Rezension

Wenn ein Vampirmädchen Tagebuch schreibt ...

Anna von Schlottersteins Nächtebuch
von Angela Sommer-Bodenburg

Bewertet mit 5 Sternen

In Antons Zimmer muss jemand über Nacht ein in schwarzen Samt gebundenes Tagebuch gelegt haben. Anna, Rüdiger von Schlottersteins kleine Schwester, war es, verrät der beiligende Brief. Wenn ein Vampirmädchen ihre geheimen Gedanken aufschreiben würde - würde sie ein Nächtebuch schreiben. Anna die Zahnlose, noch zu jung für Vampirzähne, ist die jüngere Schwester von Rüdiger, der in Angela Sommer-Bodenburgs Klassiker aus dem Jahr 1979 Freundschaft mit dem Menschenjungen Anton schließt. Annas Nächtebuch erzählt die bekannte Geschichte nun aus Annas Perspektive. Schnell wird in ihren Einträgen deutlich, wie wichtig es für eine jüngere Schwester von zwei Brüdern ist, sich ihre Wünsche und Träume ungestört von der Seele schreiben zu können. Anna kann sich erstaunlich gut in Rüdiger einfühlen, dessen Eskapaden in die Menschenwelt Oma von Schlotterstein damit erklärt, dass er als mittleres Kind chronisch nach Aufmerksamkeit hungert. In Kapiteln mit perfekter Vorlese-Länge erfahren wir alles Wissenswerte über die dienstälteste Vampirfamilie der deutschen Kinderliteratur. Wir lesen, warum die Schlottersteins Bram Stoker in Vampirangelegenheiten für einen ahnungslosen Blender halten, wie eine Vampirfamilie sich fortbewegt, wenn das jüngste Kind noch nicht fliegen kann, und dass ein Vampirkind keine Erinnerungsstücke aufheben darf, damit die Familie stets mobil bleibt.

Das Handwerkliche
Annas "Nächtebuch" ist zwar nicht in Samt gebunden, als Hardcover in schwarzer Holzoptik wirkt es zu schwarzen Flugumhängen und Strumpfhosen absolut passend.

Fazit
Die Reaktion des Vampirclans auf Rüdigers unvampirisches Verhalten sorgt garantiert für Lacher, Clou des Buches sind jedoch Annas "süße und innige" Gefühle für Anton.