Rezension

Wiedersehen mit liebgewonnenen Charakteren

Auf und mehr davon -

Auf und mehr davon
von Lisa Keil

Bewertet mit 4 Sternen

3. Band der Neuberg-Romane. Zwar ist die Handlung in sich abgeschlossen, viele Figuren spielten aber bereits eine Rolle und das ganze Beziehungsgeflecht ist sicher nachvollziehbarer, wenn man alle Bücher kennt.

Die ersten zwei Bände der Reihe mochte ich total gern, daher habe ich mich sehr auf die Geschichte von Milli gefreut. Nicht damit gerechnet habe ich allerdings, dass ihre Mutter im Roman genauso viel Raum einnimmt. Cordula passt irgendwie nicht mehr in ihr eigenes Leben. In Millis allerdings auch nicht…

In Band 1 noch ein Teenager ist Milli inzwischen erwachsen und studiert Tiermedizin. Sie ist eine herzliche, liebevolle Person, die sich um ihre Mitmenschen sorgt und sich fürsorglich um jeden tierischen Patienten kümmert. Während Milli zu ihrer Tante Kaya ein super Verhältnis hat, ist es zwischen ihr und ihrer Mutter eher schwierig.
Cordula liebt ihre Tochter, keine Frage, aber auch ich habe sie anfangs als eher gefühlskalt und unnahbar wahrgenommen. Dieser Eindruck hat sich aber mit dem Fortschreiten der Handlung verändert.

Die Geschichten beider Frauen laufen parallel ab, oft nebeneinander her, es gibt nur einige Berührungspunkte. Abwechselnd schildern beide ihre Erlebnisse, Gedanken und Gefühle in der Ich-Perspektive. Anfangs konnte ich mit Cordulas Passagen recht wenig anfangen und habe mir Milli zurückgesehnt, doch etwa ab der Hälfte des Buches, nach einigen eher unangenehmen Momenten, haben mir ihre Abschnitte ebenfalls sehr gut gefallen.
Während Milli halt Milli ist, fröhlich, freundlich, herzlich, macht Cordula im Verlauf eine große Entwicklung durch. Sie beginnt, sich ein wenig zu Öffnen und vertraut sich Menschen in ihrem Umfeld an.

Insgesamt verläuft die Handlung recht ruhig. Beide leben so vor sich hin, gehen einer Tätigkeit nach, begegnen hin und wieder einander und sie begegnen andern Menschen – Männern, um genau zu sein, sodass sich im Verlauf der Handlung zwei Liebesgeschichten anbahnen, deren Entwicklung interessant zu verfolgen ist.
Überraschungen gibt es dabei im Verlauf nur wenig, denn spätere Entwicklungen kündigen sich meist vorher an, dennoch macht es Spaß, das Buch zu lesen.

Eine Sache hat mich dann aber doch gestört. Immer wieder gab es zeitliche Lücken in der Handlung. Es ist, als würde man alle paar Wochen mal in das Leben und den Kopf der beiden schauen, dabei aber doch immer ein Stück ihrer Entwicklung und wichtige Ereignisse verpassen.
Auch das Ende bleibt vergleichsweise offen. Ja, die Figuren haben Pläne und es gibt ein paar neue Verstrickungen. Darüber erfährt man letztlich aber so gut wie gar nichts mehr. Die Geschichte ist schon in sich stimmig, dennoch hinterlassen die Auslassungen bei mir das Gefühl, dass etwas fehlt oder ich zumindest nicht so nah an Milli und Cordula dran war, wie es möglich gewesen wäre.
Zumindest ein Epilog, der ein wenig in die Zukunft blickt, wäre noch schön gewesen, um die Geschichte abzurunden.

Schön war das Wiedersehen mit all den bekannten Figuren und bisherigen Protagonistenpaaren bei den Besuchen in Neuberg, sodass man noch einen Eindruck davon bekommen hat, wie ihre Geschichte nach dem jeweiligen Happy End weiter verlaufen ist.

Der Schreibstil ist – wie schon bei den ersten beiden Büchern – sehr bildhaft und flüssig. Sehr liebevoll werden auch die Vierbeiner und der Umgang mit ihnen geschildert.

Fazit

Wiedersehen mit vielen liebgewonnen Figuren. Ich habe mich total auf Millis Geschichte gefreut, war aber überrascht über die Kombi-Geschichte mit ihrer Mutter. Nach Startschwierigkeiten konnten mich beide Frauen für sich einnehmen, sodass ich ihre Erlebnisse und ihre Entwicklungen gern verfolgt habe. Überrascht hat mich das Buch nur selten, was mich aber nicht gestört hat. Schade waren die vielen zeitlichen Sprünge, ich hätte gern noch mehr Einblicke in den Alltag und all die Momente gehabt, die ihre Entscheidungen beeinflussen oder ihr Herz höher schlagen lassen.