Rezension

Wer ist Sidra und wer ist Jane23?

Zwischen zwei Sternen - Becky Chambers

Zwischen zwei Sternen
von Becky Chambers

Bewertet mit 5 Sternen

Jane23 hat es hart getroffen. Sie arbeitet den ganzen Tag in einer Fabrik, die Schrott sortiert, prüft und repariert. Der Tagesablauf ist streng geregelt und wird von elektronischen Müttern (Robotern) überwacht. Jane ist nämlich erst 10 Jahre alt und hat in ihrem Leben nichts anderes kennengelernt. Sie wurde extra für diese Arbeit gezüchtet und ihre einzige menschliche Zuneigung bekommt sie von Jane64, die mit ihr ein Bett und das Schicksal teilt.
Bis eines Tages eine Explosion am Arbeitsplatz ein Loch in die Außenwand reißt und Jane23 erstaunt registriert, das es da draußen noch mehr zu entdecken gibt. Sie beschließt zu fliehen, weil sie für ihre Neugier nicht bestraft werden will.
Der Planet erweist sich als unfreundlich. Beißende Kälte und blutrünstige Hunde trachten nach ihrem Leben, da findet sie Zuflucht in einer kleinen verschrotteten Raumkapsel, die von einer künstlichen Intelligenz bewohnt ist.
Sidra! Sidra ist die KI aus der Wayfarer, dem Tunnlerschiff aus dem ersten Teil der Trilogie, hieß dort Lovelace und befindet sich nun in einem humanoiden, künstlichen Körper. Pepper hat sie zu ihrem Heimatplaneten mitgenommen, wo sie sich jetzt möglichst unauffällig benehmen soll. KIs in eigenständigen Körpern sind nämlich verboten und wenn sie erwischt wird, wird sie umgehend gelöscht und Pepper droht eine hohe Strafe.
Ein echtes Dilemma für Sidra, die so programmiert ist, die ihr anvertrauten Lebewesen zu schützen. Sie kann sich nur schwer daran gewöhnen, dass ein Menschenkörper nicht überall seine Augen und Ohren haben kann und hat nun ein echtes Identitätsproblem, welches sie ausgerechnet bei einem Tätowierer lösen will.

Zwei Erzählstänge, die scheinbar wenig miteinander zu tun haben, in denen eigentlich nur vor sich hingelebt wird, die ich aber, voller Bewunderung für Chambers Einfühlsamkeit in zwischenmenschlichen, äh interspeziären (habe gerade geduckduckt, das Wort gibt nicht) Belangen, verfolgt habe.
Konsequent benutzt die Autorin zum Beispiel "ser" und "sire" als Personal- bzw. Possesivpronomen, wenn das Geschlecht der anderen Person nicht klar ist, oder sogar regelmäßig wechselt. Detailverliebt widmet sie sich den Aussehen ihrer Aliens und vergisst dabei auch nicht, die Möbel und Fahrzeuge der Andersartigkeit anzupassen. Über verschiedene Formen der Kommunikation hat sie sich ausführlich Gedanken gemacht.

Auch der zweite Teil des Wayfarer Universum hat mich überzeugt. Auch hier fehlte es nicht an Parallelen zu unserer richtigen Welt und am Ende wurden auch alle Fäden zu einem stimmigen Ende zusammengeführt. Es ist eine ruhige Geschichte, die Zeit und Raum zum Nachdenken lässt. Zynisch könnte ich behaupten: "Von Frauen, für Frauen", aber diese Einschränkung hat Frau Chambers nicht nötig, obwohl ich diese Art zu schreiben in vielen SFs manchmal schon ein wenig vermisse.

Kommentare

wandagreen kommentierte am 24. April 2020 um 17:42

Das klingt richtig, richtig GUT.
 

Gittenen Bücherfresserchen kommentierte am 04. Mai 2020 um 15:39

Schön, jetzt werde entgültig auch diesen Teil lesen