Kapitel schafft, wird auch diese Zeitebene spannend und lesenswert. Hinzu kommt noch der grandiose Schreibstil und die vielen liebevollen Kleinigkeiten und Details, die Quinns und Grahams Beziehung ausmachen. 

FAZIT 

Eine wunderschöne Liebesgeschichte um das sympathische und authentische Duo Quinn und Graham, die durch eine Fügung des Schicksals zueinanderfinden und von ebenjenem auseinandergerissen zu werden drohen. Das Kommunikationsproblem der zwei frustriert zwar zunächst extrem, dafür wird man aber durch die süße Anfangszeit des Paares und die spätere Auflösung in der Gegenwart und die berührende Botschaft zwischen den Zeilen aber mehr als entschädigt.