Rezension

Einmal Ratzinger und zurück: ein Kurzdurchgang

Benedikts Vermächtnis -

Benedikts Vermächtnis
von Peter Seewald

Bewertet mit 5 Sternen

Mit seiner erweiterten Interviewmethode kommt Seewald erstaunlich weit. Es ist mein erstes Buch von ihm, ich hoffe, er variert und es sind nicht alle seine Bücher nach diesem Strickmuster, - was mich erzürnen würde. Da ich es aber nicht weiß - beim ersten bin ich noch offen dafür.

Peter Seewald, von Haus aus katholisch, später kirchenkritisch und, laut wiki, einige Zeit lang linksliberal eingestellt, hat Benedikt XVI lange begleitet und ihn in seiner Eigenschaft als freier Journalist häufig interviewt. Zitat aus wiki: „Aus einem ausführlichen Interview mit Kardinal Joseph Ratzinger 1996 entstand schließlich Peter Seewalds Buch „Salz der Erde“, das er zusammen mit dem Interviewten herausgab und das den späteren Papst abseits der häufig beschriebenen Rollen porträtiert.“.

In dem vorliegenden Sachbuch „Benedikts Vermächtnis“ gibt Seewald einen Überblick über das Leben Josef Ratzingers. Obwohl es biografische Züge trägt, handelt es sich bei dem Buch „Benedikts Vermächtnis“ nicht um eine richtige Biografie, dafür griffe es zu kurz, hätte es zu viele Auslassungen und Verkürzungen. Dennoch bekommt der Leser einen Einblick in die Tätigkeit eines Priesters und Gelehrten, eines Theologieprofessors, der in Bonn, Münster, Tübingen und Regensburg Katholische Theologie lehrte. Lehre war Ratzingers Liebe. Er hat sie ungern aufgegeben. Seine Leidenschaft war das Bücherschreiben. Diese Leidenschaft, die Leiden schafft (jedenfalls dann, wenn man begründete Sachbücher schreibt), behielt er bis ins hohe Alter bei. Besonders erwähnenswert ist Ratzingers Rolle im Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 bis 1965), die ihm schließlich und endlich den Ruf nach Rom eintrug. Dort, als Leiter der Katholischen Glaubenskongregation oblag ihm die Verteidigung des christlichen katholischen Glaubens. Ein undankbarer Job, der für viele Anfeindungen Raum gibt. Das Weitere ist bekannt. 

Der Kommentar: 
Peter Seewald bereitet die Inhalte seines Buches elegant auf. Fast wie ein Interview gibt es über kleine und noch kleinere Abschnitte Fragen oder Thesen in Kursiv-Schrift, die er dann mit einigen Zitaten oder Fakten unterlegt und beantwortet. So wird das Buch facettenreich und locker.
Die gewählte Form verhindert ein Schürfen in theologische Tiefen, weil sie zwar ein gezieltes Auswählen von Themen ermöglicht, eine solche Auswahl aber auch willkürlich ist und folgerichtig viele Themen ausspart. Und die Antworten unter den kursiven Überschriften einfach zu kurz sind!
Dennoch gelingt es Seewald verblüffenderweise schlaglichtartig einige Probleme von Job, Amt, Persönlichkeit, Kirchenrecht und Glauben so zu unterfüttern, dass „Fleisch auf die Knochen“ kommt. Theologische Einzelprobleme dürften den Laien auch gar nicht interessieren.
Im Schlussteil geht Seewald auf diskriminierende Presse- und Medienkampagnen ein, die den Papst in ein, wie er meint und wie ich ihm zu folgen geneigt bin – unzulässiges falsches Licht stellen, Verkürzungen, bewusste Auslassungen … wir kennen die Mechanismen. Seewald legt Pro und Contra auf den Tisch. Sozusagen ein Faktencheck. 

Fazit: Eine kurzweilige Darstellung der Eckpunkte von Josef Ratzingers Leben und Wirken. Wer mehr will, muss Ratzingers Werke lesen. 

Verlag: Hoffmann & Campe, 2023
Kategorie: Sachbuch. Katholische Theologie