Rezension

Gutes Grundgerüst, aber durch die vielen Seiten geht die Spannung manchmal etwas verloren

At E.R.O.S - Greg Iles

@ E.R.O.S
von Greg Iles

Bewertet mit 3 Sternen

Kurzbeschreibung:
Tagsüber verkauft Harper Cole von seiner abgelegenen Farm aus Waren via Internet. Nachts hingegen arbeitet er als System-Operator für den exklusiven E.R.O.S.-Online-Dienst, zu dessen Kunden sowohl Hollywood-Stars als auch New Yorker Intellektuelle zählen. Unter der Zusicherung absoluter Anonymität plaudern diese Online-Benutzer im Internet ihre geheimen Wünsche und Obsessionen aus. Als plötzlich sechs weibliche E.R.O.S.-Kunden jeden Kontakt abbrechen, ahnt Cole, dass irgendetwas nicht in Ordnung sein kann. Und als die sechs Frauen schließlich ermordet aufgefunden werden, steht Cole plötzlich ganz oben auf der Liste der Hauptverdächtigen...

Meinung:
Ich habe das Ebook schon ziemlich lange mal runter geladen, bin aber nie zum Lesen gekommen. Nun, da mich schon zwei andere Bücher des Autors gut unterhalten haben, habe ich mich daran erinnert und mich ans Lesen gemacht.

Der Klappentext klingt wirklich spannend und vielversprechend. Bei solch verschwiegenen Onlinediensten gibt es ja meist ziemlich extreme Sachen zu lesen, weshalb ich mich trotz der vielen Seiten motiviert ans Lesen gemacht habe.

So habe ich anfangs eigentlich auch recht gut ins Buch gefunden und das Grundgerüst der Geschichte ist auch recht solide. Es gibt grausame Morde, hinter denen mehr steckt, als man zu Beginn ahnen kann, falsche Verdächtigungen und einige erschütternde Abgründe des wahnsinnigen Täters. Das Potential des Online-Dienstes wurde in meinen Augen nicht ganz ausgeschöpft, aber ab und an gab es dezente Anspielungen, die einen Einblick in mögliche Inhalte gegeben haben.

Spannung ist durchaus vorhanden, doch leider sehr schwankend. Wenn man mitten drin ist, wird oft wieder etwas Langweiligeres eingeschoben oder die aktuelle Erkenntnis einfach totgequatscht. Dabei kann es auch passieren, dass man einige wichtige Details aufgrund der Fülle einfach vergisst oder überhaupt nicht wahrnimmt und das ist etwas schade. Naja, irgendwie müssen die vielen Seiten ja zustande kommen, aber hier wäre weniger ganz klar mehr gewesen.

Trotz der vielen Details und Seiten lässt sich der Thriller ganz gut lesen. Der Schreibstil ist flüssig und die Spannung kehrt fast immer wieder rechtzeitig zurück, um zum Weiterlesen zu animieren und eine fesselnde Atmosphäre entstehen zu lassen. Man merkt dem Buch durchaus an, dass es bereits 1999 erschienen ist, denn die teilweise veralteten Darstellungen von Computer und Internet lassen Erinnerungen wach werden und locken das ein oder andere Schmunzeln aufs Gesicht.

Bei den Charakteren bin ich etwas Zwiegestalten. Einerseits bekommen sie genügend Raum sich zu entwickeln, haben Ecken und Kanten und eine gewisse Tiefe, aber gleichzeitig findet man extrem viele Klischees. Diese Mischung ist mir so noch nicht so oft begegnet, aber wirklich gefallen hat sie mir auch nicht. Vor allem, dass der innere Konflikt von Protagonist Harper so extrem breit getreten wird, war mit der Zeit doch etwas nervig.

Fazit:
Ein Thriller mit gutem Grundgerüst, dem aber ein paar Seiten weniger wirklich nicht geschadet hätten. So schafft es der Autor zu selten die durchaus vorhandene Spannung durchgängig oben zu halten und dies ist ziemlich schade. Auch die Charaktere haben mir nur bedingt zugesagt, aber trotz allem lässt sich @E.R.O.S. dank der fesselnden Atmosphäre recht gut lesen. Am Ende gibt es solide 3 Sterne.