Rezension

Wieder ein echter Seitenmagnet!

Silber - Das zweite Buch der Träume - Kerstin Gier

Silber - Das zweite Buch der Träume
von Kerstin Gier

Bewertet mit 4 Sternen

Wenn man ein Buch gelesen hat, das so viel Lesespaß brachte wie "Silber: Das erste Buch der Träume", bei dem herzlicher Humor, gemixt mit Spannung, einfach das gewisse Etwas ausmachten, steht der Nachfolgeband ganz oben auf der persönlichen Leseliste. "Silber: Das zweite Buch der Träume" enttäuscht nicht. Im Allgemeinen liest es sich zwar wie ein typischer Mittelband, glänzt aber seinerseits mit einem gewissen Etwas - nicht silbern, aber Türkis!

Die Handlung startet nicht lange nach den Ereignissen in Band 1. Doch die Situation ist anders und der Leser muss einige neue Umstände akzeptieren. Zwar gibt es ein Wiedersehen mit allen bekannten und unbekannten (Secrecy!) Charakteren - bis auf Jasper, der ist das komplette Buch über im Ausland -, doch ein großer Hauptbestandteil der Geschichte hat sich geändert. Die "Clique der schönen Jungs" besteht nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form. Schade eigentlich, doch unumgänglich, wenn man den Werdegang der Story überblickt.
Auch hier wird diese ganz spezielle Art von Kerstin Giers Humor großgeschrieben. Man ist oft am Schmunzeln und einige Aktionen sind so lustig, dass man über Seiten hinweg permanent grinst. Insgesamt ist "Das zweite Buch der Träume" jedoch etwas sparsamer mit dem Humor als der Vorgängerband. Die Herzlichkeit zwischen den Zeilen beeindruckt auch hier und bringt einen großen Wohlfühlcharakter ins Buch.

Juristisch betrachtet, war es natürlich ein Diebstahl, aber diese Sorte fellgefütterte Trappermützen mit Ohrenklappen, die ich Charles entwendet hatte, stand nur den wenigsten Menschen gut. Die meisten sahen darin aus wie unterbelichtete Schafe, [...], also hatte ich ihm im Grunde sogar einen Gefallen getan. Hoffentlich kam nur niemand in mein Zimmer und sah mich mit der dämlichen Mütze im Bett liegen. - S. 10

"Es hat gerade erst begonnen" waren Anabels Abschlussworte im ersten Buch der Träume. Damit stieg die Neugierde auf die Ereignisse im zweiten Buch fast ins Unermessliche. So ist es etwas verwunderlich, dass die Handlung über die komplette erste Hälfte auf kein bestimmtes Ziel zusteuert. Man begleitet die sympathische und sehr menschlich gestaltete Liv durch ihren Alltag und erlebt mit ihr allerhand Lustiges und auch Kurioses. Gerade das macht Spaß und das Buch wird auch so zum Pageturner. Erst in der zweiten Hälfte deutet sich an, in welche Richtung die Geschichte gehen könnte. Ein richtiger oder brachialer Höhepunkt fehlt aber auch hier.

Wer sich seine Gedanken um den Bösewicht dieser Geschichte gemacht hat, könnte überrascht werden. Denn in diese Richtung gehen die Gedanken sicherlich nicht sofort. Einige Erklärungen für das Verhalten gewisser Personen lässt die Autorin noch offen und auch das Rätselraten um die geheimnisvolle Secrecy bleibt in vollem Gange.
Wem die Traumwelt in der vorigen Geschichte zu abstrakt oder wenig greifbar war, kann sich hier freuen. Sie fügt sich exakt in die Handlung ein. Ganz am Ende bekommt man nochmals eine genaue und augenzwinkernde Erklärung, wie das mit dem Traumkorridor und den Türen "funktioniert". Herrlich!

Das persönliche Fazit
Die Silber-Gold-Wortspiele zu dieser Reihe sind ja bekannt und bieten sich geradezu an. Silber steht drauf, Gold ist drin traf auf den ersten Band zu, ist jetzt aber zweitrangig. "Silber: Das zweite Buch der Träume" ist Türkis - wunderschön Türkis! Und ganz unabhängig davon, dass dies meine persönliche Lieblingsfarbe ist, ist das Buch eine klare Empfehlung. Trotz kleiner Kritikpunkte ist auch "Das zweite Buch der Träume" ein echter Seitenmagnet. Liv ist einmalig authentisch und ihr Charakter, samt Familie, liest sich wieder einmal direkt ins Herz. Der Abschlussband wird ein Höhepunkt 2015 ... denn es hat gerade erst begonnen. Dream on - 4 Sterne!