Rezension

Manchmal leider etwas unglaubwürdig

Dunkles Arles
von Cay Rademacher

Bewertet mit 3 Sternen

Capitaine Roger Blanc freut sich auf ein unbeobachtetes Wochenende mit seiner heimlichen Geliebten, der Untersuchungsrichterin Aveline Vialaron-Allègre. Die beiden verabreden sich im Amphitheater von Arles. Doch dort wird Aveline unverhofft Zeugin eines Mordes. Um seine Tat zu verschleiern, versucht der Täter, Aveline ebenfalls zu beseitigen. Doch Capitaine Blanc kann das Schlimmste gerade noch verhindern. Allerdings gelingt es dem Mörder, Aveline ihre Tasche zu entreißen und unerkannt zu entkommen. Da sich in der Tasche äußerst wichtige Dokumente befinden, die Aveline am Montag ihrem Ehemann präsentieren muss, bleibt den beiden nur dieses Wochenende, um die Tasche zurückzuholen und den Mörder zu überführen. Capitaine Blanc und Aveline sind dabei nahezu auf sich allein gestellt, da niemand wissen darf, dass sie gemeinsam in Arles sind. Schon bald stellt sich heraus, dass der Mörder mächtige Helfer hat. Ein spannendes Katz- und Mausspiel beginnt....

„Dunkles Arles“ ist nach „Mörderischer Mistral“, „Tödliche Camargue“, „Brennender Midi“ und „Gefährliche Côte Bleue“ bereits der fünfte Band der Krimireihe um Capitaine Roger Blanc. Man kann dem aktuellen Fall allerdings auch dann mühelos folgen, wenn man noch keinen Band der Reihe gelesen hat. Denn Capitaine Blanc ermittelt an seinem freien Wochenende fast ganz allein. Unterstützung aus seinem Team erhält er nur wenig, da er in Arles keine Ermittlungsbefugnis hat und außerdem nicht daran interessiert ist, Mitwisser zu haben, die so von seinem Wochenende mit der Untersuchungsrichterin erfahren könnten. 

Der Einstieg in diesen Krimi verläuft problemlos. Man kann sich Protagonisten und Handlungsorte mühelos vorstellen, da der Autor alles detailliert beschreibt. Deshalb hat man das Gefühl, selbst vor Ort zu sein und die Szenen zu beobachten. Der Mord im Amphitheater wirkt besonders authentisch, da eine düstere und angespannte Atmosphäre zwischen den Zeilen schwebt. Das Interesse wird damit sofort geweckt. 

Die Spannung stellt sich dadurch ziemlich früh ein und kann über weite Teile gehalten werden. Denn Capitaine Blanc und seine Geliebte Aveline ahnen nicht, in was sie da zufällig hineingeraten sind. Das Katz- und Mausspiel ist zunächst spannend zu beobachten. Man weiß nicht mehr, wem man vertrauen kann und kommt deshalb bei den eigenen Ermittlungen, die man beim Lesen ja anstellt, nicht recht voran. Es kommt zu rasanten Verfolgungsjagden und actionreichen Szenen. Allerdings kommt irgendwann der Punkt, an dem man sich fragt, wie oft das Glück, bzw. der Zufall, noch auf der Seite von Capitaine Blanc und Aveline sein wird. Denn es gibt einige Szenen, die sehr spannend aufgebaut werden und sich dann durch Glück und Zufall quasi von selbst erledigen. Das wirkt auf Dauer schon ziemlich unglaubwürdig. 

Der Schreibstil ist flüssig und angenehm lesbar, auch wenn sich der Autor zuweilen etwas zu detailliert der Beschreibung von Nebensächlichkeiten widmet. Das sorgt zwar dafür, dass man sich alles sehr gut vorstellen kann, geht allerdings auch zu Lasten der Spannung. 

Ich habe mich bei diesem Krimi über weite Teile sehr gut unterhalten und konnte mich ganz auf die Handlung einlassen. Doch leider wirkten die vielen Zufälle und das überstrapazierte Glück der beiden Hauptprotagonisten auf mich ziemlich unglaubwürdig. Deshalb fällt meine Bewertung, trotz der interessanten Hintergründe dieser Undercover-Ermittlungen, nicht ganz so euphorisch aus. Denn auf meiner persönlichen Bewertungsskala vergebe ich "nur" drei von fünf Sternchen.