Rezension

Würdige Aufbereitung des Films

Das Labyrinth des Fauns
von Cornelia Funke Guillermo Del Toro

Bewertet mit 4 Sternen

Ofelia liebt ihre Mutter über alles. Doch dass diese nach dem Tod ihres Mannes den widerlichen General geheiratet hat, wird sie wohl nie verstehen. Er ist das Böse in Person und scheinbar nur interessiert an einem männlichen Nachkommen. Ihr neues Heim ist unbehaglich, doch bei einem Streifzug durch die Wälder begegnet Ofelia mehreren Fabelwesen, die ihr Hoffnung geben. Sie muss nur drei Prüfungen bestehen, dann wird sie in ihr eigentliches Reich zurückkehren können…

Das eigentlich spannende am neuen Werk Cornelia Funkes war wohl bereits im Vorfeld der Aspekt, dass diesmal der Film schon lange vorher erschienen war und nun das davon inspirierte Buch an den Markt kommen sollte. Generell ist es ja meistens anders herum, dass literarischer Stoff visuell umgesetzt wird. Die Erwartungshaltung an das geschriebene Wort ist natürlich eine ganz andere, wenn der Film bekannt ist und absolut nicht als 08/15 abgestempelt werden kann. Nichtsdestotrotz versucht man sich der Lektüre möglichst neutral zu widmen, schließlich sollte es ja auch keine 1:1-Nacherzählung werden.

Von Anfang an wird die angespannte, düstere und unterkühlte Atmosphäre deutlich, die sowohl mit den Folgen des Krieges als auch mit den magisch angehauchten Elementen zusammenhängt. Realität und Fiktion treffen bildgewaltig und unvorbereitet aufeinander, so dass eine Unterscheidung nicht immer möglich, gleichzeitig aber auch gar nicht notwendig ist. Obwohl der Leser automatisch Vergleiche anstellt was Film und Buch angeht, so fällt es dennoch leicht im Kopf eine klare Grenze zu ziehen, wodurch weder ab- noch aufgewertet wird, sondern beide Werke nach wie vor unabhängig voneinander betrachtet werden können.

Vor allem die fantastischen Sequenzen werden mitreißend und wortgewandt dargestellt, so dass der Leser sich voll und ganz fallen lassen kann. Es eröffnet sich eine Welt, die keineswegs frei von Makeln ist, aber dennoch eine Faszination ausübt, wie es sie selten gibt. Auffällig innerhalb der Passagen rund um den General und die Rebellen ist die ausschweifende Erzählweise, derer Cornelia Funke sich bedient. Es scheint als müsse jede noch so kleine Bewegung kommentiert und jeder Millimeter Umgebung beschrieben werden, um auch wirklich alles zu erfassen. Leider führt dies zu Ermüdungserscheinungen, denn obwohl detailreiche Darstellungen durchaus positiv sein können, will man hier eindeutig zu viel des Guten.

“Das Labyrinth des Fauns” ist trotz des angemerkten Mankos eine würdige Aufbereitung der filmischen Vorlage. Es wird begeistern, zugleich aber auch polarisieren, nicht zuletzt auf Grund des empfohlenen Lesealters. Grundsätzlich muss man natürlich individuell entscheiden, subjektiv betrachtet sollte man die Altersfreigabe allerdings auf mindestens 16 anheben, wie es auch beim Film der Fall ist.