Rezension

Wohlfühlroman mit besonderer Note

Das Glück hat acht Arme -

Das Glück hat acht Arme
von Shelby Van Pelt

Bewertet mit 4 Sternen

Meinung:

Das Buch hat mich angesprochen, da ich die Idee mit dem Riesenkraken als Freund echt süß fand. Von diesen Tieren habe ich noch nicht so viel gelesen und ich habe schon länger mal wieder Lust, auf eine richtig berührende Geschichte mit etwas Humor dazwischen und genau das habe ich bei „Das Glück hat acht Arme“ erwartet.

Los geht die Geschichte damit, dass ein Kapitel aus der Sicht von Oktopus Marcellus erhalten. Marcellus ist wie erwartet sehr schlau. Er hat die Vorgänge im Aquarium genau im Blick und er stiehlt sich nachts auch aus dem Becken heraus, um sich kleine Leckerbissen zu genehmigen und noch mehr von der kleinen Welt im Aquarium zu erkunden. Eigentlich möchte er aber nur zurück in die Freiheit. 

 
Solche kleinen Kapitel gibt es während der ganzen Geschichte verteilt, insgesamt aber doch etwas weniger, als ich erwartet hätte. Man erfährt dabei auf spielerische Weise mehr über Oktopusse und die Kapitel lassen sich sehr schön lesen, da Marcellus mit viel Humor und Sarkasmus berichtet, aber gleichzeitig ist das auch ein kleiner Kritikpunkt, da er doch sehr vermenschlicht wurde. Dies hat mich nicht wirklich gestört, aber anfangs habe ich schon etwas gebraucht, um mich ganz damit anfreunden zu können.

Auch die Geschichte selbst, ist anders als erwartet. Die 70-jährige Tova ist eine herzensgute, aber doch sehr spezielle Person, mit einigen Auffälligkeiten und Macken. Sie ist geprägt von ihrer Vergangenheit, in der sie nicht nur ihren Sohn für Tod erklären lassen musste, obwohl nie genau klar wurde, was damals passiert ist, auch ihren Mann hat sie an den Krebs verloren. Obwohl sie daran noch zu knabbern hat, macht sie weiter mit ihrem Leben, wenn auch mit einer gewissen Schwermut. Aber sie liebt ihre Putztätigkeit im Aquarium und hat auch viele Freunde.

Und auch der zweite Protagonist Cameron ist speziell und einfach unzufrieden mit seinem Leben und von Wut durchfressen. Seine Mutter hat ihn abgegeben, als er klein war und seinen Vater hat er nie kennengelernt. Und obwohl er sehr schlau ist, verbaut er sich sein Leben sehr oft, wobei er die Schuld dafür ausschließlich in seiner Kindheit sieht, anstatt in seinen Taten. Als er zufällig eine Spur findet, die zu seinem Vater führen könnte, macht er sich auf die Suche und trifft dabei auf Tova und Marcellus.

Somit sind die Charaktere doch stark mit Problemen behaftet und vor allem Cameron braucht doch lange, bis er die Sympathien der Leser für sich wecken kann. Außerdem nimmt die Geschichte sich sehr viel Zeit, bis sie sich entwickelt und vorangeht. Da lockern die kurzen Kapitel aus der Sicht des Kraken die Szenerie doch merklich auf.

Aber auch dazwischen entwickeln sich mit der Zeit feine Fäden, die man als Leser gerne mitverfolgt. Zarte Freundschaften, neue Erkenntnisse und Entwicklungen und eine zugegeben etwas unwahrscheinliche, aber doch nette Grundidee dahinter.

Den Schreibstil fand ich sehr angenehm, wenn auch, wie gesagt, eher ruhig und unaufgeregt. Die Kapitel aus der Sicht von Marcellus werden in der Ich-Perspektive erzählt, während wir Tova und Cameron in der 3. Person kennenlernen.

Ich muss noch sagen, dass mir das Ende dann doch etwas zu schnell ging. Die Geschichte hat sich vorher so viel Zeit genommen, um sich zu entwickeln, sodass ich gerne auch noch mehr von den Entwicklungen am Ende gehabt hätte. Aber das ist nur ein ganz kleiner Kritikpunkt, da alles wichtige erzählt wurde.

Fazit:

Auch wenn „Das Glück hat acht Arme“ meine Erwartungen nach einem richtig emotionalen Knaller nicht ganz erfüllen konnte, habe ich die Geschichte gerne gelesen. Ich mochte die Mischung aus Humor und den vielen leisen Tönen und auch der Mut der Autorin, ihre Figuren so problembehaftet und doch besonders zu beschreiben, hat mir imponiert. Insgesamt vergebe ich solide 4 Sterne für diesen Wohlfühlroman mit besonderer Note.