Rezension

Für mich eine wundervolle Leseerfahrung...

Vogelweide - Uwe Timm

Vogelweide
von Uwe Timm

Bewertet mit 5 Sternen

Ein Mann hat alles verloren, seine Freundin, seine Geliebte, seinen Beruf, seine Wohnung, er hat einen Bankrott hinter sich und ist hoch verschuldet. Nun lebt er für eine Weile ganz allein auf einer Insel in der Elbmündung, versieht den Dienst als Vogelwart. Ein geradezu eremitisches Dasein, das durch einen Anruf durcheinandergewirbelt wird. Anna kündigt ihren Besuch an - eben jene Anna, die vor sechs Jahren vor ihm nach New York geflohen ist und zuvor sein Leben komplett aus den Angeln gehoben hat. Und während Eschenbach sich auf das Wiedersehen mit ihr vorberei­tet, seinen Alltagsritualen folgt, Vögel zählt und Strandgut sammelt, besuchen ihn die Geister der Ver­gangenheit und es entfaltet sich die Geschichte von Eschenbach, Selma, Anna und Ewald. Es ist die Ge­schichte von zwei Paaren, die glücklich miteinander waren und es nicht bleiben konnten, als Eschenbachs große, verbotene, richtige und falsche Leidenschaft für Anna entbrannte. Der neue, wunderbar choreographierte und vielschichtige Roman Uwe Timms erzählt mit hoher Inten­sität und zugleich fast meditativer Ruhe, präzise, schön, komisch und klug von der Macht des Begehrens, von den geheimnisvollen Spielregeln des Lebens und von der Kunst des Abschieds.

Ein Mann hat alles verloren, seine Freundin, seine Geliebte, seinen Beruf, seine Wohnung, er hat einen Bankrott hinter sich und ist hoch verschuldet. Nun lebt er für eine Weile ganz allein auf einer Insel in der Elbmündung, versieht den Dienst als Vogelwart. Ein geradezu eremitisches Dasein, das durch einen Anruf durcheinandergewirbelt wird.
Anna kündigt ihren Besuch an – eben jene Anna, die vor sechs Jahren vor ihm nach New York geflohen ist und zuvor sein Leben komplett aus den Angeln gehoben hat. Und während Eschenbach sich auf das Wiedersehen mit ihr vorberei­tet, seinen Alltagsritualen folgt, Vögel zählt und Strandgut sammelt, besuchen ihn die Geister der Ver­gangenheit und es entfaltet sich die Geschichte von Eschenbach, Selma, Anna und Ewald. Es ist die Ge­schichte von zwei Paaren, die glücklich miteinander waren und es nicht bleiben konnten, als Eschenbachs große, verbotene, richtige und falsche Leidenschaft für Anna entbrannte...

Mit reichlich Respekt begab ich mich an die Lektüre dieses Romans, der in diesem Jahr auf der Liste der für den Deutschen Buchpreis nominierten Bücher stand. Und tatsächlich musste ich mich erst einfinden in die Sprache, den vermeintlich kühlen, fast schon distanzierten Stil, der die Personen nur zögerlich und fast unwillig bei ihrem Namen nennt, am liebsten nur Ihn und Sie und Den Freund erscheinen lässt. Ganz langsam nur entpuppen sich die Figuren, gewährt Uwe Timm einen weiteren Pinselstrich, der die Charaktere allmählich deutlicher skizziert - und ihre Beziehungen zueinander.
Geschrieben ist das Buch in stetem Wechsel zwischen der einsamen Inselwelt, dem rudimentären Aufsichzurückgeworfensein, und den Erinnerungen, Geistern der Vergangenheit, mit denen Eschenbach sich in seiner selbstgewählten Einsiedelei unterhält.

So zögerlich wie der Roman Einblicke in die Charaktere zu zeigen bereit ist, so schnell ist doch deutlich, dass einiges im Leben des Christian Eschenbach anders verlaufen sein muss, als er es sich vorgestellt hat. Erfolgreich zunächst, gut situiert, eine Beziehung, die ausreichend Freiräume bietet und doch schön ist, ein Fragender zwar aber doch eigentlich zufrieden - so zeigt sich Eschenbachs Leben, bis er auf Anna trifft:

"Und Eschenbach stand da und hatte, so wie sie ihn ansah, mit dem ruhigen, auf ihn gerichteten Blick, und wie sie ihm zuhörte, den merkwürdigen Gedanken, nein, es war nur ein Wort: Rettung. Sie könnte dich retten. Wovor? Vor allem. Vor Gleichgültigkeit. Vor Bedeutungslosigkeit. Beliebigkeit."

Und diese Begegnung, dieses Begehren, unvernünftig, nicht sein dürfend und doch alles überschwemmend, bringt das Leben durcheinander. Nicht nur das Eschenbachs, sondern auch das der anderen, das von Anna, von ihrem Mann Ewald und das von Selma, Eschenbachs Freundin. "Alle litten, litten aneinander, ein eng verschlungenes, tiefes Leid."
Und einmal in Schieflage geraten, gerät das Leben vollends aus den Fugen, stellt alles in Frage, begräbt Eschenbach unter Trümmern. Auf der Insel mit den Vögeln und den kleinen Ritualen, die ihm Halt geben in der Einsamkeit, kommt er allmählich wieder zu sich. Bis Anna, eben jene Anna, mit der Eschenbach das Begehren lebte, ihren Besuch ankündigt. "Freute er sich auf ihr Kommen? Ja, aber es war eine Freude, die, das war ihr beigegeben, Enttäuschung fürchtete." Was würde ihn nun erwarten?

Intellektuell, anspruchsvoll, nachdenklich, einladend den Fragen zu folgen, und sprachlich eindringlich und schön - so begegnete mir der Roman. Oder, um es mit den Worten des Klappentextes zu sagen:
"Der neue, wunderbar choreographierte und vielschichtige Roman Uwe Timms erzählt mit hoher Inten­sität und zugleich fast meditativer Ruhe, präzise, schön, komisch und klug von der Macht des Begehrens, von den geheimnisvollen Spielregeln des Lebens - und von der Kunst des Abschieds."

Für mich eine wundervolle Leseerfahrung...

© Parden

 

Mit Bildern und zusätzlichen Informationen versehen gibt es diese Rezension auch in unserem Blog:

http://www.litterae-artesque.blogspot.de/2013/10/timm-uwe-vogelweide.html