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Euregio-Schüler-Literaturwettbewerb 2017

Eine spannende und abwechslungsreiche Zeit als Jurymitglied beim Euregio-Schülerliteratur-Wettbewerb

Dieser Artikel umfasst einen kurzen Bericht wie der Euregio-Schüler-Literaturwettbewerb abgelaufen ist und wie meine Erfahrungen damit waren. Es ist eine interessante Erfahrung und ich kann es nur jedem empfehlen. Dann viel Spaß mit dem Artikel.

Der Euregio-Schülerliteratur-Wettbewerb. Was ist das? Dieser Wettbewerb ist etwas ganz besonderes. Es verbindet Buchliebhaber mit ausgewählten Büchern und ihren Autoren. Ein toller Nebeneffekt ist jedoch, dass die Schüler/Jugendlichen dazu angeregt werden literarische Texte zu lesen, die sie so nicht gelesen hätten. Auch können sie sich mit ernsten Themen beschäftigen, ob mit Flüchtlingen oder einer Selbstfindungsreise zu sich selbst und/oder zu seinem Glauben.

Die Teilnehmer/Innen erwarten sechs wundervolle Bücher und ihre Autoren, zahlreiche Lesungen, Kritikerrunden mit professionellen Kritikern und ein Jurytag, an dem man sich mit zahlreichen anderen Schülern im selben Alter über die dargebotenen Bücher austauschen kann. Schüler aus Belgien, der Niederlande und aus Deutschland können sich sehr gut verständigen und sich sehr einfach über die Bücher austauschen und Bekanntschaften schließen. Etwas ganz besonderes stellt auch die Preisverleihung da, an der, der Gewinner und der jeweilige Übersetzer der Abstimmung geehrt werden.

Zuerst werden die sechs Bücher gelesen, ob alleine, im Team oder zu zweit.  Dieses Jahr, 2017, wurden diese sechs Romane gelesen, jeweils zwei Bücher aus den drei verschiedenen Ländern, die jeweils in die anderen beiden Sprachen übersetzt wurden: „Das rote Halsband“ von Jean-Christophe Rufin, „Die Konsequenzen“ von Nina Weijers, „Der Name meines Bruders“ von Larry Tremblay, „Das größere Wunder“ von Thomas Glavinic, „Ein ganzes Leben“ von Robert Seethaler und „Dies sind die Namen“ von Tommy Wieringa.

Nach unseren durchwachsenden Lesestunden, haben wir uns mit Frau Körlings in der Schülerbücherei getroffen und uns lebhaft über die Bücher ausgetauscht. Zusammen sind wir anschließend mit dem Bus zu den einzelnen Veranstaltungsorten der Lesungen zu den gegebenen Terminen gefahren. Jeder Autor hatte vor Ort die Gelegenheit aus seinem/ihrem Buch vorzulesen, natürlich in der ursprünglichen Sprache. Den Kommunikationsproblemen wurde jedoch vorsorglich aus dem Weg gegangen, in dem die vorgelesenen Textpassagen in der jeweiligen anderen Sprache eingeblendet wurden. Nach jeder Lesung der Bücher hatten wir immer die Gelegenheit den Autoren Fragen zu stellen, ob zu den Büchern, Handlungen, Charakteren, etc. Auch hier wurden Übersetzer engagiert, die für uns übersetzt haben. Diese Erfahrung war sehr interessant, weil ich noch nicht an so einem Ereignis teilgenommen habe.

Insgesamt gab es für uns drei Lesungen und eine Kritikerrunde in Aachen. Bei der Kritikerrunde haben sich berufliche professionelle Kritiker mit uns über die Bücher unterhalten und ihre Kritikpunkte erläutert.

Die letzten beiden Veranstaltungen waren nun von ernster Natur.

Der Jurytag war ein ganz besonderes Ereignis. Zur Einstimmung durften wir uns eine Rede anhören und schließlich gab es eine Vorstellungsrunde. Passend dazu gab es Kleingruppen, in denen wir uns spezielle Fragen beantworten sollten und uns danach gegenseitig in der Runde vorgestellt haben. Anfangs war es ein wenig ungewohnt, weil wir nicht alle Deutsch gesprochen haben. Zum Glück konnten wir alle gut Englisch sprechen und darüber sehr gut miteinander kommunizieren und uns kennenlernen.

Anschließend sollten wir in die Gruppen unserer Favoriten gehen, die jedoch pro Länder abgehalten wurden. Somit gab es theoretisch  insgesamt 18 Gruppen. Zusammen in unserer Großgruppe sollten wir ein Plädoyer verfassen und anschließend vortragen.

Diese Erfahrung war sehr interessant, weil wir alle das gleiche Buch toll fanden und uns näher bringen konnten, warum wir es so toll und gut gelungen fanden.

Am Ende des Jurytags hat jeder einen Stimmzettel bekommen und sollte seine Stimme abgeben. Ausgewertet wurde später. In unserem Fall hat der Roman „Der Name meines Bruders“ von Larry Tremblay gewonnen, der ebenfalls ein gutes Buch geschrieben hat. Das Preisgeld bestand dabei aus 5000€ für den Preisträgerroman sowie 1000€ für seine Übersetzer, gestiftet von verschiedenen Konstitutionen.

Zum Abschluss gab es die Preisverleihung, die aus verschiedenen Reden von „höheren“ Personen und dem Autor bestand. Diese Reden wurden durch verschiedene musikalische Einlagen unterstrichen, die die ganze Atmosphäre auflockerten.

Ganz besonders die Darbietung eines französisch sprechenden Gitarrenspielers war sehr  außergewöhnlich, weil er keine „ruhige“ Ballade spielte, sondern eine rockige Einlage, die uns Teenagern natürlich mehr zu gesagt hatte. Leider gab es keine Zugabe, aber trotzdem viel Applaus, der sogar den höflichen Applaus der „höheren“ Personen übertrumpfte.

Nach den Reden, den musikalischen Einlagen und der Dankesrede von Larry Tremblay, gab es ein Büffet, an dem wir uns bedienen durften und Kontakte knüpfen und vertiefen konnten.

Der Literaturwettbewerb hat mir sehr viel Spaß gemacht, weil ich meine große Leidenschaft, das Lesen ausleben und in literarische Werke hinein schnuppern durfte, die ich als bevorzugte Fantasy und New Adult Leserin so nicht gelesen hätte. Viele aktuelle Themen wie die Flüchtlingskrise und die Selbstfindung wurden schön eingebettet in eine Handlung angesprochen, sodass ich mich mit den meisten Büchern sehr gut identifizieren konnte.

Lesen ist nicht nur eine besondere Leidenschaft, sondern lässt einen in fremde Welten eintauchen, die man aufgrund seiner Situation wahrscheinlich niemals kennenlernen würde. In Büchern gibt es keine Grenzen, alle Themen können besprochen und diskutiert werden. Nirgendwo sonst gibt es romantische Liebesgeschichten, die einen in den Bann ziehen können und nicht mehr loslassen. Bücher machen frei, wecken die Neugier und nebenbei verbessert es auch den Schreibstil, weil man neue Wörter und Satzstrukturen kennenlernt.

Mein liebstes Buch in dem Wettbewerb war der Roman „Ein größeres Wunder“ von Thomas Glavinic, weil sein Protagonist Jonas ein toller Sympathieträger war und dennoch eine ungeahnte Tiefe offenbarte. Er erzählte aus seiner Vergangenheit und wie er der geworden war, der er im Moment ist und hinterfragte schon sehr fortschrittlich für sein Alter die Welt, seinen Glauben, den Moral und lernte sich selber und seine Vorstellungen kennen. Diese Thematik wurde mit einer spannende ereignisreichen Mount Everest Expedition verbunden. Diese Reise um die Welt mit Jonas hat mich sehr berührt und seine Expedition war sehr ausführlich und aufregend beschrieben. Dieses Buch kann auf jeden Fall die Sicht auf die Welt ein wenig verändern oder verschieben.

Insgesamt hat sich das Projekt sehr gelohnt, weil wir Erfahrungen machen konnten, neue Menschen kennengelernt haben und in literarische Welten schnuppern konnten, die wir außer in Schullektüren nicht betreten würden.

Startbild vom Euregio-Schüler-Literaturwettbewerb

Kommentare

micluvsds kommentierte am 05. Juli 2017 um 09:48

Danke für den tollen Bericht! Ich kannte diesen Wettbewerb bisher nicht, aber jetzt kann ich mir da wirklich etwas drunter vorstellen. Ein wirklich tolles Projekt!

Vanessa_Noemi kommentierte am 06. Juli 2017 um 14:16

Das kling ja sehr interessant. Ich kannte diesen Wettbewerb bis jetzt auch noch nicht und auch ich konnte mir ein EInblick verschaffen. Ich finde es auch ein total tolles Projekt.

bookfox kommentierte am 06. Juli 2017 um 20:53

Danke für deine Erzählungen. Ich hatte auch noch nie etwas davon gehört. Es klingt aber sehr schön und es klingt, als hättest du es auch sehr genossen!

 

Wie genau kamst du zu der Ehre, dort hinzugehen?

Leseratte2007 kommentierte am 11. Juli 2017 um 17:53

Ich habe durch die Schule daran teilgenommen. Ich bin Mitglied bei unserer Schülerbücherei und unsere Leiterin hat mich darauf angesprochen, ob ich nicht als Jurymitglied mitmachen möchte. Ich habe nicht lange gezögert und habe zugesagt.

Jede Schule in der Region Aachen, Eupen und Maastricht können teilnehmen.

Ja es hat mir dort sehr gut gefallen, natürlich mochte man manche Bücher weniger, aber die Erfahrungen haben sich dafür sehr gelohnt.