Rezension

Was für eine Inszenierung

Der Erlkönig -

Der Erlkönig
von Jérôme Loubry

Bewertet mit 4 Sternen

Sandrine, die als Journalistin in der französischen Provinz tätig ist, erhält überraschend die Nachricht vom Tod ihrer Großmutter und dass sie als deren Alleinerbin eingesetzt ist. Sandrine hatte keinen Kontakt zu der Verstorbenen und weiß nicht sehr viel über die Frau. Eigentlich fühlt sie sich sehr unwohl, als sie sich auf die Insel begibt, auf der die Großmutter früher in einem Kinderheim beschäftigt war und die heute nur mehr von einer Gruppe betagter Leute bewohnt wird. Es kommt, wie es kommen muss, die Verbindung zum Festland bricht ab. Aber Sandrine wird einige Tage später blutbefleckt an einem Strand aufgefunden. Der ermittelnde Kommissar steht vor einem Rätsel.

Der Erlkönig ist hier eine Schreckensfigur aus Kinderträumen und gibt den Titel dieses außergewöhnlichen psychologischen Thrillers des französischen Schriftstellers Jerome Loubry vor.

Der erste Abschnitt wirkt verwirrend, zum Teil haarsträubend unlogisch. Fast schon war ich versucht, das Buch als ganz schlimme Konstruktion von Unglaubwürdigkeiten wegzulegen. Doch der Autor schafft eine Kehrtwendung und ganz leise spürt man ein Grauen heranziehen, ein ganz unbehagliches Gefühl, dass hier nichts ist, wie es auf den ersten Blick scheint.

„Wie … wie soll man da Wahrheit und Lüge auseinanderhalten? Wie herausfinden, was …. tatsächlich widerfahren ist?“

Die Geschichte, die in mehreren Handlungssträngen und Zeitebenen erzählt wird, beginnt einen unglaublichen Sog zu entwickeln, dem man sich gar nicht mehr entziehen mag.  Unwillkürlich drängten sich mir zum Schluss Assoziationen zu einem der genialsten Bücher (und Filme) auf, soweit ist die Idee nicht ganz neu. Aber wenn ich zu Anfang noch ein wenig herablassend dachte: Was für eine Inszenierung. Dachte ich am Schluss nur mehr bewundernd: Was für eine Inszenierung!