Rezension

Ob Zeit Wunden heilt, liegt an Dir selbst

Das Glück an Regentagen
von Marissa Stapley

Bewertet mit 5 Sternen

★★★★★

Mae lebt glücklich und zufrieden in New York. Ihr Leben ist nicht aufregend, aber sie liebt es, genau wie ihren Job und ihren Verlobten. Doch von jetzt auf gleich bricht alles zusammen: Peter ist nicht der, für den sie ihn hielt, sondern ein gesuchter Betrüger. Ihr ganzes Leben verändert sich. Mae flieht in ihre alte Heimat, zu ihren Großeltern ins Summer’s Inn. Dort hängt noch immer die Liste ihrer Mutter mit den Vorschlägen, was man an Regentagen alles machen kann. Doch auch hier ist nichts mehr, wie es war – angefangen damit, dass ihr Großvater verschwunden ist und ihre Großmutter sich selbst verliert. Mae erkennt, dass es viele Regentage gibt, es aber immer Dinge gibt, die den Regen schöner machen …

 

Dieser Roman zieht sich über sehr viele Generationen, die sich trotz der anderen Zeiten doch sehr ähnlich sind, deren Schicksale sich erstaunlich gleichen und die so viele Unterschiede wie Gemeinsamkeiten haben. Das Ganze ist so wunderbar ineinander verwoben, dass man sich fast fühlt, als würde die Geschichte sich wie eine warme Decke um den Leser wickeln. Erzählt wird auf Maes Zeitebene ihre Geschichte, die ihrer Mutter und die ihrer Großmutter. Alle drei Frauen machen große Verluste durch und müssen sich ins Leben und um ihre Liebe kämpfen. Jede auf ihre Art und doch so ähnlich! Die Menschen, die diesen drei Frauen begegnen und ihre Zeit teilen, spielen eine größere Rolle, als es anfangs scheinen mag. Fehler werden begangen, manche korrigiert, manche bedauert, manche nicht erkannt.

 

Die Regentage kann man sich schön gestalten und so ist es auch mit den schwierigen Zeiten im Leben. Das ist es, was Marissa Stapley uns mit auf den Weg geben will und was sie uns mit der Geschichte von und um Mae, Virginia und Lilly auf wundervolle Weise zeigt. Ihr Stil ist sanft und eingängig, man folgt ihren Worten sehr gerne. Noch dazu weiß Svenja Pages hervorragend, diese Story einzulesen. Sie legt nie zu wenige oder zu viele Emotionen hinein, was dafür sorgt, dass die Geschichte kein Jammerlied wird, sondern einfach sehr schön zeigt, dass jedes Leben Schwierigkeiten mit sich bringt, diese aber immer – mal mit mehr, mal mit weniger Mühe – überwunden werden können. Auch sieht der Leser/Hörer ganz klar, wie wichtig es ist, miteinander zu reden, eigene Ängste und Befürchtungen in Worte zu fassen und dem Gegenüber ganz klar zu signalisieren, dass Klärungsbedarf besteht. Irgendwann könnte es zu spät sein!

 

All das geschieht auf eine wunderbare Art und Weise, es gibt diverse Wendungen und einen zauberhaften, sehr schön passenden Epilog. Die Liste der Dinge, die man an Regentagen machen kann, ist gekürzt auch im Cover des Hörbuchs zu finden und alle Kapitel fangen mit einem dieser Vorschläge an. Maes Begegnung mit Gabe löst eine Reihe von Ereignissen aus, die für die Zukunft, aber auch die Vergangenheit, von großer Bedeutung sind. Alle Charaktere sind sehr real gezeichnet. Niemand ist nur gut oder nur böse, alle haben ihre Fehler und Schwächen, niemand ist perfekt. So hat man kaum das Gefühl, einen Roman zu lesen oder zu hören. Es ist fast, als erführe man tatsächlich die wahre Lebensgeschichte von Mae und ihren Liebsten. Zwischendurch gibt es kleine, besondere Elemente, die mir besonders gut gefallen, auch wenn sie recht unrealistisch sind.

 

An manchen Stellen fordert das (Hör-)Buch den Leser/Hörer schon arg, aber das macht auch das wahre Leben. Wer „perfekte“ Romanfiguren sucht, sollte dieses Buch nicht lesen. Es menschelt hier sehr und Marissa Stapley hat ihren Helden und Heldinnen auch zugestanden, nicht aus allem zu lernen und immer wieder neue Fehler zu machen. Wie ich finde, ein sehr lebensnahes Vorgehen. Ich schwanke zwischen vier und fünf Sternen. Insgesamt hat mich das Buch aber sehr bewegt und beeindruckt, deshalb runde ich auf und gebe die vollen fünf Sterne.

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