Rezension

Waterlilies

Der Duft der Seerosen - Kirsten John

Der Duft der Seerosen
von Kirsten John

Bewertet mit 4 Sternen

Berlin in den 30er Jahren. Die 17jährige Hanna wächst bei ihrer Großmutter Usch und der Haushälterin Herta auf. Der jüdische Glauben spielt für sie keine Rolle. Das ändert sich erst spürbar, als Hannas beste Freundinnen sie bei einem verabredeten Café-Besuch ignorieren. Einzig gemeinsame Museumsbesuche mit ihrem nichtjüdischen Freund Moritz bedeuten für Hanna eine Zuflucht in einer Welt, in der überall in den Schaufenstern Schilder mit der Aufschrift „Juden unerwünscht“ auftauchen, ihre jüdischen Mitschülerinnen sang- und klanglos das Mädchenlyzeum verlassen und Hanna von den Feierlichkeiten zum Muttertag ausgeschlossen wird. Die Gefährlichkeit der Lage erkennend, schickt Usch ihre Enkelin rechtzeitig außer Landes. Erste Station für Hanna ist Amsterdam. Von da aus will sie in ein anderes Land reisen. Das hierfür notwendige Addavit hat Hanna nicht. So geht sie schließlich auf das Angebot des holländischen Schiffsoffiziers Hans ein, ihn auf dem Schiff nach Amerika zu „begleiten“. Auf dem Schiff ist sie eine von neun „Waterlilies“, die beständig auf dem Schiff hin- und herpendeln und die jeweils wechselnden Offizieren zu sexuellen Diensten zugeordnet sind. Hanna verzweifelt an ihrer Lage und sieht für sich drei Möglichkeiten: Suizid durch einen Sprung ins Meer, Rückkehr nach Deutschland oder … ja, ein selbst entwickelter Plan, der für sie die Rettung bedeutet. Wie wird er aussehen?

 

Kirsten John greift sich das Einzelschicksal der jungen Jüdin Hanna, um an ihr beispielhaft in sehr berührender und zum Nachdenken anregender Weise darzustellen, wozu der Überlebenswille der Juden sie während des Nationalsozialismus getrieben hat. Hanna wird zu einer sog. Waterlily, einem leichten Mädchen. Für sie ist das eine große psychische Belastung. Ihre Liebe zu Kunst und Literatur lenken sie ab, rufen aber auch Alpträume in ihr hervor.

 

Formal ist die Geschichte derart gestaltet, dass sich Abschnitte vom Leben Hannas auf dem Schiff mit solchen aus ihrem Leben erst in Berlin, dann in Amsterdam abwechseln. Auf diese Weise wird erst nach und nach deutlich, in welcher Lage sich Hanna befindet und wie prekär die Situation ist.

 

Dieses Buch hält die Erinnerung an jüdische Einzelschicksale im Nationalsozialismus wach und erhält von mir eine unbedingte Leseempfehlung.