Rezension

Gepflegte Langeweile...

Der Platz im Leben - Anna Quindlen

Der Platz im Leben
von Anna Quindlen

Bewertet mit 2 Sternen

Bis zu jenem Tag, an dem ein brutaler Vorfall die Nachbarschaft erschütterte, glaubte Nora, dass sie glücklicher kaum sein könnte: Sie ist seit gut 25 Jahren mit Charlie zusammen, die Zwillinge sind auf hervorragenden Colleges, sie liebt ihre Arbeit im Museum of Jewelry, und mit einem stilvollen Haus in New Yorks bemittelter Upper West Side hat sich ihr sehnlichster Wunsch erfüllt. Doch plötzlich hat das friedliche Miteinander in ihrer Straße ein Ende. Jeder ist gezwungen, Stellung zu beziehen – Gräben tun sich auf, zwischen Nachbarn, Freunden, Familien und auch in Noras Ehe, und sie muss sich fragen, wo ihr Platz im Leben wirklich ist. 

Nora und ihr Mann Charlie leben bereits seit Jahren in einer Sackgasse eines gehobenen New Yorker Viertels. Die Nachbarschaft ist eine eingeschworene Gemeinschaft mit traditionellen Festen und Zusammenkünften. Als es zu einem unvorhergesehenen Zwischenfall kommt, gerät alles zunehmend aus den Fugen.

Ricky, der hispanische Handwerker, der für die gesamte Nachbarschaft arbeitet, wird von einem der Nachbarn brutal mit einem Golfschläger zusammengeschlagen. Fortan kursieren zwei verschiedene Versionen des Geschehens, und die Anwohner der Straße teilen sich in unterschiedliche Lager auf, je nachdem, welcher Version sie Glauben schenken mögen. Ein feiner Riss zieht sich durch die Nachbarschaft und wird täglich größer - und macht auch vor der Ehe von Nora und Charlie nicht Halt...

Wer hier (wie ich) ein feinsinniges Kammerspiel erwartet oder gar ein spannendes Psychodrama, wird wohl eher enttäuscht. Stattdesssen entspinnt sich hier die langatmig erzählte Geschichte einer Ehe, die durch einen äußeren Auslöser zu zerbrechen droht. Rückblenden in die Vergangenheit gehören ebenso dazu wie Reflektionen über das Hier und Jetzt, Entscheidungen werden in Frage gestellt und bereits vorhandene Gräben anscheinend zunehmend unüberbrückbar.

Eine gut situierte New Yorker Familie, deren Mitglieder sich auseinander entwickeln, zu unterschiedlich in ihren Lebensentwürfen und -planungen. Bewusste Entscheidungen werden dabei nur wenige getroffen, vieles geschieht einfach und muss dann hinsichtlich der Folgen näher betrachtet werden. Den einzigen Knall gibt es auf dem Parkplatz, auf dem Ricky brutal zusammengeschlagen wird. Alles andere ist - gepflegte Langeweile. Zumindest in meinen Augen...

Stets habe ich darauf gewartet, dass etwas Spektakuläres geschieht, auf Streitigkeiten gelauert, doch gab es davon nur wenige. Eine unspektakuläre und lahme Handlung - dies war der Eindruck, der sich mir ständig wieder aufdrängte - meist schon jeweils nach wenigen Seiten. Entsprechend lange habe ich an diesem Roman gelesen, dabei stets auch darauf lauernd, womöglich eine versteckte Botschaft zu entdecken. Doch gefunden habe ich nichts...

Eine zähe Handlung mit für mich unnahbaren Charakteren - hier gab es nichts, was mich zu dem Roman hinzog. Ob in China nun ein Sack Reis umfällt oder ich diesen Roman lese hinterlässt bei mir weitesgehend denselben Eindruck: uninteressant...

Schade - diesen Roman hätte ich gerne mehr gemocht...

 

© Parden