Rezension

Wunderschöne, tiefgründige Mischung aus Kunst und Kinderliteratur, die zu Tränen rührt!

Das Stundenbuch des Jacominus Gainsborough - Rébecca Dautremer

Das Stundenbuch des Jacominus Gainsborough
von Rébecca Dautremer

~ „Das Stundenbuch des Jacominus Gainsborough“ vereint wunderschöne, detaillierte und mit viel Liebe erstellte Illustrationen, auf denen es unheimlich viel zu entdecken gibt, mit einer herzerwärmenden, berührenden und authentischen Geschichte, die die Höhen und Tiefen des Lebens ehrlich einfängt. Themen wie Familie, Liebe, Glück, Verlust und Vergänglichkeit werden tiefgründig und mit viel Fingerspitzengefühl behandelt. Dieses Buch bietet die Möglichkeit, die Themen Vergänglichkeit, Leben und Sterben bei einem Kind altersgerecht und behutsam anzusprechen. Aufgrund seiner vielfältigen Anspielungen, Bedeutungsebenen und Vielschichtigkeit ist das Stundenbuch zwar meiner Meinung nach für junge und erwachsene LeserInnen, aber vielleicht nicht für jedes Kind geeignet – hier sollte man die Entscheidung, ob das Buch vorgelesen wird, individuell treffen. Den Schreibstil der Autorin fand ich wunderbar: Er ist einfach, anschaulich, märchenhaft und poetisch – gleichzeitig aber großteils auch sehr kindgerecht mit gezielten Wiederholungen und kleinen Erklärungen und einer Geschichte, die in leicht verdaulichen Häppchen präsentiert wird. Manche Wörter sind den Kindern sicher unbekannt, manches werden sie noch nicht verstehen – aber genau dafür sind ja die VorleserInnen da! Vieles ist an diesem Buch großartig gelungen – der Protagonist ist hier keine Ausnahme. Von der ersten Seite an habe ich mit diesem süßen, verträumten Häschen mitgefühlt und es sofort ins Herz geschlossen. Sogar was die Darstellung von Geschlechterrollen betrifft, punktet das Buch auf ganzer Linie: Sehr häufig werden Väter gezeigt, die ihre Kinder tragen, mit ihnen spielen oder sich schlicht um sie kümmern. Für mich ist „Das Stundenbuch des Jacominus Gainsborough“ jedenfalls eines der schönsten Kinderbücher, die ich je gelesen habe, und eine wunderbare, unvergleichliche und unvergessliche Mischung aus Kunst und Kinderliteratur, in die ich mich sofort verliebt habe! Ach – und noch etwas: Habt ihr schon einmal am Ende eines Kinderbuches mit einem Lächeln auf den Lippen geweint? Was? Das geht nicht? Kinderbücher können einen nicht zu Tränen rühren? Früher habe ich das auch gedacht, aber wenn ich euch jetzt hören könnte, würde ich nur nachsichtig lächeln, aber schon einmal Taschentücher bereitstellen. Ihr werdet sie wahrscheinlich brauchen. Und es wird euch gefallen. ~

Inhalt

Dieses Kinderbuch beleuchtet das lange, ereignisreiche und überwiegend glückliche Leben des Hasen Jacominus Gainborough und begleitet ihn von seiner Geburt über seine Kindheit und Jugend bis zu seinem friedlichen Lebensende.

Übersicht

Einzelband oder Reihe: Einzelband
Altersempfehlung: ab 5 Jahren
Verlag: Insel Verlag
Seitenzahl: 56
Erzählweise: allwissender Erzähler, Präteritum
Tiere im Buch: + Im Buch sterben zwar Tiere und sie werden verletzt, aber da sie sich wie Menschen verhalten, wird ihr Leiden niemals heruntergespielt! Zudem wirken sie auch mehr menschlich als tierisch.

Warum dieses Buch?

Immer noch bin ich auf der Suche nach empfehlenswerten, besonderen Kinderbüchern, die ich gemeinsam mit meinen (zukünftigen) Patenkindern, Nichten und Neffen lesen kann. In das Cover dieses Buches und somit auch seinen Zeichenstil habe ich mich sofort verliebt – ich wusste, an diesem Kinderbuch führt für mich kein Weg vorbei!

Meine Meinung

Geschichte (♥)

„Zum Beispiel wirst du dich fragen, was ‚Stundenbuch‘ bedeutet. Da ich im Augenblick hier bin, werde ich dir antworten: Es ist eine poetische und raffinierte Art, vom Leben eines Menschen zu erzählen. Und raffiniert heißt in diesem Fall, dass ich ein kompliziertes Wort wie ‚Stundenbuch‘ verwendet habe, um etwas Einfaches wie das Leben auszudrücken.“ Zitat aus der Einleitung

Die Autorin hat in diesem Kinderbuch eine herzerwärmende, berührende, schlichte und gerade deshalb so glaubwürdige Geschichte geschaffen, die die Höhen und Tiefen eines ganz normalen und gleichzeitig besonderen Lebens großartig und ehrlich einfängt. Themen wie Familie, Liebe, Glück, Verlust und Vergänglichkeit werden tiefgründig und mit viel Fingerspitzengefühl behandelt. Dieses Buch bietet trotz der etwas melancholischen Grundstimmung eine sanfte Möglichkeit, die Themen Vergänglichkeit, Leben und Sterben bei einem Kind (vielleicht erstmals) altersgerecht und behutsam anzusprechen, was ich sehr schön finde. Das Buch hat zwei Ebenen: Einmal die offensichtliche Inhaltsebene, auf der die Geschichte passiert und die auch Kinder verstehen können. Und zweitens eine tiefere, philosophischere Ebene, die wahrscheinlich hauptsächlich Erwachsene genießen können. Aufgrund seiner vielfältigen Anspielungen, Bedeutungsebenen und Vielschichtigkeit ist das Stundenbuch zwar meiner Meinung nach für beide Altersgruppen, aber vielleicht nicht für jedes Kind geeignet – hier sollte man die Entscheidung, ob das Buch vorgelesen wird, individuell treffen. Solange die Vorlesenden während der Lektüre mit dem Kind in einen Dialog treten und ihm seine Fragen beantworten und Unklarheiten beseitigen, dürfte sich die Lektüre aber problemlos gestalten. Rébecca Dautremer ist jedenfalls eine Kinderbuchautorin, die ich mir mit Sicherheit merken werde. Ihr Erzähl- und Zeichenstil erinnert mich stark an die Bücher von Martin Widmark und Emilia Dziubak – die ich übrigens absolut liebe und euch nur ans Herz legen kann!

Ach – und noch etwas: Habt ihr schon einmal am Ende eines Kinderbuches geweint? Zeitgleich mit einem Lächeln auf den Lippen, weil es so schön war? Was? Das geht nicht? Kinderbücher können einen nicht zu Tränen rühren? Früher habe ich das auch gedacht, aber wenn ich euch jetzt hören könnte, würde ich nur nachsichtig lächeln, aber schon einmal Taschentücher bereitstellen. Ihr werdet sie wahrscheinlich brauchen. Und es wird euch gefallen.

Schreibstil (♥)

„Jacominus hatte das Glück, von seiner Familie und von seinen Freunden geliebt zu werden. Und das hat ihn stark gemacht.“ Zitat aus dem Buch (keine Seitenzahlen vorhanden)

Gleich am Beginn des Buches werden die jungen und erwachsenen LeserInnen in einer warmherzigen Einleitung begrüßt. Interessant an diesem Kinderbuch ist die Verteilung des Texts – manche Seiten enthalten nur wenige Zeilen Text, andere eine ganze Seite. Wichtig ist hier zu erwähnen, dass ich keine Seite überfrachtet oder zu textlastig fand.

Den Schreibstil der Autorin fand ich wunderbar: Er ist einfach, anschaulich, märchenhaft und poetisch – gleichzeitig aber großteils auch sehr kindgerecht mit gezielten Wiederholungen und kleinen Erklärungen und einer Geschichte, die in leicht verdaulichen Häppchen präsentiert wird. Manchmal kommen englische Redewendungen vor, die allerdings ganz unten immer auch übersetzt werden. So kommt das junge Lesepublikum in Kontakt mit einer Fremdsprache, aber die Eltern sind nicht gezwungen, die Bedeutung selbst nachzuschlagen, was ist sehr gut gelöst finde und was zur authentischen Atmosphäre im Buch beiträgt. Manche Wörter sind den Kindern sicher unbekannt (wie z. B. Diskretion), manche Namen sind schwer zu merken (Agathon etc.), manches werden sie noch nicht verstehen. Aber genau dafür sind ja die Vorleser*innen da! Ich habe die Sprache jedenfalls absolut geliebt, weil sie einen sofort in die Geschichte entführt.

Figuren (♥)

„Jacominus war häufig abwesend, als wäre er auf dem Mond.
Und bestimmt machte er da oben, auf dem Mond, auch seine ersten Schritte.
Und deswegen hatte er wohl auch den kleinen Unfall.“ Zitat aus dem Buch (keine Seitenzahlen vorhanden)

Ja, vieles ist an diesem Buch ganz großartig gelungen – der Protagonist ist hier keine Ausnahme. Von der ersten Seite an habe ich mit diesem süßen, verträumten Häschen mitgefühlt und es sofort ins Herz geschlossen. Sein friedlicher Tod hat mir völlig unerwartet die Tränen in die Augen getrieben – so sehr hatte ich ihn in den wenigen Seiten lieb gewonnen. Auch die anderen Tier-Figuren, die gekleidet sind und sich verhalten wie Menschen, überzeugen durch die Bank – auch wenn sie im Buch nur Nebenrollen spielen. Tierliebhaber*innen wie ich werden die Geschichte durch die tierischen Figuren nur noch mehr lieben!

Illustrationen (♥)

Das Beste am Buch sind aber seine wunderschönen, detaillierten und mit viel Liebe erstellten Illustrationen, auf denen es unheimlich viel zu entdecken gibt und die deshalb dazu einladen, sie ganz genau zu betrachten und zu genießen. Viele Zeichnungen gehen über eine Doppelseite des unkonventionellen Buches, das übrigens so ein riesiges Format hat, dass es kaum ins Bücherregal passt. Für mich ist dieses Werk jedenfalls eine wunderbare, unvergleichliche und unvergessliche Mischung aus Kunst und Kinderliteratur, in die ich mich sofort verliebt habe! „Das Stundenbuch des Jacominus Gainsborough“ zählt zu den schönsten Kinderbüchern, die ich je gelesen habe.

Geschlechterrollen (♥)

Sogar hier punktet das Buch auf ganzer Linie, was ich sehr erfrischend finde: Sehr häufig werden Väter gezeigt, die ihre Kinder tragen, mit ihnen spielen oder sich schlicht um sie kümmern. Dafür, dass auf Rollenklischees verzichtet wurde, gibt es ein großes Lob! Das Einzige, was mich ein wenig gestört hat, war, dass Jacominus und seine männlichen Freunde alle imposante Namen mächtiger Männer haben, dass aber seine einzige weibliche Freundin und spätere Ehefrau schlicht „Sweety“ heißt.

Mein Fazit

„Das Stundenbuch des Jacominus Gainsborough“ vereint wunderschöne, detaillierte und mit viel Liebe erstellte Illustrationen, auf denen es unheimlich viel zu entdecken gibt, mit einer herzerwärmenden, berührenden und authentischen Geschichte, die die Höhen und Tiefen des Lebens ehrlich einfängt. Themen wie Familie, Liebe, Glück, Verlust und Vergänglichkeit werden tiefgründig und mit viel Fingerspitzengefühl behandelt. Dieses Buch bietet die Möglichkeit, die Themen Vergänglichkeit, Leben und Sterben bei einem Kind altersgerecht und behutsam anzusprechen. Aufgrund seiner vielfältigen Anspielungen, Bedeutungsebenen und Vielschichtigkeit ist das Stundenbuch zwar meiner Meinung nach für junge und erwachsene LeserInnen, aber vielleicht nicht für jedes Kind geeignet – hier sollte man die Entscheidung, ob das Buch vorgelesen wird, individuell treffen. Den Schreibstil der Autorin fand ich wunderbar: Er ist einfach, anschaulich, märchenhaft und poetisch – gleichzeitig aber großteils auch sehr kindgerecht mit gezielten Wiederholungen und kleinen Erklärungen und einer Geschichte, die in leicht verdaulichen Häppchen präsentiert wird. Manche Wörter sind den Kindern sicher unbekannt, manches werden sie noch nicht verstehen – aber genau dafür sind ja die VorleserInnen da! Vieles ist an diesem Buch großartig gelungen – der Protagonist ist hier keine Ausnahme. Von der ersten Seite an habe ich mit diesem süßen, verträumten Häschen mitgefühlt und es sofort ins Herz geschlossen. Sogar was die Darstellung von Geschlechterrollen betrifft, punktet das Buch auf ganzer Linie: Sehr häufig werden Väter gezeigt, die ihre Kinder tragen, mit ihnen spielen oder sich schlicht um sie kümmern. Für mich ist „Das Stundenbuch des Jacominus Gainsborough“ jedenfalls eines der schönsten Kinderbücher, die ich je gelesen habe, und eine wunderbare, unvergleichliche und unvergessliche Mischung aus Kunst und Kinderliteratur, in die ich mich sofort verliebt habe! Ach – und noch etwas: Habt ihr schon einmal am Ende eines Kinderbuches mit einem Lächeln auf den Lippen geweint? Was? Das geht nicht? Kinderbücher können einen nicht zu Tränen rühren? Früher habe ich das auch gedacht, aber wenn ich euch jetzt hören könnte, würde ich nur nachsichtig lächeln, aber schon einmal Taschentücher bereitstellen. Ihr werdet sie wahrscheinlich brauchen. Und es wird euch gefallen.

Bewertung

Idee: 5 Sterne ♥
Geschichte: 5 Sterne ♥
Ausführung: 5 Sterne ♥
Schreibstil: 5 Sterne ♥
Personen: 5 Sterne ♥
Illustrationen: 5 Sterne ♥
Rollenbilder: ♥

Insgesamt:

❀❀❀❀❀♥ Lilien

Dieses Buch erhält von mir fünf Lilien und ein Herz – und somit den Lieblingsbuchstatus und eine uneingeschränkte Leseempfehlung!