Rezension

Frecher unterhaltender Weltraumspaß ...

Kollaps - Das Imperium der Ströme 1 - John Scalzi

Kollaps - Das Imperium der Ströme 1
von John Scalzi

Bewertet mit 5 Sternen

Die Zukunft sieht für die Galaxie nicht rosig aus, denn ein Umbruch steht bevor und der kann alles verändern. Die Menschheit ist über den ganzen Weltraum verteilt und um diese schnell zu durchstreifen benutzen die Raumschiffe sogenannte Ströme, ohne diese sind ganze Bereiche abgeschnitten und nicht mehr erreichbar. Dieses System funktioniert schon ewig, aber ist es wirklich auf Dauer auch sicher? Die neu erwählte Imperatox muss sich der Wahrheit stellen und erkennen, dass alles auf einer Lüge aufgebaut ist. Lady Kiva von der Handelsgilde und der Wissenschaftler Marce Claremont machen sich vom Planeten Ende auf den Weg, um die Imperatox in Kenntnis zusetzen. Aber ist noch genügend Zeit? Werden die Ströme verschwinden? Und kann man ohne die Ströme überhaupt überleben?

Als man mir von dieser Geschichte erzählte, dachte ich, ja, das klingt echt nicht schlecht. Dann hatte ich es in den Händen und das Cover, sprach mich gar nicht so an und ich grübelte, wollte ich das wirklich lesen und dann haut die Geschichte voll rein. Vorab vielleicht noch ein Wort zu meiner Science-Fiction Erfahrung, sie hält sich in Grenzen und ich habe auch noch nie was von John Scalzi gehört oder gelesen. Also kann ich das nicht wirklich beurteilen, aber der Typ schreibt, wie ihn der Schnabel gewachsen ist und das ist verdammt unterhaltend. Ihr ahnt es schon und ja mir hat es gut gefallen und was genau, erzähle ich euch nun.

Der Prolog legt schon ziemlich spannend vor, und zwar mit einer Meuterei auf einem Schiff. Die Übernahme wird aber gestört durch einen ungeplantes Verlassen des Stroms, die Panik steht allen Crewmitgliedern ins Gesicht geschrieben und sogar die Übernahme des Schiffes tritt in Vergessenheit und es heißt, zurück in den Strom oder Tod. Da merkt man schon, du grüne Neune, was geht denn hier ab. Diese galaktische Autobahn hat es ja mächtig in sich und nicht jeder Planet ist so bewohnbar, wie wir es kennen und schwups landen wir im ersten Teil und lernen nach und nach alle Figuren kennen.

Wir haben da eine junge Frau, Cardenia, die ein uneheliches Kind ist und nie für den Thron bestimmt war und doch in die Fußstapfen ihres Vaters treten muss. Die wichtigste Person in der Galaxis und keine Zeit für eine Vorbereitung. Cardenia ist aber klug, bedacht und fühlt sich dem gar nicht gewachsen und ist unglaublich einsam. Sie muss sich durch die ganzen Geflogenheiten und Intrigen kämpfen und wird mit einem Geheimnis konfrontiert, was ihre ganze Amtsperiode ein bestimmtes Ziel aufdrückt.

Die nächste Person, die ich vorstellen möchte, ist Marce Claremont, sein Vater ist Graf Claremont und dieser steht im Auftrag des alten Imperatox, die Ströme zu erforschen und Meldung darüber zu geben. Sein Sohn ist, der Wissenschaft genauso zugewannt wie der Vater und ist diesem eine große Stütze. So kommt es, dass sein Vater ihm nach bedenklichen Informationen auf die Reise zum Imperatox schickt und natürlich wird das nicht so einfach, denn die Späher und Intriganten sind überall. Marce ist der typische Wissenschaftler, wenn es nicht um Zahlen geht, bekommt er nicht alles so genau mit und wirkt dazu immer etwas dümmlich, aber herzerfrischend und liebenswert. Der Mann fällt auf jeden Fall bei den beiden Frauen auf.

Und somit kommen wir zu Lady Kiva Lagos, die einer der mächtigsten Handelshäuser des Imperiums angehört und durch intrigante Verstrickungen so auf Marce Claremont trifft und somit in die Geschichte. Sie ist wirklich eine rotzfreche Person, Schimpfwörter sind an der Tagesordnung, Männergeschichten ihr Ding und das Geschäftliche liegt ihr im Blut. Ihre vulgäre Art ist vielleicht nicht jedermanns Sache, aber mich hat sie köstlich amüsiert. Kiva hebt die Stimmung in der Geschichte um Längen und sorgt für einige Lacher und greift hervorragend ins Geschehen ein.

Kollaps - Das Imperium der Ströme ist der erste Teil einer Reihe, die wohl auf einige Bücher angelegt ist und das merkt man, dieser Band ist wirklich gedacht zum Kennenlernen, Erfassen und sich räumlich einzustimmen. Der rote Faden ist angelegt, die Hauptfiguren beschnuppert und die Sucht nach mehr ist vorhanden. John Scalzi lässt sich hier noch ein bisschen Zeit um, seinen Leser wirklich in das Geschehen einleben zu lassen, aber ich kann nicht sagen, dass es mich gelangweilt hat, denn es ist trotzdem viel passiert. Verfolgungsjagden, Attentate, Intrigen, Liebeleihen und raffinierte Schachzüge und das alles in einem Ton erzählt, der mich herrlich amüsierte und mich köstlich unterhielt. Man stelle sich vor, dass der Autor nichts mehr erklären müsste, ich glaube, dann gibt es ein Laserfeuerwerk und er schöpft sein Potenzial bestimmt voll aus. Mit seinen gegensätzlichen Figuren trumpft er auf jeden Fall schon auf.

Dieser Auftakt war für mich richtig gute Unterhaltung und ich wäre nicht glücklicher aus einem Kinosaal gegangen. Sprich, ich warte wirklich sehnsüchtig auf mehr und ich mag total diese rotzige Erzählart, einfach toll gelungen und bildgewaltig umgesetzt. Gern springe ich wieder in meinem Raumanzug, um ins zweite Abenteuer zu beamen.