Rezension

Frontbericht aus einer zerfallenden Nation

Im Wahn -

Im Wahn
von Klaus Brinkbäumer

Bewertet mit 5 Sternen

Das USA-Buch der zwei deutschen Journalisten Klaus Brinkbäumer und Stephan Lamby, eines von vielen im Jahr der US-Präsidentschaftswahl, fokussiert sich nicht nur auf Donald Trump, sondern auf jene Entwicklungen, die ihn 2016 möglich machten, und wie seine Amtszeit das beeinflusste. Sie beschreiben ein zerklüftetes Land und seine Medien, die Mechanismen seiner Politik. Ihr Urteil ist deutlich – und stimmt kritisch. 

Die USA erleben eine mehrfache Katastrophe: Kein anderes Land der Erde ist so stark von der Corona-Pandemie betroffen, der Einbruch der Wirtschaft ist dramatisch, der Anstieg der Arbeitslosigkeit ebenfalls. In der Corona-Krise ignoriert er Fakten, er lügt wiederholt und schiebt die Schuld für die Misere der demokratischen Partei und seinem Herausforderer Joe Biden in die Schuhe. Und das mitten im Wahljahr, in dem der Präsident vehement um seine Wiederwahl kämpft.

Trump hat seinen polarisierenden Regierungsstil noch verschärft.

Von Beginn seiner Präsidentschaft an hat Trump die amerikanische Gesellschaft gespalten, er hat einzelne Bevölkerungsgruppen gegeneinander aufgehetzt, Konkurrenten beleidigt und kritische Journalisten als "Feinde des Volkes" beschimpft. 2020 in der schwersten Krise der USA seit Jahrzehnten, verschärft Donald Trump seinen polarisierenden Regierungsstil noch. 

Auch nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd heizt Präsident Trump durch provozierende Aktionen und radikale Tweets die politische Stimmung im Land weiter an. Alles, um seine Chancen für eine Wiederwahl zu erhöhen.

Der - dieser - Präsident bemühe sich nicht um die amerikanische Gesellschaft, um einen Grundton des Ausgleichs statt des Hasses. In der Politik geht es nicht ums Versöhnen. Es geht ums Gewinnen: Trumps Maxime.

Trump ist, noch während er handelt oder auch nicht handelt, wichtig, wie sein Handeln oder Nichthandeln von den Medien bewertet wird – und nicht, was es bewirkt. 

Weil Trump rund drei Millionen Stimmen weniger als Hillary Clinton erhalten hatte – aus dieser damaligen Kränkung ist eine Obsession geworden – und weil ständig von russischer Wahlhilfe die Rede war, fühlt der Präsident sich gedemütigt: Sämtliche Konzentration, jeder Tweet und jedes Zitat gelte der Wiederwahl, die triumphal werden müsse. 

„Gib dem Affen Zucker“ – das beherrscht Donald Trump perfekt. Wenn die ganze globale Wirklichkeit ein zu hartnäckiger Gegner ist, werde einfach persönlich.