Rezension

Originell, unterhaltsam - aber mit Abstrichen.

Flammenmädchen - Samantha Young

Flammenmädchen
von Samantha Young

Bewertet mit 3 Sternen

Hinweis: Ich habe das Buch überwiegend im englischen Original gelesen, mir aber auch das deutsche eBook ausgeliehen, um einige Kapitel lang einen vergleichenden Blick auf die Übersetzung zu werfen. Die Übersetzung scheint den lockeren, jugendlichen Ton des Buches perfekt zu treffen und liest sich meiner Meinung nach sehr ähnlich.

Auf deutsch ist das Buch erst im Jahr 2014 erschienen, aber ich muss zugeben, dass das englische eBook schon seit Dezember 2012 (!!) auf meinem Kindle schmorte und darauf wartete, dass ich es endlich lese. Tja, das habe ich jetzt getan, und natürlich ist die große Frage: hat es sich denn gelohnt?

Jein.

Um direkt mit dem größten Pluspunkt anzufangen: das Buch ist vom Thema her definitiv mal was Anderes. Hier gibt es keine Vampire, Hexen, Engel, Dämonen oder andere Wesen, die sich typischerweise in Fantasyromanen für junge Leserinnen tummeln, sondern Dschinns und die verschiedensten Unterarten von Dschinns, gut oder böse oder irgendwas dazwischen - mit dem Dschinn aus Aladins Wunderlampe haben sie allerdings alle herzlich wenig zu tun! Die märchenhafte Mythologie und die politischen Intrigen dieser Welt haben mir gut gefallen und erschienen mir auch schlüssig und glaubhaft.

Die Geschichte fängt relativ langsam an, aber ich fand sie dennoch direkt unterhaltsam und war gespannt, wie sich die Dinge entwickeln würden. Auch der Humor hat mich sehr angesprochen - eine witzige Mischung aus orientalischer Mythologie und Jugendkultur. Zum Beispiel wird Aris Haus von einem weiblichen Poltergeist heimgesucht, der nachts gerne ihren Laptop benutzt und (zu ihrem Ärger) mehr Follower auf Twitter hat als sie... 
Aber so originell und ungewöhnlich die Mythologie auch ist, so typisch ist das Buch leider in anderer Hinsicht. So wie Bella sich nicht entscheiden konnte zwischen Edward und Jacob, Katniss zwischen Peeta und Gale, America zwischen Maxon und Aspen (und so könnte ich noch eine Weile weitermachen), so steht Ari zwischen ihrer Jugendliebe Charlie und dem mysteriösen Dschinn-Bodyguard Jai. 

Was ich vielleicht weniger nervig gefunden hätte, wäre Charlie in meinen Augen nicht so gänzlich unsympathisch gewesen. Ja, er hat eine schlimme Zeit voller Trauer und Schuldgefühle hinter sich, aber das gibt ihm noch lange nicht das Recht, andere Leute zu behandeln wie Dreck - und das tut er. Er lässt Ari zwei Jahre lang komplett im Stich, leistet sich wirklich Mieses (Sex mit einem anderen Mädchen? Auf Aris Geburtstagsparty?! Im Bett ihres Vaters?!!!!), versucht sie zu manipulieren... Es fiel mir oft schwer zu glauben, dass er früher so ein lieber, guter Junge gewesen sein soll, wie Ari immer und immer (und immer und immer) wieder beteuert. 

Jai Bitai gefiel mir viel besser, und so konnte ich Aris wachsende Gefühle für ihn auch wesentlich besser nachvollziehen. Allerdings lässt auch er manchmal das Alpha-Männchen raushängen, und ganz ehrlich, ich glaube, ich bin zu alt für diese Art Liebesgeschichte... 

Ich mochte Ari sehr gerne, aber anfangs konnte ich nur mit dem Kopf schütteln und denken: Mädchen, lass dich doch nicht so behandeln - von niemandem! Aber gut, sie ist noch ein Teenager, sie ist unsicher und kann sich auf ihren besten Freund nicht mehr verlassen... Im Laufe des Buches entwickelt sie sich spürbar weiter, auch wenn es den ein oder anderen Rückschritt gibt. Manchmal hatte ich dann sogar das Gefühl, dass sie ein wenig zu ruhig und gefasst auf alles reagiert, was ihr geschieht! 

Die jugendlichen Charaktere sind überwiegend glaubhaft geschrieben, mit all ihren Stärken, Schwächen und für das Alter typischen Unsicherheiten. Allerdings benehmen sich ein paar Charaktere, die schon Anfang 20 oder älter sind, oft ebenfalls erstaunlich unreif...

Aber mein größter Kritikpunkt: im Laufe des Buches zeigt sich, dass Ari eine Fähigkeit hat, die sie in meinen Augen eigentlich so gut wie allmächtig machen müsste - aber weil das Buch (bzw die Reihe) dann schon sehr früh beendet wäre, vergisst sie praktischerweise mehrfach, dass sie diese Fähigkeit hat... Dabei ist es wirklich, wirklich naheliegend, diese Fähigkeit einzusetzen.  

Der Schreibstil ist locker-flockig und humorvoll, mit viel Jugendsprache. Auch die Welt mit ihren farbenfrohen Wesen und Orten wird wunderbar bildlich beschrieben. Nur die ganz großen Emotionen konnte der Stil für mich oft nicht so richtig transportieren. 

Fazit:
In dieser YA-Fantasy-Reihe geht es mal um unterrepräsentierte Fantasywesen: Dschinns. Allerdings sitzen die (meist) nicht in Lampen und man sollte sich dreimal überlegen, ob man sich von ihnen etwas wünscht - nicht alle sind den Menschen freundlich gesonnen... Die 18-jährige Ari wird quasi über Nacht in deren Welt geschmissen und muss feststellen, dass sie eine große Rolle spielt in den Machtkämpfen und Intrigen der sieben Könige und ihrer Anhänger.

Die Welt und die Mythologie fand ich sehr interessant und gut beschrieben, und auch die Geschichte an sich gefiel mir gut. Auf das unvermeidliche Liebesdreieck hätte ich allerdings lieber verzichtet, besonders da einer der beiden Jungs sich wirklich benimmt wie der letzte Vollpfosten! Außerdem ist Ari in einer Hinsicht einfach absurd übermächtig...

Ich hatte das Buch schnell durch und fand es auch sehr unterhaltsam, aber ich würde sagen, dass es tatsächlich eher ein Buch für jugendliche Leser ist. (Meiner Meinung nach gibt es durchaus Jugendbücher, die sich auch prima von Erwachsenen lesen lassen!) Da ich Band 2 schon besitze, werde ich ihn wohl auch lesen, aber ansonsten hätte ich ihn mir wohl nicht gekauft.